Leben in der „Stadt des Goldes“

Ein Gastbeitrag von Barbara Brühwiler, Schweizer Buchautorin

© Buchautorin Barbara Brühwiler

Johannesburg hat für jeden Besucher eine andere Bedeutung. Die armen Massen in Afrika nennen Johannesburg Egoli, die Stadt des Goldes, die Stadt, in der es Arbeitsplätze gibt, und unermesslichen Luxus wie zum Beispiel eine Waschmaschine, in der schimmernde neue Autos durch die breiten Strassen fahren, wo der Reichtum einen blendet. Für die Touristen ist Johannesburg die Welthauptstadt des Verbrechens und das Eingangstor zu Afrika, wo man in ein Flugzeug nach Kapstadt, an die Victoria-Fälle oder nach Namibia umsteigt, oder ein Mietauto in Empfang nimmt und mit bangem Gefühl so schnell als möglich die Autobahn in Richtung Krüger-Park oder Durban unter die Räder nimmt. Die afrikanischen Geschäftsleute schauen nach Johannesburg als das New York Afrikas, die wichtigste geschäftliche Drehscheibe des ganzen Kontinents. Und die Fussball-Fans richten ihre Aufmerksamkeit auf Johannesburg, wenn dort im Juni der Anpfiff zur Fussball-WM 2010 stattfinden wird.

Ihren Ursprung hat die Stadt Johannesburg in Goldminen. Im Juli 1886 entdeckte ein australischer Abenteurer Gold im Witwatersrand, dem Hügelzug in Johannesburgs Westen. Zum Missfallen der Afrikaans sprechenden Buren, die in diesem Gebiet Landwirtschaft betrieben, strömten Goldsucher, Glücksritter und ihr Gefolge aus aller Welt in Massen ins Gebiet und liessen sich um Johannesburg nieder, das sich als grösste Goldfundstätte der Welt entpuppen sollte. Im Stadtzentrum von Johannesburg sind die alten Strukturen von damals immer noch zu sehen: schachbrettartig angelegte Strassen, der historische Marktplatz und alte Häuser mit hölzernen Vordächern, die an Saloons aus amerikanischen Western-Filmen erinnern. Einige eingewanderte Männer, die sogenannten Randlords, wurden durch den Goldbau sehr schnell sehr reich und konnten sich riesige, luxuriöse Villen bauen. Die schwarzen Minenarbeiter jedoch wurden nur als Saisonarbeiter zugelassen. Bis zum Ende der Apartheid mussten sie ihre Familien zurücklassen und unter traurigen Bedingungen in gefängnisartigen Kasernen hausen.

Diese Gegensätze prägen das Johannesburg von heute immer noch. Einerseits sind da die gepflegten Villen und Einfamilienhäuser im prächtigenNorden und Nord-Westen von Johannesburg, die mit ihrem grosszügigen Umschwung dafür sorgen, dass Johannesburg als der grösste von Menschen angepflanzte Wald gilt.

© Downtown Johannesburg

Etwas weiter weg vom Stadtzentrum haben sich die sogenannten Estates entwickelt, die Siedlungen, bei denen ein Dorf durch einen Zaun und ein durchdachtes Sicherheitssystem geschützt wird. Sie sollen dafür sorgen, dass sich die Bewohner innerhalb der Grenzen des Estate frei bewegen können, ohne sich um ihre Sicherheit zu sorgen. Andererseits gibt es überall verstreut sogenannte Squatter Camps, Hüttensiedlungen für die Ärmsten, die zu grossen Teilen auch von Menschen bewohnt werden, die aus anderen afrikanischen Staaten eingewandert sind. SOWETO, das berühmt-berüchtigte Township, in dem es während der Apartheid-Zeiten gärte, hat sich in weiten Teilen zu einer Vorstadt amerikanischer Art gemausert. Kleine Häuser sitzen friedlich auf kleinen Grundstücken, und von vielen Garagen aus werden Geschäfte betrieben.

Zu Zeiten der Apartheid wurden die Bewohner Südafrikas streng getrennt nach der Farbe ihrer Haut. Diese jahrelange Trennung lässt sich in Johannesburg auch heute noch spüren; noch immer mischen sich die verschiedenen Menschenrassen nicht so einfach. Im Café sitzen Inder fast immer mit Indern, Weisse mit Weissen, und Schwarze mit Schwarzen. Gemischtfarbene Paare sieht man selbst in Europa weit öfters als hier.

Johannesburg gibt sich auf den ersten Blick kosmopolitisch-modern, doch eine genaue Beobachtung zeigt, dass sein Herz eben doch afrikanisch schlägt. Dies ist wohl einer der Gründe, weshalb sich auch viele Europäer gerne in dieser Stadt niederlassen. Die Stadt bietet – sagen die Johannesburger – das beste Klima der Welt, moderne Infrastruktur, Arbeitsplätze und Geschäftsmöglichkeiten, und daneben eine afrikanische Atmosphäre, einen afrikanischen Vibe.

Bevor wir uns vor vier Jahren in Richtung Johannesburg aufgemacht haben, suchte ich in Europa verzweifelt nach Informationen über diese Stadt, die sich abheben von den häufigen negativen Zeitungsartikeln, die immer nur Schreckensmeldungen über Johannesburg verbreiteten.

© Cover des Buches ´Boerewors und Chardonnay – Ein Jahr in Südafrika´

Ich suchte nach einem Buch, das tiefer greift und dem modernen Südafrika gerecht wird. Leider wurde ich nicht fündig. Damit es andere leichter haben und den Start im neuen Land oder den Urlaub in Südafrika geniessen können, habe ich ein Buch über das Leben im heutigen Südafrika geschrieben: „Boerewors und Chardonnay – Ein Jahr in Südafrika“. Es ist das Buch, das ich vor Jahren gesucht habe. Und auch ein bisschen eine Liebeserklärung an ein wunderbares Land.


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Boerewors und Chardonnay – Ein Jahr in Südafrika“ von Barbara Brühwiler, im Wiesenburg Verlag
ISBN 978-3-940756-89-3
Unterhaltsame Situationen und Anekdoten, gewürzt mit ernsten Themen und geschichtlichem Hintergrund: Südafrika für Anfänger und Fortgeschrittene!“

www.ein-jahr-in-suedafrika.com

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Eine Antwort zu “Leben in der „Stadt des Goldes“

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