Deutsche Wirtschaft in Südafrika

DIHK-Präsident Prof. Hans Heinrich Driftmann und seine Sorge um die aktuelle Entwicklung am Kap

(Autor: Ghassan Abid)

    © Prof. Hans Heinrich Driftmann, Unternehmer und seit 2009 Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Er bekräftigt die Bedeutung der südafrikanischen Volkswirtschaft für die deutsche Wirtschaft. Mahnt jedoch die Regierung in Pretoria im Hinblick auf die Korruptionsbekämpfung zu mehr Transparenz und Sanktionen an. Die gegenwärtige Minenkrise verfolgt der Niedersachse mit Sorge. Bei ausbleibender Krisenlösung drohe ein Rückzug der betroffenen Unternehmen. Südafrika könnte seine Wettbewerbsvorteile verlieren. (Quelle: DIHK)

© Prof. Hans Heinrich Driftmann, Unternehmer und seit 2009 Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Er bekräftigt die Bedeutung der südafrikanischen Volkswirtschaft für die deutsche Wirtschaft. Mahnt jedoch die Regierung in Pretoria im Hinblick auf die Korruptionsbekämpfung zu mehr Transparenz und Sanktionen an. Die gegenwärtige Minenkrise verfolgt der Niedersachse mit Sorge. Bei ausbleibender Krisenlösung drohe ein Rückzug der betroffenen Unternehmen. Südafrika könnte seine Wettbewerbsvorteile verlieren. (Quelle: DIHK)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Prof. Hans Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Herr Prof. Driftmann, erstmal vielen Dank für die Möglichkeit des Interviews.

Sie hielten sich gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsminister, Dr. Philipp Rösler, in Südafrika auf. Welche politischen und ökonomischen Eindrücke können Sie vom Land mitbringen?

Antwort: Südafrika gehört in eine Reihe mit den neuen weltwirtschaftlichen Kraftzentren wie Brasilien oder Indien. Die Infrastruktur ist modern, der Dienstleistungssektor boomt und der Rohstoffreichtum garantiert dem Land in den kommenden Jahrzehnten steigende Einnahmen. Allerdings darf sich das Land auf diesen Entwicklungen nicht ausruhen und muss den eingeschlagenen Weg einer sozialen Marktwirtschaft konsequent weiterverfolgen. Sonst könnte der robuste Privatsektor seine Rolle als Triebfeder für eine erfreuliche wirtschaftliche Performanz sehr rasch verlieren.

2010sdafrika-Redaktion: Bundesminister Rösler mahnte die südafrikanische Politik zu weniger Korruption an. Wie bewerten Sie die Lage aus der Sicht der deutschen Wirtschaft?

Antwort: Korruption ist in der Tat ein Thema in Südafrika. Gerade bei den öffentlichen Einrichtungen und Institutionen sind die Auswüchse zum Teil erheblich. Daher ist es wichtig, dass die südafrikanische Regierung eigene Zusagen zum Thema „Transparenz“ umsetzt und bei Missachtung entsprechende Sanktionen erlässt.

2010sdafrika-Redaktion: Unter anderem führten Sie Gespräche mit Vizepräsident Kgalema Motlanthe. Worüber wurde gesprochen?

Antwort: Hier ging es eher allgemein um den Ausbau der deutsch-südafrikanischen Wirtschaftsbeziehungen, die zum jetzigen Zeitpunkt übrigens gut aussehen. Die deutsche Außenwirtschaft möchte Südafrika noch viel stärker als bisher als Tor in die Staaten des südlichen Afrikas nutzen. Das geht natürlich am Besten von einem Land aus, das sich durch eine demokratische Regierungsführung mit rechtsstaatlichen Prinzipien auszeichnet. Hier setzen wir auf Kontinuität bei unseren Partnern in der südafrikanischen Regierung – auch im Vorfeld des anstehenden Parteikongresses des regierenden ANC.

2010sdafrika-Redaktion: Inwieweit fand die gegenwärtige Minenkrise eine Beachtung?

Antwort: Dieses Thema hat uns nahezu bei allen Terminen begleitet. Ich sehe die Gefahr, dass Südafrika seine größten Wettbewerbsvorteile, eine gewisse Investitionssicherheit und ein moderates Lohnniveau, dauerhaft verliert. Dies würde zu einem Rückzug der betroffenen Unternehmen und zu einem höheren Grad von Mechanisierung in den Betrieben führen. Beides ginge zu Lasten der Beschäftigten und würde den Druck auf die südafrikanische Regierung weiter erhöhen, populistische Maßnahmen, wie z.B. die Verstaatlichung von Unternehmen, zu diskutieren. Darüber hinaus befürchte ich ein weiteres Übergreifen der Unruhen und übertriebenen Gehaltsforderungen auf andere Zweige der Industrie. Leider ist diese Befürchtung im Transportsektor bereits Realität geworden.

