Frauentag in Südafrika als Fass ohne Boden

Sexismus, Missbrauch und Gewalt dominieren den Alltag vieler Frauen

(Autor: Ghassan Abid)

Südafrika ist ein naturreiches und gastfreundliches Land. Dieses Bild bietet sich Touristen aus aller Welt an, sofern man sich nicht jenseits der wundervollen Kulissen begibt und bereit ist, die Schattenseiten der jungen Demokratie im südlichen Afrika zur Kenntnis zu nehmen.

Dieser Spiegel der Trauer, Angst und Aggressivität ergreift in seiner vollen Kraft insbesondere Frauen mit schwarzer Hautfarbe. Infolge der Apartheidspolitik und der damit verbundenen Exklusion der dunkelhäutigen Mehrheitsgesellschaft vom nationalen Bildungssystem, dominieren inhumane Wertvorstellungen und soziale Missstände den Alltag von Millionen Südafrikanerinnen. In den Townships ist diese missliche Lage besonders stark zu beobachten.

Anlässlich des Weltfrauentages am 08. März 2010 ist festzuhalten, dass das schwächere Geschlecht noch einen langen Weg hinsichtlich von Gleichstellung und Gleichberechtigung beschreiten muss. Zahlreiche Frauen müssen sich alleinerziehend um den Haushalt kümmern – besser gesagt die Existenz der gesamten Familie gewährleisten. Bei 613.900 Toten in Südafrika, allein für das Jahr 2009 wohlgemerkt, stirbt die Mehrheit der Männer an der Immunschwächekrankheit HIV/AIDS, an Morden und Verkehrsunfällen. Neben dieser immensen Verantwortung für sich und die eigenen Kinder besteht stets die Gefahr eines sexuellen Missbrauchs und einer häuslichen Gewalt. Die Statistik beziffert Grauenhaftes:

– Alle zehn Minuten wird eine Frau in Südafrika vergewaltigt

– Pro Tag fallen 150 Menschen (v.a. Frauen) einer Vergewaltigung zum Opfer

– 50 Prozent der Frauen werden im Verlauf ihres Lebens zum Opfer

– 30 Prozent der Jugendlichen hatten ihren ersten Sex mittels Vergewaltigung

– Pro Jahr werden offiziell 55.000 solcher Sexualdelikte registriert, nach anderen Angaben tendiert die Dunkelziffer sogar zwischen 1 bis 2 Millionen

– 16 Prozent der Männer glauben, dass Frauen ihre Vergewaltigung genießen

– von 25 gefassten Vergewaltigern kommen 24 wieder frei

Es kann festgehalten werden, dass der erzwungene Sex in Südafrika gegenüber einer Frau gesellschaftlich normiert und akzeptiert ist. Ferner befördert der Aberglaube hinsichtlich einer HIV-Heilung infolge eines Geschlechtsverkehrs mit einer Jungfrau, welche in weiten Teilen das Landes existent ist, diesen Prozess (siehe 2010sdafrika-Artikel auf politlounge mit Titel „Medizinmänner und Aberglaube in Südafrika„).

Auch der derzeitige Präsident Jacob Zuma konnte in der Vergangenheit als Vergewaltiger einer AIDS-Aktivistin von sich reden machen, der hiervon freigesprochen wurde. Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von nur 43 Jahren kann das kurze Leben dieser Frauen einer Hölle auf Erden gleichkommen. Insbesondere ist die Gefahr einer Infektion beim gewaltsamen Akt mit HIV vor allem in Südafrika mit einer hohen Wahrscheinlichkeit verknüpft. Ein Leben im Jenseits kommt bei dieser geringen Lebenserwartung – wenn man es so zynisch formulieren darf – einem Segen, wenn nicht gar einer Erlösung gleich.

Gegenwärtig ist keine positive Entwicklung auf der politischen Ebene zu erkennen, jedoch bedienen sich immer mehr Frauen der „Lebensdroge“ Selbstbewusstsein, um für sich und für ihre Kinder einstehen und jeden Tag aufs Neue  durchsetzen zu können. Immer mehr Frauen suchen die Möglichkeit hinsichtlich einer Partizipation in einer Bürgerbewegung oder NGO auf, um dieses durch Männer verursachte frauenfeindliche Phänomen gegenzusteuern. „To hope the best and to plan the worst„, ein Grundsatz der in Südafrika aktueller ist denn je.

© Frauen in Südafrika zwischen Pessimismus und Hoffnung

Bericht der NGO ActionAid zur Vergewaltigungslage in Südafrika:

http://www.actionaid.org/docs/correctiveraperep_final.pdf

BBC-Artikel zu Sexualdelikten:

http://news.bbc.co.uk/2/hi/africa/492669.stm

DER SPIEGEL-Artikel zu Missbrauchsstatistiken in Südafrika:

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,632612,00.html

Werbeanzeigen

5 Antworten zu “Frauentag in Südafrika als Fass ohne Boden

  1. Pingback: Entsetzen in Bredasdorp | SÜDAFRIKA – Land der Kontraste

  2. Pingback: Minderheitenschutz in Südafrika | SÜDAFRIKA – Land der Kontraste

  3. Pingback: Kindesmissbrauch und Gewalt an Frauen – ein Veranstaltungsbericht « SÜDAFRIKA – Land der Kontraste

  4. Pingback: Sexueller Missbrauch an Kindern – in Südafrika und Deutschland « SÜDAFRIKA – Land der Kontraste

  5. Pingback: Nationaler Frauentag in Südafrika « JKP Wels

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s