Energieversorgungsengpässe in Südafrika

Staatskonzern Eskom baut neue Kohleanlagen mit Unterstützung aus Deutschland

(Autor: Ghassan Abid)

Die junge Demokratie hat mit vielen Problemen zu kämpfen, unter anderem mit der jahrelangen Stromknappheit, die Anfang 2008 erstmals zu landesweiten Stromausfällen führte. Deshalb hat der staatliche Energiekonzern Eskom den Ausbau seiner Energiekapazitäten angekündigt und in den nächsten Jahren zusätzliche 22.000 MW in Aussicht gestellt. Bis 2026 sollen die MW-Kapazitäten im Lande auf 80.000 MW verdoppelt werden, zum Nachteil des Klimawandels.

Geplant sind die Kohlekraftwerke Medupi und Kusile in der nördlichen Provinz Limpopo. Laut Angaben von Eskom sollen beide Projekte jeweils bis zu 4.800 MW an Strom erzeugen und weltweit zu den größten Kraftwerken ihrer Art zählen. Beide Kraftwerke werden voraussichtlich umgerechnet 20 Mrd. Euro kosten, mit einer Beteiligung seitens die für Projektfinanzierungen im In- und Ausland zuständige deutsche KfW IPEX-Bank (allein 81,5 Mio. Euro für die Anlage Medupi). Auch deutsche Unternehmen, wie Hitachi Power Europe aus Duisburg, werden sich am Mammutprojekt beteiligen. Ferner hat Eskom die drei stillgelegten Kohlekraftwerke Camden, Grootvlei und Komati für eine erneute Inbetriebnahme vorgesehen. Insgesamt werden diese maximal 3.600 MW an Strom erzeugen können.

Die südafrikanische Regierung betreibt nach wie vor ein ehrgeiziges Stromerzeugungsmaximierungprogramm und setzt vor allem auf klassische Energieträger, zumal sich die gegenwärtige Strombedarfsdeckung zu 90 Prozent aus Kohle zusammensetzt. Jedoch ist spätestens seit Januar 2010, dem Beitritt Südafrikas zur Organisation für erneuerbare Energien (IRENA), ein kleiner Umschwenk in der nationalen Energiepolitik zu erkennen. Schon 2009 hat Eskom mit dem Bau von 50 Windrädern einen ersten Impuls gesetzt, der mit dem Bau des Wasserkraftwerkes Ingula in den Drakensbergen fortgesetzt wird.

Doch solange die milliardenschweren Kraftwerksbauten nicht abgeschlossen sind, müssen bis dato Unternehmen und Privathaushalte jederzeit mit Stromausfällen rechnen, insbesondere während der Fußball-WM 2010, wenn wie erwartet nach Angaben des Gastgebers etwa eine halbe Million Gäste anreisen sollten. Das anglo-australische Rohstoffunternehmen BHP Billiton hat bereits seine Investitionspläne in der gesamten Region bis auf weiteres auf Eis gelegt – begründet mit der Energieversorgungsunsicherheit der nächsten Jahre. Deshalb müssen schnelle Lösungen her – im Falle Südafrikas setzt man auf Kohle. Dabei sind CO2-Emisionen, die vor allem bei Kohlekraftwerken massiv ausgestoßen werden, nach dem Verständnis der südafrikanischen Regierung eher ein sekundärer Faktor bei der Schwerpunktsetzung in der nationalen Energiepolitik.

© Athlone Towers bei Kapstadt – Strom als Mangelware

Kapazitätsmaximierungspläne des Staatskonzerns Eskom: 

http://www.eskom.co.za/live/content.php?Item_ID=5981

KfW IPEX-Bank zum Kohlekraftwerk Medupi:

http://www.kfw.de/Applications/OpenIpexPM.jsp?oid=33280&lang=De

3 Antworten zu “Energieversorgungsengpässe in Südafrika

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