Kap-Kolumne: Mediales Sperrfeuer vor Mangaung

Jacob Zuma und seine Geldgeber: Wenn ein deutscher U-Boot-Hersteller die Polygamie kofinanziert

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger Westberliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

Noch drei Tage bis zur ANC-Konferenz in Mangaung (Bloemfontein) und es wird aus allen medialen Rohren geschossen. Ziel ist der ANC und insbesondere Präsident Jacob Zuma, der sich in Mangaung das Placet für eine zweite Amtsperiode als ANC-Präsident und damit die Wiederwahl zum Staatschef im Jahr 2014 holen will. Das jüngste mediale Geschoss auf Zuma: Die Johannesburger Wochenzeitung Mail&Guardian (M&G) veröffentlichte einen Bericht über die Finanzen von Jacob Zuma aus dem Jahr 2006, also lange bevor er Staats- und Parteichef wurde.

© Ein als „streng vertraulich“ eingestuftes Dossier des Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG offenbart, wie abhängig Präsident Jacob Zuma von natürlichen und unternehmerischen Geldgebern ist. Die Polygamie ist teuer und muss finanziert werden. Die Zeitung Mail&Guardian veröffentlichte das Dokument auf ihrer Homepage - kurz vor Beginn des 53. ANC-Bundesparteitags in Mangaung. Im Bild ist Zuma bei seinem 70. Geburtstag mit seinen Ehefrauen zu sehen. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

© Ein als „streng vertraulich“ eingestuftes Dossier des Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG offenbart, wie abhängig Präsident Jacob Zuma von natürlichen und unternehmerischen Geldgebern ist. Die Polygamie ist teuer und muss finanziert werden. Die Zeitung Mail&Guardian veröffentlichte das Dokument auf ihrer Homepage – kurz vor Beginn des 53. ANC-Bundesparteitags in Mangaung. Im Bild ist Zuma bei seinem 70. Geburtstag mit seinen Ehefrauen zu sehen. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

Aus dem als „streng vertraulich“ eingestuften Dossier des Wirtschaftsprüfers KPMG geht hervor, dass Zuma zahlreiche Zuwendungen aus unterschiedlichsten Quellen erhalten haben soll. Die Zeitung suggeriert, der aufwändige Lebensstil – gemeint sind seine Frauen und Kinder – sowie eine gewisse Leichtigkeit bis Unbedarftheit beim Umgang mit Pekuniären sei die Ursache. Selbst der ehemalige Präsident Nelson Mandela habe ihm einmal mit einer Million Rand aus der Schuldenklemme geholfen.

Zuma mache sich politisch erpressbar, denn seine großzügigen Geldgeber würden ja Gegenleistungen verlangen. Unter diesen Geldgebern sind, dem Bericht zufolge, neben bekannten südafrikanischen Geschäftsleuten wie Shabir Shaik und Vivian Reddy eben auch der französische Rüstungskonzern Thomson-CSF (später in Thales unbenannt) und der deutsche U-Boot-Hersteller Ferrostaal.

Das liest sich alles ziemlich gruselig, neu sind all die Vorwürfe allerdings nicht. Interessant ist eher der Zeitpunkt, zu dem das „streng vertrauliche“ KPMG-Dossier von der M&G ins Netz gestellt wird. Das riecht sehr nach Kampagnen-Journalismus.

Die mediale moralische Empörung ist doch sehr durchsichtig. Honni soi qui mal y pense. Ohne Geld kann in dieser freien marktwirtschftlichen Gesellschaft bekanntlich kein Politiker und keine Partei ernsthaft Politik machen. Auch eine Frau Zille und ein Herr Lekota von der Opposition lenken ihre Partei-Truppen nicht von einer Blechhütte aus.

Die bis zu Saalschlachten reichenden Auseinandersetzungen innerhalb des ANC im Vorfeld der Mangaung-Konferenz kommen mir in diesem Zusammenhang fast ehrlicher vor.

Eine Antwort zu “Kap-Kolumne: Mediales Sperrfeuer vor Mangaung

  1. Pingback: Machtwechselheuchelei in Mangaung | SÜDAFRIKA – Land der Kontraste

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s