Südafrika-Ermittlungen des Bundeskriminalamtes

Im Interview mit BKA-Vizepräsident Jürgen Maurer: NSU-Terror, Rockerkriminalität & Schmuggel

(Autor: Ghassan Abid)

© Jürgen Maurer, Vizepräsident beim Bundeskriminalamt (BKA). Von 2002 bis 2005 leitete er die Abteilung Polizeilicher Staatsschutz und von 2005 bis 2010die Abteilung Schwere und Organisierte Kriminalität. Am 01.02.2010 ist der studierte Diplom-Betriebswirt und Diplom-Soziologe zum Vizepräsidenten berufen worden. (Quelle: BKA)

© Jürgen Maurer, Vizepräsident beim Bundeskriminalamt (BKA). Von 2002 bis 2005 leitete er die „Abteilung Polizeilicher Staatsschutz“ und von 2005 bis 2010 die „Abteilung Schwere und Organisierte Kriminalität“. Am 01.02.2010 ist der studierte Diplom-Betriebswirt und Diplom-Soziologe zum Vizepräsidenten berufen worden. (Quelle: BKA)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Jürgen Maurer, Vizepräsident beim Bundeskriminalamt (BKA). Zuallererst vielen Dank, dass Sie dem Interview die notwendige Zeit einräumen können.

Die Entwicklungen um den NSU verdeutlichen die kommunikativen Defizite zwischen den Sicherheitsbehörden. Inwiefern wird das BKA innerorganisatorische Veränderungen in Erwägung ziehen?

Antwort: Die Taten des „Nationalsozialistischen Untergrundes“, kurz NSU, sind zunächst deshalb so unfassbar, weil insgesamt zehn Menschen ihr Leben lassen mussten. Aber auch die Tatsache, dass sich die Täter über 13 Jahre vor den Sicherheitsbehörden verborgen halten konnten, wirft zu Recht viele Fragen auf. So schwer es fällt, angesichts dieser brutalen Verbrechen die Ereignisse sachlich und objektiv aufzuarbeiten, so notwendig ist genau dieses Vorgehen, um aus dem Geschehenen die richtigen Schlüsse ziehen und dafür Sorge tragen zu können, dass sich solche Taten nicht wiederholen.

Hierfür haben sowohl der Bund als auch verschiedene Bundesländer parlamentarische Untersuchungsausschüsse eingerichtet. Deren Arbeit wird voraussichtlich im nächsten Jahr abgeschlossen sein. Erst dann lässt sich ein vollständiges Bild der Ereignisse zeichnen die dazu führten, dass die Täter nicht früher gefasst werden konnten. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir bis dahin zur Tagesordnung übergehen.

Bereits früh hat sich abgezeichnet, dass insbesondere der ungenügende Austausch von Informationen zwischen Verfassungsschutz- und Polizeibehörden eine wesentliche Schwachstelle in der gemeinsamen Bekämpfung von Rechtsextremismus und -terrorismus gewesen ist. Wir müssen deshalb rechtsextremistischen Netzwerken, der gewaltbereiten rechtsextremistischen Szene in Deutschland ein Netzwerk an Informationen, an Analysen und ein konsequentes, behördenübergreifendes operatives Handeln entgegensetzen.

Daher ist die Einrichtung eines „Gemeinsamen Abwehrzentrums gegen Rechtsextremismus/Rechtsterrorismus“, kurz GAR, am 16. Dezember 2011 eine im Kontext weiterer Maßnahmen erfolgte konsequente Antwort auf die Frage zur Optimierung unserer Sicherheitsarchitektur.

Im GAR wird in einem institutionellen Rahmen zusammengearbeitet. Die Kooperation wird auf zwei Ebenen gestärkt: zum einen zwischen Polizei und Verfassungsschutzbehörden, zum anderen zwischen Bund und Ländern. Das GAR als behördenübergreifende Kooperationsplattform ist ein operativ ausgerichtetes Zentrum, durch welches bestehende polizeiliche oder nachrichtendienstliche Melde- und Informationswege nicht ersetzt, sondern mit dem Ziel eines einheitlichen Wissens- und Erkenntnisstandes ergänzt werden. Durch die hier erstellten Analysen und den daraus abgeleiteten Maßnahmen soll – jeweils in Abstimmung mit den Ländern – in der Szene ein permanenter Fahndungs- und Ermittlungsdruck gegen erkannte rechte Personengruppen aufgebaut werden.

