Eine Doppelstrategie für Südafrikas Arbeitsmarkt

Im Interview mit Raimund Becker, Vorstand Arbeitslosenversicherung der Bundesagentur für Arbeit (BA)

(Autor: Ghassan Abid)

    © Raimund Becker, Vorstand Arbeitslosenversicherung der Bundesagentur für Arbeit (BA). Der studierte Jurist war unter anderem im Landesarbeitsamt Rheinland-Pfalz-Saarland, Arbeitsamt Bad Kreuznach und schließlich in der Zentrale der BA tätig. Seit Februar 2004 ist er Mitglied des Vorstands mit Frank-J. Weise und Heinrich Alt. (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)

© Raimund Becker, Vorstand Arbeitslosenversicherung der Bundesagentur für Arbeit (BA). Der studierte Jurist war unter anderem im Landesarbeitsamt Rheinland-Pfalz-Saarland, Arbeitsamt Bad Kreuznach und schließlich in der Zentrale der BA tätig. Seit Februar 2004 ist er Mitglied des Vorstands mit Frank-J. Weise und Heinrich Alt. (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Raimund Becker, Vorstand Arbeitslosenversicherung der Bundesagentur für Arbeit (BA). Sie beobachten den Arbeitsmarkt in Südafrika. Wie viele Menschen im Partnerland sind arbeitslos und welche soziale Gruppen betrifft es am stärksten?

Antwort: Die Arbeitslosigkeit in Südafrika liegt laut offiziellen Berichten bei rund 25%. Die Hälfte davon ist zwischen 18 und 25 Jahren alt, es finden sich also sehr viele junge Menschen unter den Arbeitslosen.

2010sdafrika-Redaktion: Der Fachbereich Internationale Zusammenarbeit der BA berät ausländische Gäste bei der Arbeitsmarktverwaltung. Welche Expertise bietet dieser Fachbereich den südafrikanischen Partnern konkret an?

Antwort: In Umsetzung einer gemeinsamen Absichtserklärung zur Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Beschäftigungs- und Sozialpolitik des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und des Department of Labour South Africa fand vom 18. bis 21. April 2011 ein Workshop in Pretoria statt, der von dem damaligen Herrn Staatssekretär Storm begleitet wurde.

Das deutsche Modell der aktiven Arbeitsmarktpolitik wurde dort von Vertretern des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) vorgestellt. Vertreter der Bundesagentur für Arbeit (BA) haben Organisation, Beratung und Vermittlung, Geldleistungen, das Geschäftsprozessmodell und die IT der BA präsentiert.

Die BA hat seitdem signalisiert, weiterhin zu diesen Themen Unterstützung zu leisten. Im Rahmen der siebten Binationalen Kommission (BNK) zwischen Deutschland und Südafrika, die am 7. und 8. Mai 2012 in Berlin tagte, wurde beschlossen, einen Workshop über die Zusammenarbeit zwischen Zeitarbeitsunternehmen und der öffentlichen Arbeitsverwaltung in Südafrika durchzuführen. Dieser Workshop räumen wir in unserer Planung eine hohe Priorität ein.

© Das deutsche Modell der aktiven Arbeitsmarktpolitik wurde im Rahmen eines Workshops vom 18. bis 21. April 2011 den südafrikanischen Partnern vorgestellt. Vertreter der Bundesagentur für Arbeit (BA) haben Organisation, Beratung und Vermittlung, Geldleistungen, das Geschäftsprozessmodell und die IT der BA präsentiert. Die Kooperation mit Südafrika erfolgt über den "Fachbereich Internationale Zusammenarbeit" in der Zentrale der BA in Nürnberg. (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)

© Das deutsche Modell der aktiven Arbeitsmarktpolitik wurde im Rahmen eines Workshops vom 18. bis 21. April 2011 den südafrikanischen Partnern vorgestellt. Vertreter der Bundesagentur für Arbeit (BA) haben Organisation, Beratung und Vermittlung, Geldleistungen, das Geschäftsprozessmodell und die IT der BA präsentiert. Die Kooperation mit Südafrika erfolgt über den „Fachbereich Internationale Zusammenarbeit“ in der Zentrale der BA in Nürnberg. (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)

2010sdafrika-Redaktion: Mit welchen südafrikanischen Behörden & Organisationen arbeitet Ihre Bundesbehörde zusammen?

Antwort: Die BA unterstützt das südafrikanische Arbeitsministerium, das sog. „Department of Labour (DoL)“.

2010sdafrika-Redaktion: Im Frühjahr 2012 erhielt die Bundesagentur Besuch vom Arbeitsausschuss des südafrikanischen Parlaments. Welche Themen standen auf der Agenda?

