Anders Breivik und „sein Südafrika“

Norwegens Extremist fordert eine Trennung des Kaplandes in eine weiße und schwarze Nation

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Die norwegische Hauptstadt Oslo liegt rund 9.700 Kilometer Luftlinie von der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria entfernt. Ideologisch betrachtet, fühlen sich südafrikanische Rassisten und nordische Rechtsextremisten jedoch nahezu unmittelbar miteinander verbunden.Die räumliche Distanz spielt kaum eine Rolle, wenn es um die Ablehnung multikultureller Gesellschaften geht.

    © Der norwegische Rechtsextremist Anders Breivik geht in seinem "Manifest 2083" über vierzigmal auf das Land Südafrika ein. Er kritisiert einen angeblichen Genozid an weißen Südafrikanern und fordert, Südafrika in einen weißen und schwarzen Staat zu trennen. Er fürchtet, die Buren könnten sonst bis in das Jahr 2050 nahezu ausgestorben und dem "diabolischen Verhalten schwarzer Südafrikaner" vollständig zum Opfer gefallen sein. (Quelle: flickr/ Panorama Mercantil)

© Der norwegische Rechtsextremist Anders Breivik geht in seinem „Manifest 2083“ über vierzigmal auf das Land Südafrika ein. Er kritisiert einen angeblichen Genozid an weißen Südafrikanern und fordert, Südafrika in einen weißen und schwarzen Staat zu trennen. Er fürchtet, die Buren könnten sonst bis in das Jahr 2050 nahezu ausgestorben und dem „diabolischen Verhalten schwarzer Südafrikaner“ vollständig zum Opfer gefallen sein. (Quelle: flickr/ Panorama Mercantil)

Über vierzigmal findet sich der Eintrag „South Africa“ im „Manifest 2083“ des norwegischen Rechtsextremisten Anders Breivik. Die Aussagen Breiviks stützen sich dabei auf klassische Thesen der südafrikanischen Rassistenszene, die auch in deutschen Kreisen des rechten Milieus ihre Anwendung finden.

Breivik kritisiert die Unfähigkeit Europas, den Weißen in Südafrika beizustehen. Er spricht in diesem Zusammenhang von 3.060 bis 10.000 ermordeten „europäischen Afrikaanern„, die seit den Machtwechseln in Südafrika, Simbabwe und anderswo starben. Der Norweger ruft seine Leser dazu auf, die Lobbygruppen der Weißen zu kontaktieren, sollten Zweifel an den Zahlen bestehen. Das Morden führt er auf das „diabolische Verhalten der Schwarzen“ zurück. In der Regenbogennation, die vom marxistischen ANC regiert werde, sähen sich die Buren mit einem Genozid konfrontiert.

Grundsätzlich vertritt Breivik die These, dass alle afrikanischen Staaten – mit Ausnahme von Südafrika – homogene Gesellschaften seien, die rassistisch gegenüber Europäern eingestellt seien: „Everyone who has travelled and lived in Africa knows that all African nations, with the exception of perhaps South Africa, are monocultural nations and they are very racist towards all Europeans.

Breivik hält fest, dass er mehrere Jahre gezögert habe, über den sogenannten „südafrikanischen Genozid“ zu schreiben. Er habe befürchtet, als Rassist abgestempelt zu werden. Allerdings habe seine ideologische Vertiefung dazu geführt, sich für die Rechte der Buren einzusetzen, die dem Land Südafrika doch erst die [wirtschaftliche] Entwicklung ermöglicht hätten. Zudem bemängelt der Norweger, dass die rund 45.000 weißen Farmer in Südafrika nicht unterstützt würden und ihre Interessenvertretung, Agri-SA, bisweilen nicht vom Genozid spreche, obwohl die Morde diese Tatsache doch bestätigten. Es gebe jedes Jahr rund 750 bis 800 Angriffe auf Farmer in Südafrika, bei denen hundert an die Hundert Buren ihr Leben lassen müssten. Außerdem beziffert Breivik die Zahl vergewaltigter Buren mit 10.000 pro Jahr. Woher diese Zahlen stammen, lässt er jedoch offen.

Die Buren seien einem Klima des Tötens und der Vergewaltigung ausgesetzt, das von den einstigen Opfern der Apartheid systematisch erzeugt werde, so der Extremist weiter. Breivik kommt in einer demografischen Aufstellung zu dem Ergebnis, dass bis zum Jahr 2050 nur noch 200.000 weiße Südafrikaner am Kap leben würden, gegenüber 88 Millionen Schwarzen. Für die Gegenwart – für das Jahr 2010 – beziffert Breivik die Zahl der Buren mit 4 Millionen und die der schwarzen Mehrheit mit 44 Millionen Südafrikanern. Diese weiße Minderheit zahle rund 40 Prozent aller Steuern, mache aber nur 8 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Breivik kommt zu seinem eigenen Schluss, dass im Jahr 2050 der Genozid an den Buren fast vollständig abgeschlossen und Südafrika von Korruption, Bürgerkrieg, endloser Armut und Hoffnungslosigkeit geprägt sein werde: „By the year 2050 the genocide of European Afrikaner/Boers will be almost complete and South Africa will at this point most likely resemble the average of African Nations, plagued by corruption, civil war and endless poverty and hopelessness.

Zu guter Letzt kritisiert Breivik die heutige Geschichtsschreibung, wonach die Rolle Nelson Mandelas als „Terroristenführer“ ausgeblendet würde. Seiner Meinung nach brauche Südafrika keine multikulturelle Gesellschaft, sondern vielmehr eine Trennung des Staates in eine weiße und schwarze Nation. 40 Prozent des Territoriums sollten den Weißen vorbehalten sein: „Divide the country into two sovereign nations; one European nation and one African…The racist apartheid ideology should never be used again.

Das „Manifest 2083“ belegt, dass die Entwicklungen in Südafrika von Extremisten in Europa aufmerksam verfolgt und für Propagandazwecke missbraucht werden. Vor allem deutsche Rechtsextreme und südafrikanische Rassisten unterhalten enge Beziehungen zueinander. Am 24. August 2012 wurde Breivik vom zuständigen Osloer Amtsgericht wegen Mordes an 77 Menschen zu 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

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Eine Antwort zu “Anders Breivik und „sein Südafrika“

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