Unterstützt werden soll die Arbeit des GAR durch eine gemeinsame Datei von Polizei- und Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder, in der alle vorhandenen Informationen zur „gewaltbezogenen“ rechten Szene zentral gespeichert werden, die sogenannte „Rechtsextremismusdatei“, kurz RED. Denn nur wenn wir nachrichtendienstliche Vorfelderkenntnisse bzw. Erkenntnisse zu gewaltbezogenen extremistischen Bestrebungen und polizeiliche Erkenntnisse schnell und umfassend zusammenführen, haben wir den nötigen Überblick, um tagesaktuell das gewaltbezogene und rechtsterroristische Personenpotential, dessen räumliche Verteilung und Vernetzung zu erkennen und geplante Gewalttaten aus der rechten Szene heraus möglichst frühzeitig zu verhindern.

Um auch die Beobachtung der Aktivitäten rechtsextremistischer Straftäter im Internet zu verstärken und zwischen Bund und Ländern zu koordinieren, haben das Bundesamt für Verfassungsschutz und das BKA zudem eine „Koordinierte Internetauswertung Rechtsextremismus“, KIAR, eingerichtet. Mit diesem Instrument sollen nicht nur strafrechtlich relevante Inhalte erkannt und der Strafverfolgung zugeführt werden, sondern auch Hinweise zur Vernetzung der rechten Szene im Internet erhoben sowie Radikalisierungsprozesse frühzeitig erkannt werden, um polizeiliches Handeln entsprechend ausrichten zu können.

Ich bin davon überzeugt, dass wir durch die Einrichtung des GAR und der anderen getroffenen Maßnahmen erste richtige Antworten auf das rechtsextremistische und terroristische Bedrohungspotential gefunden haben. Diese werden zukünftig fester Bestandteil der deutschen Sicherheitsarchitektur und ein wichtiger Beweis für eine verfassungsgemäße und gleichzeitig effektive Kooperation von Verfassungsschutz und Polizei sein.

© Das BKA ist als Kriminalpolizei des Bundes im Inland als nationale Zentralstelle für das polizeiliche Auskunfts- sowie Nachrichtenwesen und im Ausland für die internationale Zusammenarbeit zuständig. Gegenwärtig arbeiten 67 Verbindungsbeamte an 54 Standorten in 51 Staaten. Seit dem Jahr 2010 gehört auch der Standort in Pretoria, der zuletzt in den Jahren 1999 bis 2003 besetzt war, wieder dazu. Rund 5.500 Beschäftigte weist die Behörde insgesamt auf. (Quelle: BKA)

© Das BKA ist als Kriminalpolizei des Bundes im Inland als nationale Zentralstelle für das polizeiliche Auskunfts- sowie Nachrichtenwesen und im Ausland für die internationale Zusammenarbeit zuständig. Gegenwärtig arbeiten 67 Verbindungsbeamte an 54 Standorten in 51 Staaten. Seit dem Jahr 2010 gehört auch der Standort in Pretoria, der zuletzt in den Jahren 1999 bis 2003 besetzt war, wieder dazu. Rund 5.500 Beschäftigte weist die Behörde insgesamt auf. (Quelle: BKA)

2010sdafrika-Redaktion: Die Aktivitäten von Dr. Claus Nordbruch werden mittlerweile auch vom Bundesamt für Verfassungsschutz – dem Inlandsgeheimdienst – beobachtet, obwohl dieser in Südafrika lebt. Inwiefern kooperiert das BKA mit der südafrikanischen Polizei, den Verfassungsschutzämtern und den Landeskriminalämtern im Hinblick auf rechtsextremistische Entwicklungen zwischen Deutschland und Südafrika?

Antwort: Zur Bekämpfung rechtsextremistischer und -terroristischer Entwicklungen in Deutschland arbeiten Polizei- und Verfassungsschutzbehörden von Bund und Ländern in vielfältiger Weise zusammen. Neben den bereits dargestellten operativen Einrichtungen und Instrumenten gibt es mit der „Kommission Staatsschutz“ und der „Gemeinsamen Koordinierungsgruppe -rechts“ auch zwei im Rahmen der Innenministerkonferenz institutionalisierte Gremien, in deren Rahmen Verfassungsschutz und Polizei bzw. das BKA sich im Wesentlichen mit strategischen Aspekten der „Politisch Motivierten Kriminalität“ aus dem rechten Spektrum befassen, um kriminalpolitische Entscheidungsprozesse vorzubereiten und zu unterstützen.

