Kunstraub im Pretoria Art Museum

Wenn die Museumsleitung zum Schweigen verdammt ist. Vier von fünf Bilder sind sichergestellt

(Autoren: Jessica M., Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Am vergangenen Sonntag besuchten drei Personen das Pretoria Art Museum. Sie gaben sich als Kunststudenten und Kunstdozent aus und baten, nachdem sie jeweils ein Ticket für 10 Rand gekauft hatten, um eine Führung mit einem Kurator. Merkwürdig war nur, dass die Männer eine Liste mit Gemälden bei sich trugen und im Anschluss an die Führung den Kurator mit vorgehaltener Schusswaffe aufforderten, ausgewählte Kunstwerke abzuhängen. Vor dem Eingang des Museums parkte ein Fahrzeug der Marke Toyota, in dem die Gemälde verstaut wurden.

© Das Pretoria Art Museum ist am 11. November 2012 von drei Personen beraubt worden. Fünf Gemälde der Künstler Maggie Laubser, Hugo Naudé, JH Pierneef, Gerard Sekoto und Irma Stern wurden entwendet. Doch alle Werke sind am 13. November 2012, ausgenommen das des Künstlers Sekoto, auf einem Friedhof wieder aufgetaucht.

© Das Pretoria Art Museum ist am 11. November 2012 von drei Personen beraubt worden. Fünf Gemälde der Künstler Maggie Laubser, Hugo Naudé, JH Pierneef, Gerard Sekoto und Irma Stern wurden entwendet. Alle Werke, ausgenommen das des Künstlers Sekoto, sind am 13. November 2012 auf einem Friedhof wieder aufgetaucht.

Ein Bild der Künstlerin Irma Stern, das auf einen Versicherungswert von rund 1,2 Millionen Euro geschätzt wird, passte allerdings nicht ins Auto und wurde kurzerhand am Straßenrand liegen gelassen. Diese Information stammt von Claus Stäcker, Deutschland Radio-Korrespondent in Südafrika.

Unterdessen erhielt “SÜDAFRIKA – Land der Kontraste” eine Information aus dem Umfeld des Pretoria Art Museums, das sich im Eigentum der Stadtverwaltung befindet. “Wir haben keine Erlaubnis mit der Presse irgendeinen Kontakt zu unterhalten”, wurde bemängelt. Nachdem der Kontaktperson Anonymität zugesichert wurde, wurden der Redaktion eine Liste von den fünf geraubten Kunstwerken und Abbildungen zugeschickt. Es handelt sich im Einzelnen um Werke von Maggie Laubser, Hugo Naudé, JH Pierneef, Gerard Sekoto und Irma Stern. Die bedeutendsten Gemälde des Raubs stammen von der deutschstämmigen Expressionistin Irma Stern und von dem schwarzen Sozialrealisten und Apartheidsgegner Gerard Sekoto. Gegen 18 Uhr MEZ erreichte unsere Redaktion eine weitere Information, wonach alle Bilder – ausgenommen das Gemälde „Street Scene“ von Sekoto mit einem Kaufwert von 630.000 Euro – auf einem Friedhof in Pretoria aufgetaucht waren und sichergestellt werden konnten.

© Maggie Laubser: Cat and Petunias (1936), Code: S/L/67/20, Oil on canvas, 59 x 50cm

© Maggie Laubser: Cat and Petunias (1936), Code: S/L/67/20, Oil on canvas, 59 x 50cm – SICHERGESTELLT

© Hugo Naudé: Hottentot Chief , Code: N.0304, Oil on canvas, 44,5 x 34cm

© Hugo Naudé: Hottentot Chief , Code: N.0304, Oil on canvas, 44,5 x 34cm – SICHERGESTELLT

© JH Pierneef: Eland and bird (1961), Code: 94/06, Gouache painting on paper, 25 x 36,5cm

© JH Pierneef: Eland and bird (1961), Code: 94/06, Gouache painting on paper, 25 x 36,5cm – SICHERGESTELLT

© Gerard Sekoto: Street scene, CodeS/S/64/39, Oil on canvas, 45,5 x 53,5cm

© Gerard Sekoto: Street scene, CodeS/S/64/39, Oil on canvas, 45,5 x 53,5cm – VERMISST

© Irma Stern: Fishing boats (1931), Code: S.0305, Oil on canvas, 68,5 x 91,5cm

© Irma Stern: Fishing boats (1931), Code: S.0305, Oil on canvas, 68,5 x 91,5cm – SICHERGESTELLT

Südafrika ist nicht gerade für Kunstdiebstähle bekannt. Zuletzt waren im Februar 2011 vier wertvolle Bilder des bekannten Künstlers William Kentridge aus einer Gallerie in Johannesburg gestohlen worden. Das aktuelle Ereignis wirft die Frage auf, warum die wirklich teuren Bilder zurückgelassen wurden. Doch auch der Wert der fünf gestohlenen Gemälde wird nach Angaben der Stadt mit 17, 5 Millionen Rand – umgerechnet rund 1,5 Millionen Euro – beziffert. Unsere Quelle aus dem Pretoria Art Museum befürchtet, dass die Aufklärung des Kunstraubs durch die Stadtverwaltung von Pretoria verhindert werden könnte. Hintergrund sind Streitigkeiten zwischen Museum und Stadtverwaltung im Hinblick auf die unzureichenden Sicherheitsbestimmungen zum Schutz des kulturellen Gutes.

Pieter de Necker, Pressesprecher der Stadt Pretoria, bekräftigte auf Nachfrage von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ die Einleitung mehrerer Maßnahmen. Nationale sowie internationale Kunsteinrichtungen wurden über den Fall informiert und gebeten, bei einer Kontaktaufnahme durch das Trio die Polizei zu verständigen. Darüber hinaus bleibt das Museum vorsorglich bis zum 19. November 2012 geschlossen. Zusätzlich wird die Stadt die Sicherheitsmaßnahmen am und im Gebäude erhöhen, teilte de Necker mit. Denn ein Gemälde aus dem Raub ist noch nicht wieder aufgetaucht und die Kunstdiebe sind weiterhin auf der Flucht.

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