Antwort: Wir haben uns über das große Interesse der südafrikanischen Parlamentarier an den auch für uns wichtigen Themen gefreut. Es waren im Wesentlichen:

  • Geschichte, Herausforderungen und Erfolge der Arbeitsmarktpolitik,
  • Selbstverwaltung und Finanzierung,
  • Public Private Partnership (Weiterbildung, Zeitarbeitsunternehmen)
  • Zielgruppen: Jugendliche, Rehabilitanden, Ältere, Migranten
  • das 4 Phasen Modell für die Beratung und Vermittlung
  • Duale Ausbildung
  • Fachkräftebedarf
  • Regionale Arbeitsmärkte und ihre besonderen Herausforderungen, z.B. in den neuen Bundesländern
  • Wettbewerbsfähigkeit einer öffentlichen Arbeitsverwaltung in Vergleich zu Privaten

2010sdafrika-Redaktion: Das Land am Kap ist mit einem Fachkräftemangel konfrontiert; ähnlich ist die Situation in Deutschland. Plädieren Sie aus volkswirtschaftlicher Sicht für die Zuwanderung von Fachkräften nach Südafrika?

Antwort: Selbstverständlich ist der südafrikanische Arbeitsmarkt von anderen Einflüssen geprägt als der deutsche. Trotzdem könnte man für Südafrika über eine Doppelstrategie nachdenken wie wir sie auch für Deutschland anraten. Einerseits soll geschaut werden welche nationalen Potenziale der Arbeitsmarkt hergibt. Es gibt in Südafrika z.B. viele Jugendliche, die einen Hochschulabschluss erworben haben. Andere könnten mit einer geförderten Weiterbildung dem Arbeitsmarkt als Fachkraft zur Verfügung stehen. Erst wenn die nationalen Potenziale nicht ausreichen, soll auf eine Anwerbung aus dem Ausland gesetzt werden.

© Der deutsche und südafrikanische Arbeitsmarkt sind gleichermaßen vom Fachkräftemangel bedroht. Raimund Becker, Vorstand Arbeitslosenversicherung der Bundesagentur für Arbeit (BA), empfiehlt als Problemlösung eine Doppelstrategie. Einerseits soll geschaut werden, welche nationalen Potenziale der Arbeitsmarkt hergibt. Andererseits könnten mit geförderten Weiterbildungen dem Arbeitsmarkt zusätzliche Fachkräfte zur Verfügung gestellt werden. Erst wenn die nationalen Potenziale nicht ausreichen, soll auf eine Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland gesetzt werden, erläutert Raimund Becker. (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)

© Der deutsche und südafrikanische Arbeitsmarkt sind gleichermaßen vom Fachkräftemangel bedroht. Raimund Becker, Vorstand Arbeitslosenversicherung der Bundesagentur für Arbeit (BA), empfiehlt als Problemlösung eine Doppelstrategie. Einerseits soll geschaut werden, welche nationalen Potenziale der Arbeitsmarkt hergibt. Andererseits könnten mit geförderten Weiterbildungen dem Arbeitsmarkt zusätzliche Fachkräfte zur Verfügung gestellt werden. Erst wenn die nationalen Potenziale nicht ausreichen, soll auf eine Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland gesetzt werden, erläutert Raimund Becker. (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)

2010sdafrika-Redaktion: Inwieweit weckt das duale Berufsausbildungssystem Deutschlands, welches zurzeit auch von einigen südlichen EU-Ländern mit großem Interesse unter die Lupe genommen wird, das Interesse Ihrer südafrikanischen Kollegen – Stichwort: Berufsberatung der BA?

Antwort: In Südafrika wurden bereits in der Vergangenheit Projekte im Bereich der beruflichen Bildung durch deutsche Entwicklungshilfe gefördert. Das Modell einer dualen Berufsausbildung ist daher schon länger in Südafrika bekannt.

2010sdafrika-Redaktion: Aus welchen Mitteln wird diese deutsch-südafrikanische Kooperation auf dem Gebiet der Arbeitsverwaltung eigentlich finanziert?

Antwort: Bislang hat sich die Kooperation auf gegenseitige Austausche beschränkt. Für diese Austausche bestehen Vereinbarungen über die Kostenverteilung zwischen den Ministerien.

2010sdafrika-Redaktion: Waren Sie persönlich schon in Südafrika und falls noch nicht, was würde auf Ihrem Reiseprogramm stehen?

Antwort: Leider hat sich für mich noch keine Möglichkeit ergeben, dieses schöne Land zu besuchen. Bei einem geschäftlichen Besuch stünden sicherlich Gespräche mit dem DOL, mit Gewerkschaften und Vertretern der Industrie ganz oben auf dem Programm. Sollte ich privat anreisen, dann würde ich die „Drakensberge“ besuchen und tauchen gehen.

2010sdafrika-Redaktion: Raimund Becker, Vorstand Arbeitslosenversicherung der Bundesagentur für Arbeit (BA), vielen Dank für das Interview!

2010sdafrika-Interview mit Dr. Ralf Brauksiepe, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2012/05/01/offentliche-arbeitsvermittlung-in-sudafrika/

2010sdafrika-Interview mit Andreas Storm, Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium:

https://2010sdafrika.wordpress.com/2011/05/23/bundesagentur-fur-arbeit-arbeitsvermittlungsmodell-fur-sudafrika/

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2 Antworten zu “Eine Doppelstrategie für Südafrikas Arbeitsmarkt

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