© DIHK-Präsident Prof. Hans Heinrich Driftmann mit Bodo Donauer, CEO BMW South Africa (mittig) und Siegmar Pröbstl, CEO Siemens South Africa (rechts). (Quelle: AHK für das südliche Afrika)

© DIHK-Präsident Prof. Hans Heinrich Driftmann mit Bodo Donauer, CEO BMW South Africa (mittig) und Siegmar Pröbstl, CEO Siemens South Africa (rechts). (Quelle: AHK für das südliche Afrika)

2010sdafrika-Redaktion: In einem Interview mit der Wirtschaftswoche vom 26.03.2009 werden Sie als „Prediger“ bezeichnet, der sich gerne „einmischt“. Inwieweit bewerten Sie die aktuelle Wirtschaftspolitik des Landes?

Antwort: Die südafrikanische Regierung ist wohlberaten, die Prinzipien einer sozialen Marktwirtschaft konsequent zu verteidigen. Dies hat dem Land ein beachtliches Wirtschaftswachstum beschert, das zu einem raschen Kaufkraftanstieg in der Bevölkerung und der Entwicklung eines unternehmerischen Mittelstands geführt hat. Eine gerechte Einkommensverteilung ist nach wie vor die größte Herausforderung in Südafrika. Und machen wir uns nichts vor: Von diesem Ziel ist das Land noch meilenweit entfernt. Ohne nachhaltiges Wirtschaftswachstum sind alle Anstrengungen in diese Richtung jedoch von Vornhinein zum Scheitern verurteilt. Daher habe ich bei meinen Gesprächen mit Vizepräsident Motlanthe, aber auch mit Wirtschaftsminister Davies, auf die hohe Relevanz einer investitionsfreundlichen Wirtschaftspolitik hingewiesen. Hier waren sich Bundeswirtschaftsminister Rösler und ich bei unseren Treffen absolut einig.

2010sdafrika-Redaktion: Der deutsche Mittelstand hat nach wie vor mit Schwierigkeiten am Kap zu kämpfen, etwa im Hinblick auf die Bürokratie. Auch Konzerne sollen unseren Angaben nach größere Investitionsvorhaben vorerst auf Eis gelegt haben. Welchen Beitrag kann der DIHK leisten, um fortwährendes Vertrauen von deutschen Investoren am Kap aufrecht zu erhalten?

Antwort: Unsere Aufgabe ist es, die Chancen von Handel und Innovation in Südafrika der deutschen Wirtschaft näher zu bringen – sei es durch die Möglichkeiten des Internets oder auf Veranstaltungen. Hierbei möchte ich insbesondere auf das deutsch-südafrikanische Wirtschaftsforum am 21. und 22. Oktober beim DIHK in Berlin hinweisen. Wir dürfen aber auch nicht naiv sein: Die aktuelle Entwicklung im Land, am Kap – Sie sprachen die Bergarbeiterstreiks an – geben Anlass zur Sorge. Auch das dürfen wir den deutschen Unternehmen nicht verschweigen.

    © DIHK-Präsident Prof. Hans Heinrich Driftmann kam auch zu Gesprächen mit dem südafrikanischen Vizepräsidenten Kgalema Motlanthe zusammen. Der Ausbau der deutsch-südafrikanischen Wirtschaftsbeziehungen ist besprochen worden. (Quelle: AHK für das südliche Afrika)

© DIHK-Präsident Prof. Hans Heinrich Driftmann kam auch zu Gesprächen mit dem südafrikanischen Vizepräsidenten Kgalema Motlanthe zusammen. Der Ausbau der deutsch-südafrikanischen Wirtschaftsbeziehungen ist besprochen worden. (Quelle: AHK für das südliche Afrika)

2010sdafrika-Redaktion: In einem Interview mit Andreas Wenzel, Generalsekretär der Wirtschaftsinitiative SAFRI, wird Südafrika für Deutschland „als ein zentraler Exportmarkt, Investitionsstandort und politischer Partner“ wertgeschätzt. Wo sehen Sie noch kooperative Potenziale?

Antwort: Ich sprach bereits Südafrika als „Tor in das südliche Afrika“ an. Aber es kann noch weitergehen: Südafrika ist inzwischen politisch und wirtschaftlich eng mit China und Indien aber auch Brasilien verbunden. Hier gibt es im Rahmen der Bildung von Konsortien, z.B. bei großen Infrastrukturprojekten, Potenzial für eine Einbindung deutscher Unternehmen. Die inzwischen über 600 deutschen Unternehmen in Südafrika genießen eine außerordentlich hohe Wertschätzung bei ihren südafrikanischen Partnern. Gemeinsam wird man in die Kooperation mit anderen Wirtschaftsmächten „im Süden“ Angebote mit einer größeren Tiefe einbringen können.

2010sdafrika-Redaktion: Prof. Hans Heinrich Driftmann, Präsident des DIHK, vielen Dank für das Interview!

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