Minderheitenschutz in Südafrika

Wenn Lesben, Schwule, Trans- und Bisexuelle um ihr Leben fürchten müssen: “Corrective Rape”

(Autor: Ghassan Abid)

Die Gewalt gegen homo-, bi- und transsexuelle Südafrikaner – vor allem gegen Lesben – stellt im konservativen Südafrika eine immense Problematik dar. Regelmäßig ist von “corrective rape“, der korrigierenden Vergewaltigung, zu hören. Von Vorfällen mehrheitlich aus den Townships, wo lesbische Frauen von Männern der selben Gemeinschaft vergewaltigt werden. Auf diesem Wege soll die Lesbe “gesund gemacht” oder “umgedreht” werden. Tatsächlich jedoch bleiben eingeschüchterte, verängstigte und traumatisierte Opfer zurück. Keine Heilung ist eingetreten, sondern vielmehr eine nachhaltige seelische Schädigung mit möglicher HIV-Infektion.

Einige der Opfer geben sich selbst die Schuld, die anderen hingegen kämpfen umso verbissener für die Wahrung ihrer eigenen sexuellen Identität. Wie viele Fälle von “corrective rape” in Südafrika auftreten, ist unbekannt. Laut Angaben des britischen Al Jazeera-Journalisten Jonah Hull werden jedes Jahr rund 500 Lesben vergewaltigt und weitere 30 Opfer gezielt getötet.

© Millicent Gaika aus dem Township Gugulethu. Ihr Bild ging um die Welt. Aufgrund ihrer lesbischen Einstellung wurde sie brutal geschlagen und vergewaltigt. 2010 wurde sie von einem Mann und 2002 von gleich vier Männern zum brutalen Sex gezwungen. In beiden Fällen erzählten ihr die Täter die Absicht, sie "gesund machen" zu wollen. (Quelle: Facebook)

© Millicent Gaika aus dem Township Gugulethu. Ihr Bild ging um die Welt. Aufgrund ihrer lesbischen Einstellung wurde sie brutal geschlagen und vergewaltigt. 2010 wurde sie von einem Mann und 2002 von gleich vier Männern zum brutalen Sex gezwungen. In beiden Fällen erzählten ihr die Täter die Absicht, sie “gesund machen” zu wollen. (Quelle: Facebook)

“SÜDAFRIKA – Land der Kontraste” verfügt über Informationen, wonach die Gewalt an Lesben nicht nur von fremden Männern ausgeübt, sondern auch auf Bitte der Familie des jeweiligen Opfers veranlasst wird. Denn am Kap gilt homosexuell sein als “familiäre Schande“.  Eine ganze Familie wird von der Gemeinschaft verspottet, ausgegrenzt und gemobbt. Je ländlicher der Wohnort einer Lesbe ist, umso gefährlicher wird es für sie. In Durban, Kapstadt oder Johannesburg finden jährliche Gay Pride Paraden statt, die von der Lesben- und Schwulenszene Südafrikas organisiert werden, um der eigenen sexuellen Identität die öffentliche Aufmerksamkeit einzuräumen. Ebenso werden auf diesen Veranstaltungen die Bedürfnisse, Probleme und Herausforderungen dieser gesellschaftlichen Randgruppen Südafrikas thematisiert.

Millicent Gaika aus dem Township Gugulethu bei Kapstadt war und ist eines dieser Themen der südafrikanischen Lesben- und Schwulenszene. Über fünf Stunden ist sie von einem Mann brutal vergewaltigt worden, weil sie lesbisch ist. Wie ein Tier hat sich der Täter über sie hergefallen, sagte Gaika mehreren Bloggern, Journalisten und Lesbenvertreterinnen. Sie dachte, er würde sie umbringen wollen. Erst als Nachbarn das Schreien der Frau hörten und die Tür zur Wohnung aufbrachen, konnte Millicent gerettet werden. Weniger bekannt ist, dass sie 2002 bereits von vier Männern vergewaltigt wurde. Ein schmerzvolles Déjà-vu-Erlebnis, das kein Einzelfall darstellt.

Obwohl das letzte Sexualdelikt im Fall Millicent Gaika nun über 2 Jahre zurückliegt, ist es aktueller denn je. Immer wieder ist von ähnlichen Vorfällen die Rede. Die Politik geht mittlerweile hart gegen die Täter vor. Verfassung und Gesetze sind außerordentlich liberal verfasst. Von 10 bis 15 Jahren Haft erfährt man. Allerdings verlassen nicht wenige Verurteilte das Gefängnis frühzeitig. Und nicht jeder Täter wird auch verurteilt. Statistiken liegen hierzu ebenfalls nicht vor, sodass es nicht möglich ist, eine Einschätzung zur Entwicklung abzugeben.

Lesbische Gruppierungen fordern mehr Gerechtigkeit und Aufmerksamkeit von Politik, Justiz und Polizei. Präsident Jacob Zuma, dem selber die mögliche Vergewaltigung einer AIDS-Aktivistin angelastet wird, hielt sich bisweilen aus dieser Angelegenheit heraus. Umso weniger überraschend ist die zu beobachtende Selbsthilfe, etwa die der Schauspielerin Pam Ngwabeni, die mittels Theaterstücke auf die Lage der Lesben aufmerksam machen möchte. Es bleibt den Lesben keine andere Wahl, als über eigenes Engagement für die eigene sexuelle Identität einzutreten.

Aktueller Weltspiegel-Beitrag zur Gewalt an Lesben

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2010sdafrika-Veranstaltungsbericht zu Kindesmissbrauch und Gewalt an Frauen in Südafrika & Deutschland:

http://2010sdafrika.wordpress.com/2010/11/24/kindesmissbrauch-und-gewalt-an-frauen-ein-veranstaltungsbericht/

6 Antworten zu “Minderheitenschutz in Südafrika

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