Afrika-Redakteur bedient sich Vorurteilen gegen Schwarze – liegt Pressekodex-Verstoß vor?
(Autor: Ghassan Abid)
Bartholomäus Grill gilt als anerkannter Afrika-Redakteur. Der studierte Soziologe und Journalist berichtet seit Jahrzehnten über den afrikanischen Kontinent. Seine Meinung hat in Deutschland großes Gewicht. Und dennoch ereignete sich am 13.02.2012 mit der Veröffentlichung des von Grill verfassten Artikels „Wir ziehen in die letzte Schlacht“ auf ZEIT Online etwas unbegreifliches. Man könnte den Beitrag sogar als einen Skandal einstufen, da dieser äußerst einseitig geschrieben ist und den Lesern wohl eine bewusste Denkrichtung vorgeben könnte.
Schon in der Einführung zum Artikel wird festgehalten: „Woche für Woche werden weiße Farmer in Südafrika von Schwarzen brutal überfallen“. Es ist zusätzlich die Rede von „massenhaften Morden“. Auch spricht Grill die bei weißen Rassisten beliebte Völkermord-These – auf Grundlage der von ihm gesichteten Websites – an und greift in diesem Kontext den Vorwurf einer gezielten Ausrottung der Farmer durch Schwarze auf, ohne diese mit Gegenargumenten in Frage zu stellen.
Der Völkermord wurde immer wieder von Eugène Terre’Blanche – dem im April 2010 ermorderten Vorsitzenden der rechtsextremen Afrikaner Weerstandsbeweging (AWB) – für xenophobe Debatten gegen die Regenbogennation herangezogen. Das Überleben der Buren ist das oberste Ziel der AWB, sodass Schwarze per se als Bedrohung angesehen werden. Bedauerlicherweise verweist Grill im Zusammenhang mit dem Mord lediglich auf einen Lohndisput, welcher dazu führte, dass die zwei schwarzen Arbeiter ihren Chef Terre’Blanche abschlachteten und sein Gesicht „durch Machetenhiebe so furchtbar zugerichtet“ haben, sodass Polizeibeamte ihn kaum identifizieren konnten. Mit der Darstellung einer Feier von Schwarzen anlässlich des Mordes an den AWB-Vorsitzenden im benachbarten Township Tshing hinterlässt der Autor einen negativen Beigeschmack.
© In der Ziffer 12 des Pressekodex heißt es: "Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden." Darauf aufbauend wird diese durch die Richtlinie 12.1 wie folgt konkretisiert: "In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein BEGRÜNDBARER Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung VORURTEILE gegenüber Minderheiten schüren könnte." (Fotoquelle: Rainer Sturm/ pixelio.de)
Die Erkenntnisse der südafrikanischen und ausländischen Presse, wonach Terre’Blanche seine Arbeiter zu sexuellen Handlungen genötigt haben soll, werden schlichtweg ignoriert, um womöglich die Interpretation des Lesers in eine Richtung zu lenken. Denn beide Personen, einer von ihnen ist minderjährig, berufen sich auf das Recht der Selbstverteidigung, in dessen Konsequenz es zum Todesfall des populären Rassisten gekommen sein soll. Ebenso bleiben die Terroranschläge der AWB gegen Schwarze aus den 90er-Jahren unerwähnt. Ferner verdeutlicht die proportionale Mehrheit der Schwarzen an der südafrikanischen Gesellschaft mit rund 80 Prozent die logische Ausgangssituation, wonach diese Ethnie statistisch betrachtet per se öfters als Täter in Frage kommen könnte. Es ensteht ein falscher Eindruck über die Zusammenhänge und Hintergründe in dieser Angelegenheit.
Letztendlich erweist sich die Darstellung von Bartholomäus Grill zur Farmerlage in Südafrika als absolut enttäuschend, zumal die Gewalt im Lande nicht nur Weiße, sondern auch Schwarze erfasst. Südafrika unterhält weiterhin ein rassistisches Milieu, welches auch das Interesse der Zwickauer-Terrorzelle wecken konnte. Ob ein Verstoß der Ziffer 12 und der vor allem ihr zugrundeliegenden Richtlinie 12.1 des Pressekodex vorliegt, kann letztendlich nur der jeweilige Betrachter einschätzen. Mit allem Respekt zu den zahlreichen Verdiensten des Journalisten Grill, doch mit seinem jüngsten Artikel verliert er ein Stück an Glaubwürdigkeit.
Unterdessen ist am 14. Februar 2012 bekannt geworden, dass das Anklageverfahren gegen die beiden ehemaligen Arbeiter Terre’Blanches vor dem High Court in Ventersdorp fortgesetzt wird. Beide Farmarbeiter plädieren weiterhin auf unschuldig.


















Die meisten Opfer von Gewaltverbrechen sind Schwarze (dem Kollegen Ghassan Abid liegen dazu bestimmt statistische Zahlen vor). Denn die meisten Gewaltverbrechen in Suedafrika finden in den Townships statt. Dass nun die Welt (im doppelten Sinne) die so genannten Farm-Morde speziell hervorhebt, liegt in der Natur der westlichen Betrachtungsweise des afrikanischen Kontinents, und in diesem Fall Suedafrikas.
Der Rassismus hat in diesem Land nun mal eine ganz eigene und prominente Geschichte. Sie geht zurueck ins 17. Jahrhundert und reicht bis heute. Auf Grund dieser Geschichte ist die suedafrikanische Gesellschaft nach wie vor gespalten – das verschwindet nicht einfach so nach 17/18 Jahren. Ich denke, der Weg in die Freiheit von rassistischem Denken und Fuehlen geht nur ueber erinnern und auseinanderssetzen, und keinesfalls ueber vergessen und vergeben.
Beide Seiten muessen bereit sein, sich erstmal kennenzulernen und dann zu akzeptieren. Dieser Prozess hat mal gerade erst zaghaft begonnen.
Was ist Wahrheit und was nicht? Ich kann Herrn Grill und Herrn Abid jeweils gut verstehen. Dennoch entspreche ich der Vorstellung, wonach Journalisten eher zur Versöhnung beisteuern sollten, als einen Keil zwischen den “Rassen” zu treiben. Wenn das wirklich stimmen sollte und die Rede von “massenhaften Morden” ist, dann bin ich der absoluten Überzeugung, dass eine gewisse Grenze überschritten worden ist. Machen Sie so weiter, Herr Abid!
Ohne Ihnen jetzt etwas zu wollen und ohne den Bericht zu kennen, aber Sie haben sich hier auf das Niveau herabgelassen, dass Sie kritisieren. Ihr Bericht kommt so rüber, als ob die weißen Farmer ja selber Schuld haben, dass sie abgeschlachtet werden, sind ja sowieso ALLES Rassisten und die Schwarzen wehren sich ja nur.
Das mag in diesem speziellen Fall so sein und in eingen anderen Fällen auch, aber ich bezweifel dass ALLE Weißen ja solche Rassisten sind, solche BÖSARITEN Kreaturen und ALLE Schwarze ja nur die Opfer.
Da ich, zum Glück, einige Freunde aus Südafrika habe, die beide Hautfarben repräsentieren und diverse Alterstufen, kann ich mir selber ein eigenes Bild machen. Aber es gibt viele Andere die haben das Glück nicht und sind dann entweder dem Journalisten oder Ihnen hilflos ausgeliefert.
Ich hoffe, Sie verstehen was ich meine, wenn nicht kurze Info, ich versuch es dann besser rüberzubringen.