12.000 Minenarbeiter entlassen

Minenarbeiter im „Kriegszustand“ gegen Bergwerkkonzerne. Die Wirtschaft in der Belastung.

(Autor: Ghassan Abid)

Die Meldung, die heute von Reuters an die Nachrichtenredaktionen weltweit verbreitet wurde, löste nicht bei wenigen Redakteuren ein Entsetzen aus. Anglo American Platinum (Amplats) verkündete gegenüber Journalisten des südafrikanischen Privatsenders eNCA die Entlassung von rund 12.000 Minenarbeitern in Rustenburg, die wochenlang ihre Arbeitsaufnahme verweigern und dies in einer Zeit, wo die derzeitige Lage mehr als angespannt ist.

    © Präsident Jacob Zuma besuchte im August 2012 die Minenarbeiter in Rustenburg. Er forderte eine schnelle Lösung und umfangreiche Untersuchung des Marikana-Massakers. Allerdings machte er keine konkreten Vorschläge, wie er die Probleme der Kumpels aus der Welt schaffen will. Der ANC steht infolge der Proteste von geschätzten 100.000 Minenarbeitern unter gewaltigem Druck. Die Kreditwürdigkeit von Banken, Telekommunikationskonzernen und Kommunen wurde durch die Ratingagentur Moody‘s bereits herabgestuft. Investoren aus dem Ausland können somit das Vertrauen in diese südafrikanischen Unternehmen verlieren. Den Unternehmen wird die Inanspruchnahme von frischem Geld somit erschwert. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

© Präsident Jacob Zuma besuchte im August 2012 die Minenarbeiter in Rustenburg. Er forderte eine schnelle Lösung und umfangreiche Untersuchung des Marikana-Massakers. Allerdings machte er keine konkreten Vorschläge, wie er die Probleme der Kumpels aus der Welt schaffen will. Der ANC steht infolge der Proteste von geschätzten 100.000 Minenarbeitern unter gewaltigem Druck. Die Kreditwürdigkeit von Banken, Telekommunikationskonzernen und Kommunen wurde durch die Ratingagentur Moody‘s bereits herabgestuft. Investoren aus dem Ausland können somit das Vertrauen in diese südafrikanischen Unternehmen verlieren. Den Unternehmen wird die Inanspruchnahme von frischem Geld somit erschwert. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

Auf der Homepage des an der Johannesburger Börse JSE notierten Minenkonzerns wird kurze Zeit später diese Ankündigung offiziell gemacht. In vier Platinminen ist so wenig Personal anwesend, sodass die Produktionsprozesse in diesen Industriebetrieben seit Wochen nicht aufrecht erhalten werden konnten. Beziffert wird die personelle Anwesenheit mit weniger als 20 Prozent. Anglo American Platinum geht aktuell von einem Verlust in Höhe von rund 700 Millionen Rand, umgerechnet knapp 61 Millionen Euro, aus. Allerdings bietet der Konzern allen Beschäftigten die Möglichkeit, innerhalb von drei Tagen gegen ihre Kündigung Widerspruch einzulegen.

Ein Minenarbeiter aus Rustenburg erklärt in einer kurzen Mail an „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, dass sich die Kumpels im „Kriegszustand“ befinden und man den „Feinden“ nicht nachgeben wird. Insgesamt befinden sich laut Angaben einer Presseagentur rund 100.000 Minenarbeiter im ganzen Land im wilden Streik. Die steigende Schere zwischen Lohn und Lebenshaltungskosten würden den wilden Streik rechtfertigen, heißt es von einem anderen Minenarbeiter.

Südafrikas Wirtschaft befindet sich in einer ernsten Belastungsprobe. Die Kreditwürdigkeit von Banken wie Nedbank oder Standard Bank wurde durch die Ratingagentur Moody´s herabgestuft. Auch den Strommonopolisten Eskom und Telekommunikationskonzern Telkom sowie 12 Kommunen hat es getroffen. Die Kreditwürdigkeit hat einen erheblichen Einfluss auf das Verhalten von ausländischen Investoren. Eine Herabstufung bedeutet Vertrauensverlust von Investoren, sodass den betreffenden südafrikanischen Unternehmen Geld fehlen wird, was sie bei den Verbrauchern veranschlagen werden. Dies führt wiederum zu einer Mehrbelastung der Bürger und zur Senkung der Kaufkraft. Auch ist die Aufnahme von Neukrediten mit höheren finanziellen Belastungen verbunden. Die Regierungspartei ANC und Präsident Jacob Zuma stehen vor einer gewaltigen Herausforderung. Sie müssen einerseits den Wirtschaftsfrieden wiederherstellen und andererseits die Bürger & Arbeitnehmer zufrieden stellen. Die kürzlich abgeschlossene Vereinbarung zwischen dem Gewerkschaftsdachverband COSATU, der Minengewerkschaft National Union of Mineworkers (NUM) und der Minenkammer zur Bewältigung der Minenkrise werden nicht ausreichen. Ansonsten drohen weitere gewalttätige Ausschreitungen. Von einer Kapitalflucht ist das Land allerdings noch weit entfernt.

Gestern kam bereits ein Kumpel in Rustenburg ums Leben. Mehrere Minenarbeiter sollen Polizisten mit Steinen attackiert haben, die die Angreifer mit Gummigeschossen und Tränengas in die Flucht schlugen. Politiker befürchten, dass sich ein Marikana-Massaker mit 34 Toten erneut wiederholen könnte.

4 Antworten zu “12.000 Minenarbeiter entlassen

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