Johannesburg im Architektur-Boom

Luyanda Mpahlwa, Architekt und Mitglied des Organisationskomitees der FIFA

(Autor:  Ghassan Abid)

© Architekt Luyanda Mpahlwa (Quelle: http://www.dbretschneider.de)

Heute in 25 Tagen wird die Spielbegegnung zwischen Bafana Bafana und der mexikanischen Nationalmannschaft im Soccer City Stadion in Johannesburg angepfiffen und die Fußball Weltmeisterschaft 2010 auf diesem Wege ihre Eröffnung finden. Beachtliche Summen hat die südafrikanische Regierung in die Infrastruktur des Landes investiert, doch ungeklärt bleiben die tatsächlichen Auswirkungen dieses Sportspektakels auf die Entwicklung der neun Ausrichterstädte.

Luyanda Mpahlwa, Architekt und Mitglied des „South African Local Organising Committee“ der FIFA in Südafrika, diskutierte während seines Berlin-Aufenthaltes im Mai 2010 mit uns Chancen und Herausforderungen der Fußball-Weltmeisterschaft für die größte Stadt Südafrikas: Johannesburg.

„Johannesburg ist eine Stadt, wo jeder Gold sucht“
Luyanda Mpahlwa erläuterte seine Arbeit im südafrikanischen Organisationskomitee, wonach Stadienfertigstellung, Kostenmanagement und die Erfüllung von FIFA-Richtlinien seine drei zentralen Anliegen waren. Geprägt von seinen Erlebnissen als Beobachter vor und nach der WM 2006 in Deutschland, erläuterte er die historische Entwicklung Johannesburgs. Als anfängliche Goldgräberstadt wurde Johannesburg 1886 offiziell gegründet und erhielt 1928 den Status einer Stadt. Mit gegenwärtig 3,9 Millionen Einwohnern und 13 gesprochenen Sprachen auf 1.645 km² Fläche, wächst diese Metropole hinsichtlich der Einwohnerzahl jährlich um 2,5 Prozent an.

Gegenwärtige Stadtentwicklung Johannesburgs durch die Apartheid geprägt

© Innenstadt von Johannesburg

Das besondere an dieser Stadt ist, dass diese mit Old Downtown, Sandton und dem Central Business District (CBD) gleich drei Zentren anzubieten hat, im Gegensatz zu Shanghai beispielsweise, welche nur ein Zentrum aufweist. „Der Immobilienmarkt bestimmt, wie sich die Stadt entwickelt“, begründete Mpahlwa diese Entwicklung, welche in Johannesburg deutlicher zu beobachten sei, als sonst wo in Südafrika. Zahlreiche Unternehmen verließen infolge der hohen Kriminalitätsrate die Innenstadt (CBD) und wanderten dementsprechend in den Norden Johannesburgs ab, während die sozialschwache Bevölkerung, mehrheitlich Bewohner aus den Townships, es vorzogen sich in der Innenstadt niederzulassen. Diese doppelte Migrationsbewegung ist vor allem im Hinblick auf die Apartheid zu bewerten. Denn der Norden mit seinen noblen Stadtteilen, z.B. Sandton oder Parktown, wird hauptsächlich durch weiße und wohlhabende Südafrikaner aufgesucht, während im Süden, z.B. Hillbrow oder Soweto, mehrheitlich Schwarze und Bedürftige leben müssen. Mpahlwa hob hervor, dass entlang der Autobahn M 1 eine große Wohndichte zu lokalisieren ist, die vor allem Arme mit  schwarzer Hautfarbe anzieht.

Bus Rapid Transit als große Chance
Lobenswert sind nach Ansicht Mpahlwas die zahlreichen Architekturprojekte in Johannesburg, etwa das „New Commercial Centre“, einem Business-Komplex in Sandton und das „Melrose Arch“, ein Wohn- und Shopping-Areal, welches als „Experimental New Urbanism“ Johannesburg ein neues Stadtbild verschaffen wird. Ebenfalls sei zur Kenntnis zu nehmen, dass in Johannesburg Projekte des „Inner City Regeneration“ umgesetzt werden, wonach in öffentlichen Gebäuden erneuerbare Energien ihren Einzug finden, wie z.B. beim Verfassungsgerichtshof (Constitutional Court of South Africa). Die „city squares“, das Einrichten von großen unbebauten Plätzen, ist jedoch nach seiner Ansicht zu bemängeln, „da man damit nicht umgehen kann“ und eine Kulturbelebung somit nicht möglich sei. Insbesondere die neuen Verkehrssysteme würden Johannesburg aus stadtentwicklungspolitischer Sicht wichtige Impulse verschaffen. Das für die Weltmeisterschaft eingerichtete „Transport Interchange“ oder „Bus Rapid Transit System (BRT)“ sind für die gesamte Entwicklung dieser Metropole als Chance aufzufassen, zumal beim letzteren die Stadtteile Sandton, Innenstadt und Soweto somit zum ersten Mal unmittelbar miteinander verbunden sind. Außerdem führte Mpahlwa einige „Legal Projects“ des Weltfußballverbandes FIFA an, vor allem das „Foot Centre in Soweto“ mit seinen vier Fußballfeldern, welches von bis zu 1.200 Clubs genutzt werden kann.


Ellis Park Stadion wird größte Auswirkung auf Stadtentwicklung entfalten
Das Soccer City Stadion in Soweto, als wichtigste WM-Stätte des Landes, ist für 4 Milliarden Rands gebaut worden, während das Ellis Park Stadion aufgrund von Umbaumaßnahmen Kosten in Höhe von 230 Millionen Rands veranschlagte. Bedingt durch die geographische Lage des Ellis Park Stadions, wird dieses nach Einschätzung Mpahlwas die größte Auswirkung auf die Entwicklung der Stadt Johannesburg entfalten.

Das Mitglied im South African Local Organising Committee der FIFA schloss seine Expertise hinsichtlich der WM-Vorbereitungen seines Landes äußerst optimistisch ab: „Ich bin ganz sicher, dass es [die WM] ein Erfolg werden wird, da alle Maßnahmen getroffen wurden, die nötig waren“.

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2010sdafrika-Artikel auf Kap Express veröffentlicht:

http://www.kapexpress.com/index.php?option=com_k2&view=item&id=254:johannesburg-im-architektur-boom

Mit freundlicher Unterstützung des Fotografen Danilo Bretschneider: www.dbretschneider.de.

 

2 Antworten zu “Johannesburg im Architektur-Boom

  1. Pingback: Johannesburg-Bloggerin Laurice Taitz im Interview | SÜDAFRIKA – Land der Kontraste

  2. Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich interessiere mich sehr für den Artikel von Herrn Luyanda Mpahlwa, da ich zur Zeit eine Facharbeit im Erdkunde-Leistungskurs über die „Auswirkungen der Fußball-WM auf die Infrastruktur Johannesburgs“ (Abgabe 08.04.2011) schreibe und Schwierigkeiten habe speziell zu diesem Thema Material zu bekommen.

    Daher wäre ich Ihnen sehr dankbar, falls Sie mir mehr Informationen zum Thema geben könnten.

    Viele Grüße

    Matthias Kolb

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