Pressefreiheit in Gefahr?

ANC gesteuerte Regierung sagt Journalisten den Kampf an

(Autor: Ghassan Abid)

© Printmedien im Visier (Quelle: pixelio.de/ Jetti Kuhlemann)

Die Medienlandschaft im Post-Apartheid-Südafrika erfährt in diesen Wochen eine bisweilen einmalige Situation, wie noch nie zuvor. Nachdem ein Mitarbeiter der Sunday Times festgenommen und verhört wurde, sehen viele Menschenrechts-gruppen und Presseverbände die Meinungsfreiheit im Lande für gefährdet an. Man wirft der Regierung und der regierenden Partei African National Congress (ANC) unter Präsident Jacob Zuma vor, dass jene Journalisten, die in der Vergangenheit kritisch über Betrugs- und Korruptionsfälle von Regierungsangehörigen berichtet hatten, nun verstärkt unter Druck gesetzt und bewusst eingeschüchtert werden.

So sind Beeinflussungs- und Einschüchterungsversuche von politischer Seite keine Neuheit. Einzelne Politiker, allen voran Jacob Zuma, versuchten in der Vergangenheit mithilfe von turmhohen Schadenersatzklagen gegen unliebsame Berichterstattung vorzugehen, riefen den Presserat an oder beklagten sich beim Ombudsmann der Presse“, so die Bewertung von Frank Windeck, Leiter des Medienprogrammes Sub-Sahara Afrika der Konrad-Adenauer-Stiftung in Johannesburg. Der Presserat und der Ombudsmann der Presse sind Institutionen der südafrikanischen Medien, die eine gewisse Selbstkontrolle über die Berichterstattung ausüben sollten. Jedoch erwiesen sich beide Institutionen aus der Sicht des ANC für wirkungslos, sodass man bereits auf dem nationalen Parteitag von 2007 in Polokwane, der Provinzhauptstadt von Limpopo, ein Medientribunal forderte, welches Fehlverhalten von Journalisten rügen oder besser gesagt bestrafen sollte. Bis zur Fußball-WM 2010 sind diese Pläne in der Schublade gewesen, deren Staub in den letzten Wochen allmählich abgefallen ist und nun klar lesbar geworden sind. Sogar so lesbar, dass diese Pläne zur Regulierung der Berichterstattung nun in einem Gesetzentwurf ihren Niederschlag finden konnten.

Im „Protection of Information Bill“ bestünde dann ferner die Möglichkeit, dass sämtliche Regierungsstellen und öffentliche Unternehmen zur Wahrung nationaler Interessen jegliche Dokumente als Verschlusssache einstufen könnten. Man kann sich durchaus die Frage stellen, was hierbei das Problem sei, zumal in Deutschland ebenfalls zahlreiche Dokumente unter Verschluss gehalten werden. Kritiker befürchten jedoch, dass diese Maßnahme wie in Simbabwe zum Nachteil des Pressewesens missbraucht werden könnte. Die Konsequenz wäre ein weitgehender Kontrollverlust staatlicher Aktivitäten durch die Öffentlichkeit; der Presse.

Die Definition des Begriffs „nationale Interessen“ wird dabei so weit gefasst, dass bei ein wenig Fantasie nahezu alles darunter gefasst werden könnte. So auch zum Beispiel kommerzielle Informationen, wie etwa Ausschreibungen für staatliche Projekte. Ein Feld, in dem es in den letzten Jahren zu einer ganzen Reihe von Skandalen gekommen ist“, betont Frank Windeck die potentielle Problematik dieses Gesetzentwurfes. Wer nun trotz Geheimhaltungsstufe dennoch über bestimmte Sachverhalte berichtet, muss mit Gefängnisstrafen rechnen, ähnlich dem deutschen Strafrecht.

Die Regierungspartei ANC kann diese mediale Empörung jedoch nur bedingt nachvollziehen. Zu diesen Stimmen zählt auch Theunisen Andrews, Regionalkoordinator des ANC in der Western Cape Provinz. Er bekräftigt, so seine eigene Meinung hierzu, dass Südafrika eine junge Demokratie ist und diese von Staaten der Ersten Welt noch lernen müsse. Die Klassifizierung von höchst vertraulichen Informationen sei aber gängige Praxis, auch im Westen. Theunisen Andrews betont die bewussten Falschmeldungen, vor allem seitens südafrikanischer Printmedien, sodass dieser Schritt im Grunde genommen notwendig ist. Die gegenwärtige Kampagne sei vielmehr aus dem westlichen Ausland gesteuert, um die politische Führung Südafrikas in Misskredit zu stürzen, beklagt Andrews die politisierte Debatte um die Pressefreiheit Südafrikas (für das Interview im Original siehe unten).