Daneben schreiben die Polizeibehörden des Bundes und der Länder regelmäßig die „Handlungsempfehlungen zur Optimierung der Bekämpfung der Politisch Motivierten Kriminalität -rechts“ sowie den „Maßnahmenkatalog zur Bekämpfung der „Politisch Motivierten Kriminalität -rechts“ fort. Auf nationaler Ebene gibt es insofern eine gut funktionierende Kooperation der Polizeidienststellen. Die Zusammenarbeit mit dem Verfassungsschutz wird insbesondere durch das GAR deutlich optimiert.

Auf internationaler Ebene nutzt das BKA regelmäßig sein weltweites Netz von Verbindungsbeamten, so auch in Südafrika, um zur Bekämpfung der „Politisch Motivierten Kriminalität“ Informationen mit seinen Partnerdienststellen auszutauschen. Einen weiteren wichtigen Kooperationsrahmen hierfür bietet aber auch Interpol. Neben diesen Kommunikationskanälen, die im Zuge polizeilicher Ermittlungen für den Informationsaustausch genutzt werden, gibt es derzeit keine anlassunabhängige Kooperation mit den südafrikanischen Behörden im Bereich der „Politisch Motivierten Kriminalität“ aus dem rechtsextremen Spektrum.

2010sdafrika-Redaktion: Verfügt das BKA nach wie vor über Verbindungsbeamte an der Deutschen Botschaft Pretoria und falls ja, welche Aufgaben nehmen diese wahr? Und bestehen Austauschprozesse dieser Beamten mit den BND-Leuten vor Ort?

Antwort: Für die Kriminalitätsbekämpfung in einer globalisierten, vernetzten Welt ist der weltweite Austausch von Informationen ebenso sinnvoll und notwendig, wie die Kooperation der Strafverfolgungsbehörden. Hierbei kommt unserem weltweiten Netz von Verbindungsbeamten eine besondere Bedeutung zu. Derzeit haben wir 67 Verbindungsbeamtinnen und -beamte an 54 Standorten in 51 Staaten stationiert. Seit dem Jahr 2010 gehört auch der Standort in Pretoria, der zuletzt in den Jahren 1999 bis 2003 besetzt war, wieder dazu.

Die Aufgaben unserer Verbindungsbeamtinnen und -beamte sind vielfältig. Neben dem Austausch von Informationen mit den zuständigen Behörden des Gastlandes wirken sie auch bei der Planung und Durchführung von Maßnahmen der Ausstattungs- und Ausbildungshilfe mit und unterstützen bei Ermittlungsverfahren mit Bezug nach Deutschland – ein enges weltweites Informationsnetzwerk sowohl in operativen ermittlungsrelevanten Angelegenheiten als auch in strategischen Fragen.

Ein Austausch zwischen Bundesnachrichtendienst und BKA findet sowohl im Inland als auch in den Ländern, wo Mitarbeiter beider Behörden vertreten sind, im rechtlich zulässigen Rahmen statt.

© Das Hauptgebäude des BKA befindet sich in Wiesbaden; hier ein Bild vom Standort Thaerstraße. Auch mit dem Auslandsnachrichtendienst des Bundes, dem Bundesnachrichtendienst (BND), tauscht sich die Kriminalpolizei im In- und Ausland aus. (Quelle: BKA)

© Das Hauptgebäude des BKA befindet sich in Wiesbaden; hier ein Bild vom Standort Thaerstraße. Auch mit dem zivilen Auslandsnachrichtendienst des Bundes, dem Bundesnachrichtendienst (BND), tauscht sich die Kriminalpolizei im In- und Ausland aus. (Quelle: BKA)

2010sdafrika-Redaktion: Inwiefern werden deutsche Rechtsextreme am Kap in die Rechtsextremismusdatei aufgenommen?

Antwort: In der Rechtsextremismusdatei sollen Personen, gegen die im Zusammenhang mit einem politisch rechts motivierten Gewaltdelikt ermittelt wird oder die wegen eines derartigen Delikts rechtskräftig verurteilt worden sind, erfasst werden. Daneben ist auch die Erfassung von Unterstützern der gewaltbezogenen rechten Szene sowie Informationen zu rechtsextremistischen Vereinigungen und Gruppierungen vorgesehen.

