Auswärtsspiel „Western Cape“

Regierungspartei ANC im Kampf gegen die Oppositionspartei DA

(Autor: Ghassan Abid)

Südafrika ist eine parlamentarische Präsidialrepublik mit einem föderalistischen Aufbau. Das 1.219.912 km2 große Land gliedert sich seit dem Ende der Apartheid von 1994  in Bundes-, Landes- und Kommunalebene auf. Die zur Apartheid existierenden vier Provinzen Kapprovinz, Natal, Oranje-Freistaat und Transvaal wurden mit den Homelands ( = Gebiete der schwarzen Bevölkerung, welche das Apartheidsregime zwecks Isolierung der unterdrückten Mehrheitsgesellschaft geschaffen hatte) zusammengeführt, sodass neun Provinzen/ Bundesländer entstanden sind: Westkap (Western Cape), Nordkap (Northern Cape), Ostkap (Eastern Cape), KwaZulu-Natal, Freistaat (Free State), Nordwest (North West), Gauteng, Mpumalanga und Limpopo.

© Wahlkampf - In Südafrika zwischen ANC und DA

Auf der nationalen Ebene regiert der African National Congress (ANC) von Nelson Mandela, genauso wie in allen Provinzen; abgesehen vom Western Cape. Denn in dieser südlichen Region Südafrikas mit ca. 4,2 Millionen vor allem Afrikaans sprechenden Menschen, in welcher auch die kosmopolitische Metropole Kapstadt liegt, konnte mit den Wahlen vom 22. April 2009 die Democratic Alliance (DA) den ANC als Provinzregierung ablösen. Der ANC erhielt für die Region 666.223 Stimmen (32,86 Prozent), wohingegen die DA 989.132 Wähler (48,78 Prozent) von sich überzeugen konnte; fast die Hälfte aller an der Wahl beteiligten Personen des Westkaps.

Diese Ablösung erweist sich vielen ANC-Mitgliedern bis heute als eine noch nicht gekannte Demütigung, welche zur nächsten Legislaturperiode in 2 Jahren wiederhergestellt werden soll. Helen Zille, die deutschstämmige Vorsitzende der DA und ehemalige Bürgermeisterin Kapstadts, bekräftigt ihren Führungsanspruch als Premierministerin des Western Cape´s ( = Ministerpräsidentin) und erteilt dem ANC eine klare Absage.

Gewiss ist das Westkap kein Heimspiel für den ANC, bedingt durch den hohen Anteil an farbigen Einwohnern und relativ wenigen Schwarzen. Denn nach wie vor ist es in Südafrika so, dass die Wahl der Parteien an die eigene ethnische Herkunft gebunden ist. Schwarze wählen bevorzugt den ANC, Farbige und Weiße eher die DA. Bis 2014 muss der ANC das Vertrauen der südafrikanischen Bevölkerung, insbesondere jenes der Farbigen, für sich zurückgewinnen. Allerdings lässt die aktuelle vom ANC angestoßene Debatte um die Presseregulierung mehr Unbehagen als Vertrauen aufkommen, welches die Macht der DA im Western Cape eher stärken als schwächen dürfte.

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4 Antworten zu “Auswärtsspiel „Western Cape“

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  4. In der Tat, ein schwieriges und oftmals schmerzliches Kapitel suedafrikanischer Politik. Die Kolonialmacht Britannien und die „Buren“ mit ihrer Apartheid haben hier ein grausames Erbe hinterlassen. Ein Erbe, dessen Abbau von gleichsam gewachsenen, verhaerteten Schichten rassistischen Schlamms Jahrzehnte benoetigen wird.
    Die koloniale Einteilung der Bevoelkerung in Privilegierte, weniger Privilegierte und Unterprivilegierte, oder klarer: in Herrenmenschen, Halb-Sklaven und Sklaven fuehrt nach 400 Jahren Praxis ein mentales und emotionales Eigenleben. Niemand ist frei davon, weder die ehemaligen „Herren“ noch die ehemaligen „Sklaven“. Gewiss, der Prozess der Versoehnung ueber den Weg der Wahrheit (TRC-Prozess) war ein vielversprechender und, meines Wissens, historisch erstmaliger Versuch dieses ueble Erbe abzubauen. Der TRC-Prozess betraf, jedoch, „nur“ die Zeitspanne der Apartheid, und davon vor allem die faschistische Repression. Das ist freilich schon viel. Doch rassistische Denkstrukturen, rassistische Ressentiments sind in den Koepfen geblieben.
    In der suedafrikanischen Gesellschaft spielt also nach wie vor die Zugehoerigkeit zu „den“ Weissen, „den“ Coloureds, „den“ Indern, „den“ Schwarzen ein Rolle. Dabei ist diese Einteilung eher ein sozialer als ein rassistischer Selektionsmechanismus.
    Die Partei DA vertritt die Interessen derjenigen, die am freien (kapitalistischen) Markt verdienen bzw. hoffen verdienen zu koennen. Da ist wenig Platz fuer Soziales. Klar, diese neo-liberalen Kraefte sind auch im ANC sehr stark vertreten, aber mit einem anderen sozialen und kulturellen Hintergrund. Waehrend Helen Zille als Gallionsfigur eher die Lebensweise der weissen Bevoelkerung widerspiegelt, tut das Mbeki oder Zuma fuer die Schwarzen. Dass nun ein Grossteil der so genannten „Coloureds“ in Western Cape die DA gewaehlt hat, liegt meines Erachtens vor allem daran, weil der ANC dort nicht in der Lage war, die gemeinsamen Interessen zu leben. Waehrend der Zeit des anti-Apartheid-Kampfes („The Struggle“) haben sich diese objektiven gemeinsamen Interessen auch im Bewusstsein der Menschen manifestiert. Dem ANC bereitet es offensichtlich grosse Schwierigkeiten, dieses positive Erbe des „Struggle“ weiter zu entwickeln.
    Tunesien, Aegypten, Marokko…. Die Menschen haben einfach die Schnauze voll von autokratischen, selbstherrlichen Regimes. Und hier muss auch der ANC hoellisch Acht geben, denke ich. Apropos: Anfang des Jahres hat sich eine Demokratische Linke Front (DLF) in Suedafrika gebildet, die sich, hoffentlich, als kritische ausserparlamentarische B e w e g u n g versteht und eine solche bleibt. Ich denke, die DLF waere schlecht beraten, eine Partei gegen den ANC zu gruenden. Alle Versuche dieser Art sind bislang klaeglich gescheitert.

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