Mittlerweile fordern 37 Chefredakteure südafrikanischer Zeitungen in der sog. „Auckland Park Declaration“ die Niederlegung des Gesetzentwurfes durch Präsident Jacob Zuma. Sollte die Regierung dennoch am Plan zur Regulierung der Presse festhalten, wird ein Gang vor dem Constitutional Court of South Africa, dem Verfassungsgerichtshof in Johannesburg, unausweichlich bleiben.

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Exclusive Interview with ANC coordinator

NOTE: THE INTERVIEW IS BASED ON THE OWN VIEWS OF MR. ANDREWS AND NOT REPRESENTING THE OFFICIAL ANC POLICY

2010sdafrika-editorial staff: We would like to welcome Mr. Theunisen Andrews, Regional Coordinator of the African National Congress (ANC) in the West Coast of the Western Cape.

The ANC ruled government under president Jacob Zuma is preparing to regulate – critical voices are speaking about control – the media in South Africa. Why is the ANC striving to implement the “Protection of Information Bill”, which would allow the authorities and state owned enterprises to classify all information as secret source and therefore to the exclusion of the public monitoring?

© Theunisen Andrews, Regional Coordinator of the African National Congress (ANC) in the West Coast of the Western Cape

Answer: It is important to note, South Africa has a young democracy. We prefer to refer to our government as a developmental state who is learning from first world countries. Very sensitive information who reach the public domain has devastating impact on state security and security of our nation. The ANC has never indicated to classify all information. It refer to sensitive state information having an impact on state security.

All Countries around the world and in particular first world countries classified sensitive state information. It is common international practice.

2010sdafrika-editorial staff: Which South African and international media are in your opinion conspicuous by publishing wrong information about ANC members and government? What could be their ambitions?

Answer: It is very clear the printing media in South Africa is running their own agenda in spreading false information. Most of these media houses is not transformed yet. They are using these campaigns to justify their own inability in transforming their management and company structure.

2010sdafrika-editorial staff: In 2002, the government in Zimbabwe under Robert Mugabe has announced the “Access to Information and Privacy Act”, which is restricting according NGOs the media activities and press freedom in this country. In the “Auckland Park Declaration” 37 South African chief editors are calling to respect the freedom of opinion. Are the ANC plans, such as the “Protection of Information Bill”, in fact not a real danger for the democracy in South Africa?

Answer: Media freedom is not in danger. The focus is sensitive state information. It is common practice worldwide.

2010sdafrika-editorial staff: Which expectations do you have from free press in South Africa? What they should do and which challenges has to be tackling?

Answer: Free press should not be political bias which is currently the case. They are running a clear campaign in Africa to discredit African leaders. Most of these campaigns is been financially influence by capitalist with a political agenda from the west. The printing press in South Africa is currently self regulatory. The broadcasting media is been regulated but not the printing media.

· Free and fair reporting

· Respect for privacy

· Sensitivity towards sensitive state information

· Transformation of the printing media

· Patriotism

2010sdafrika-editorial staff: If the “Protection of Information Bill” will come into effect, do you think that the South African press will calling the Counstitutional Court of South Africa in Johannesburg? And how could the ANC handling with this reaction, in your own view?

Answer: Maybe. I am not sure. We will cross that bridge when we get there…

2010sdafrika-editorial staff: What does it mean for you to be an ANC member/ staff and a South African citizen?

Answer: I am very proud to be member and part of the ANC staff. This is a very historic moment for every South African citizen and to part of this rebuilding process of the South African Society. The ANC is the only vehicle that can bring change in the lives of millions of the poor and the working class….

2010sdafrika-editorial staff: Thanks a lot, Mr. Theunisen Andrews, Regional Coordinator of the African National Congress (ANC) in the West Coast of the Western Cape.

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Protection of Information Bill (Full law text):

http://www.info.gov.za/view/DownloadFileAction?id=118894

Mail & Guardian zu den Unterzeichnern der Auckland Park Declaration:

http://www.mg.co.za/article/2010-08-09-editors-and-police-chief-prepare-for-meeting

Konrad-Adenauer-Stiftung zur aktuellen Medienfreiheit-Lage in Südafrika:

http://www.kas.de/proj/home/pub/82/1/year-2010/dokument_id-20310/index.html

4 Antworten zu “Pressefreiheit in Gefahr?

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