Die Aufnahme von ausländischen Staatsangehörigen oder auch deutschen Staatsangehörigen mit vorübergehenden oder dauerhaften Aufenthaltsort im Ausland in die RED ist grundsätzlich zulässig, da aus der entsprechenden gesetzlichen Grundlage, dem Gesetz zur Verbesserung der Bekämpfung des Rechtsextremismus, keinerlei Beschränkungen hinsichtlich inländischer Wohn- oder Aufenthaltsorte oder dem Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit hervorgehen.

Im Hinblick auf Ihre Frage bedeute das: ein in Südafrika aufhältiger deutscher Rechtsextremist wird dann in der RED gespeichert, wenn nach einer umfänglichen Prüfung und Bewertung aller zu dieser Person vorliegenden Informationen festgestellt wird, dass die gesetzlichen Vorgaben für eine Speicherung erfüllt sind.

2010sdafrika-Redaktion: Ein weiteres Themenfeld Ihrer Behörde ergibt sich mit der Rockerkriminalität. Nach unseren Recherchen sind die südafrikanischen Ableger der Hells Angels maßgeblich durch deutsche Rocker aufgebaut worden. Inwieweit können Sie diese Recherchen bestätigen?

Antwort: Es trifft zu, dass es im Bereich der Organisierten Kriminalität ein Phänomen gibt, dessen Entwicklung wir seit geraumer Zeit mit Sorge betrachten: kriminelle Rockergruppen. In Deutschland verfügen die vier größten Rockergruppierungen – Hells Angels, Bandidos, Outlaws und Gremium – über insgesamt mehr als 4.000 Mitglieder. Diese Mitglieder bewegen sich in geschäftlichen Strukturen, denen ein hohes Potenzial Organisierter Kriminalität zuzurechnen ist. Das Geschäftsgebaren einzelner Rockergruppen zielt hierbei unter Anwendung von Gewalt oder anderer zur Einschüchterung geeigneter Mittel auch in scheinbar legalen Geschäftsfeldern auf einen territorialen und finanziellen Machtzuwachs insbesondere gegenüber konkurrierenden Banden ab. Die von Rockergruppierungen begangenen schweren Straftaten sind Beleg für deren konstantes und hohes Gewaltpotenzial.

Das Phänomen der Rockerkriminalität betrifft Bund wie Länder gleichermaßen. Wir beobachten es sehr aufmerksam. Daher ist uns bekannt, dass die südafrikanischen Charter des Rockerclubs „Hells Angels“ in Johannesburg und Westrand Anfang der 90er Jahre Unterstützung von Hells Angels auch aus Deutschland erhalten bzw. beiderseitige Treffen durchgeführt haben. Solche Kontakte sind nicht ungewöhnlich, da die Hells Angels weltweit agieren. Entsprechende Verbindungen liegen also nah.

Dass deutsche Rocker maßgeblich waren für den Aufbau und die Aktivitäten der südafrikanischen Hells Angels, kann ich anhand der hier vorliegenden Erkenntnisse allerdings nicht bestätigen.

2010sdafrika-Redaktion: In einem Interview mit Jürgen Schmökel, Direktor des LKA Sachsen-Anhalt, wurde bekannt, dass auch kleinere Landeskriminalämter mittlerweile sogenannte Zielfahndungen nach untergetauchten Deutschen in Südafrika unternehmen. Inwieweit unterstützt das BKA die Polizeibehörden & Verfassungsschutzämter der Länder bei derartigen Amtshilfeersuchen? Liegen Ihnen konkrete Zahlen vor?

Antwort: Das BKA hat im Rahmen seiner Funktion als Zentralstelle der deutschen Kriminalpolizei bisher zwei Zielfahndungsfälle von Landespolizeibehörden mit Bezügen nach Südafrika unterstützt. Zu den Aufgaben des BKA zählt dabei insbesondere der schnelle Austausch polizeilicher Informationen. Hierfür steht dem BKA einerseits das Informationsnetzwerk von Interpol zur Verfügung, über welches Nachrichten vom hier angesiedelten Nationalen Zentralbüro mit dem in Pretoria ausgetauscht werden können. Zudem verfügt das BKA – wie bereits erwähnt – über einen Verbindungsbeamten in Südafrika, zu dessen Aufgaben auch die Unterstützung beim Austausch polizeilicher Informationen gehört.

Eine Zusammenarbeit mit dem Verfassungsschutz in Zielfahndungsfällen findet grundsätzlich nicht statt.

2010sdafrika-Redaktion: Am 26. März 2012 informierten BKA-Präsident Jörg Ziercke und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Mechthild Dyckmans, dass sich auch Südafrika zur Transitregion beim Schmuggel von Heroin aus Afghanistan und Kokain aus Südamerika etabliert hat. Welche Gegenmaßnahmen hat das BKA in Kooperation mit dem Zoll und den südafrikanischen Behörden getroffen?

Antwort: Es trifft zu, dass wir im Zuge der Zusammenarbeit mit unseren internationalen Partnern festgestellt haben, dass sich neben Westafrika zunehmend auch Ost- und Südafrika zu Schmuggelrouten für Heroin aus Afghanistan und Kokain aus den Staaten Südamerikas entwickeln. Aber auch als Produktionsort für synthetische Drogen gewinnt Afrika an Bedeutung. So konnten beispielsweise im Juni 2011 und Februar 2012 in Nigeria zwei Labore zur Produktion von Methamphetamin sichergestellt werden. Um die Dimension eines dieser Labore einmal dazustellen: das 2011 aufgedeckte Labor, nach unseren Erkenntnissen eines der ersten dieser Art in Westafrika, verfügte über eine wöchentliche Herstellungskapazität von 160 bis 200 kg Methamphetamin.

Die Rauschgiftkriminalität lässt sich aufgrund ihrer Internationalität nur durch die grenzüberschreitende Kooperation der Strafverfolgungsbehörden wirkungsvoll bekämpfen. Das BKA verfolgt hierzu vor allem den Ansatz, die Produktion in den Herkunftsländern der Betäubungsmittel einzudämmen und die bestehenden Schmuggelrouten zu unterbrechen. Hierfür verstärken wir die Zusammenarbeit mit unseren internationalen Partnern, zu denen auch die südafrikanischen Strafverfolgungsbehörden gehören, in vielfältiger Weise. Neben der Initiierung gemeinsamer Ermittlungsverfahren, die Überwachung kontrollierter Rauschgiftlieferungen sowie die Zusammenarbeit bei der Grundstoffüberwachung stellt die polizeiliche Ausbildungs- und Ausstattungshilfe ein wichtiges Instrument dar, um für eine erfolgreiche polizeiliche Kooperation sowohl die gleichen technischen wie auch methodischen Voraussetzungen zu schaffen. Hierzu zählen unter anderem ein im Sommer 2011 durchgeführter Rauschgiftlehrgang für südafrikanische Staaten sowie der fachspezifische Austausch zur Bekämpfung der Betäubungsmittelkriminalität im November 2011.

© Das BKA beobachtet die Rockerkriminalität mit großer Sorge. In Deutschland verfügen die vier größten Rockergruppierungen – Hells Angels, Bandidos, Outlaws und Gremium – über insgesamt mehr als 4.000 Mitglieder. Die von Rockergruppierungen begangenen schweren Straftaten sind Beleg für deren konstantes und hohes Gewaltpotenzial. (Quelle: BKA)

© Das BKA beobachtet die Rockerkriminalität mit großer Sorge. In Deutschland verfügen die vier größten Rockergruppierungen – Hells Angels, Bandidos, Outlaws und Gremium – über insgesamt mehr als 4.000 Mitglieder. Die von Rockergruppierungen begangenen schweren Straftaten sind Beleg für deren konstantes und hohes Gewaltpotenzial. (Quelle: BKA)

2010sdafrika-Redaktion: Hinsichtlich der Bekämpfung der Arzneimittelkriminalität hat das BKA mit der Staatsanwaltschaft Flensburg wegen des Verdachts des Betruges, des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz und das Markengesetz am 09.11.2011 mehrere Örtlichkeiten auf Sylt und Hamburg durchsucht. Zeitgleich hat die südafrikanische Polizei SAPS u.a. gegen einen 68-Jährigen in Kapstadt und Johannesburg ermittelt. Es war die wohl erste größere Aktion zwischen beiden Staaten im Kriminalitätsbereich. Welche Bilanz konnte das BKA aus dieser Aktion ziehen, welche Herausforderungen stehen mit den südafrikanischen Partnern noch an und inwiefern stellt das BKA der SAPS entsprechende Qualifikations- und Weiterbildungsangebote zu Verfügung?

Antwort: Das von Ihnen angesprochene Ermittlungsverfahren ist ein Beleg für die gute Zusammenarbeit zwischen den zuständigen südafrikanischen Behörden und dem BKA bei der Bekämpfung grenzüberschreitender Arzneimittelkriminalität. Diese gilt es sowohl in diesem Deliktsbereich als auch bei der Bekämpfung anderer Kriminalitätsformen weiter auszubauen. Kriminalität macht schließlich nicht an Ländergrenzen halt. Deshalb schöpft das BKA nicht nur alle operativen Kooperationsinstrumente aus, sondern führt auch in diesem Deliktsbereich flankierende Maßnahmen der Ausbildungs- und Ausstattungshilfe durch. Hierzu gehört beispielsweise eine einwöchige Beschulung des National Department of Health Medicines Regulatory Affairs sowie des South African Police Service im Bereich der Arzneimittelkriminalität, die das BKA in Pretoria durchgeführt hat. Aber auch die zahlreichen Kontakte innerhalb eines Ermittlungsverfahrens, eines gemeinsamen Auswerteprojektes oder im Rahmen internationaler Arbeitsgruppen sind in ihrer Gesamtheit wichtig, um die Zusammenarbeit auszubauen.

2010sdafrika-Redaktion: Der illegale Nashornhandel erlebt in diesem Jahr einen traurigen Rekord. Weit über 272 Nashörner sind in Südafrika allein in diesem Jahr bereits getötet worden; meist durch professionelle und technisch gut ausgestattete Banden. Die Naturschutzorganisation WWF informierte uns, dass auch Diplomaten, Polizisten und Zollbeamte mehrerer Staaten beim illegalen Handel mitwirken. Über welche diesbezüglichen Erkenntnisse verfügt das BKA?

Antwort: Aufgrund der hohen Nachfrage an Nashorn-Präparaten vor allem in Ostasien ist der Schwarzmarktpreis für artengeschützte Nashorn-Hörner in den letzten Jahren deutlich angestiegen. In Folge dessen kam es auch in Deutschland vermehrt zu Fällen von Eigentumsdelikten wie Einbruch- und Trickdiebstählen, bei denen die Täter Nashorn-Hörner, unter anderem aus privaten Trophäensammlungen oder Ausstellungen, entwendet haben. In diesem Zusammenhang sind insbesondere reisende irische Täter, die der Organisierten Kriminalität zugerechnet werden, in Erscheinung getreten.

Im Zuge des internationalen Informationsaustausches zu diesem Delikt sowie dem gegenseitigen Austausch von Erkenntnissen im Rahmen von Arbeitsgruppen bei Europol und Interpol ist bekannt, dass es eine Vielzahl ähnlicher Aktivitäten mit weitgehend vergleichbaren Tatmustern im europäischen wie außereuropäischen Ausland gibt.

In Deutschland konnten durch die anlassbezogene Kooperation mit dem Zoll und dem Bundesamt für Naturschutz, Warnmeldungen des BKA sowie gezielte Sensibilisierungsmaßnahmen entsprechende Taten zwischenzeitlich weitgehend eingedämmt werden. Zur Mitwirkung von Diplomaten, Polizisten und Zollbeamten beim illegalen Handel mit Nashorn-Hörnern liegen dem BKA keine Erkenntnisse vor.

Gleichwohl gilt es bei der Bekämpfung dieses Phänomens nicht nachzulassen und durch ein eng abgestimmtes Vorgehen auf internationaler Ebene weiterhin entschieden gegen Täter und Abnehmer vorzugehen.

2010sdafrika-Redaktion: Waren Sie bereits persönlich in Südafrika und falls noch nicht, was würde auf Ihrem Reiseprogramm stehen?

Antwort: Ja, in meiner vorherigen Funktion als Leiter der Abteilung „Schwere und Organisierte Kriminalität“ bin ich im Januar 2010 für drei Tage in Südafrika gewesen. Im Vorfeld der damaligen Fußballweltmeisterschaft habe ich in Pretoria, Johannesburg und Kapstadt Gespräche mit Vertretern verschiedener Einrichtungen wie dem South African Police Services, der Metropolitan Police Tshwane und dem Institute for Security Studies zu verschieden polizeirelevanten Themen, insbesondere im Zusammenhang mit der Sicherheit der bevorstehenden Weltmeisterschaft, geführt.

2010sdafrika-Redaktion: Jürgen Maurer, Vizepräsident beim Bundeskriminalamt (BKA), vielen Dank für das sehr interessante Hintergrundinterview!

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