Kurzfilme aus Südafrika

Ein Bericht zum 28. Internationalen Kurzfilmfestival Berlin (interfilm)

(Autorin: Anne Schroeter)

Am 17. November 2012 sind im Rahmen des 28. Kurzfilmfestivals „interfilm“ im Berliner Kino Passage fünf Kurzfilme aus Südafrika präsentiert worden. Leider war die Publikumsresonanz nicht so groß, wie die Kurzfilme es verdient hätten – das Kino war nicht einmal halb voll.

© Cover zum Film "Protect the Nation".

© Cover zum Film „Protect the Nation“.

Der erste Film, „Protect the Nation“ (2010, Regisseur: Candice Reisser), behandelt die Geschichte eines Jungen namens Sizwe, der in Alexandra lebt. Um die Familie unterstützen zu können, geht er tagsüber kleineren Arbeiten nach und nicht zur Schule. Er belügt seine Tante, die sich um ihn sorgt. Aus dem Off klingen seine Gedanken: „When somebody is good to you, it makes you want to do good. It’s a circle, it goes round and round“. Eines Tages holt er im Auftrag eines Verwandten eine Schallplatte in einem Club ab. Ein Mitarbeiter des Clubs erkennt offensichtlich, dass etwas nicht stimmt mit Sizwe. Er zeigt auf ein Foto Mandelas und fragt den Jungen, ob er Liebe in seinem Herzen trage. Nach der Übergabe der Schallplatte, auf dem Weg nach Hause, wird Sizwe von anderen Jungen angegriffen. Dabei stürzt er und bleibt ohne Regung am Boden liegen.

Gerettet wird er von einem älteren Herrn, der ihn ins Krankenhaus bringt. Während Sizwe wieder zu Bewusstsein kommt, erkennt er in seinem Retter einen ehemaligen Kioskbesitzer, der während der xenophobischen Ausschreitungen von 2008 von Sizwes Cousin und dessen Gang ausgeraubt wurde. Er beschimpft den Mann als „stupid, disgusting foreigner“ und läuft nach Hause. Dort fängt er an, an sich und seine Handlungen zu zweifeln. Er schaut auf ein Bild Mandelas, das neben seinem Spiegel hängt, erinnert sich an die Geschehnisse der vergangenen Tage und hat wieder einen Gedanken: „When somebody is good to you, it makes you want to do good. It’s a circle, it goes round and round”.

Danach folgte „Dirty Laundry“, ein Kurzfilm von Stephen Abbot aus dem Jahr 2011. In ihm wird ein junger Mann nachts im Wachsalon gezeigt, der eigentlich nur seine Wäsche waschen möchte. Am Ende des Waschgangs wurde er von einem Geschäftsmann eingeschüchtert, als Spion tätig zu sein. Darüber hinaus wurde er beschuldigt, Ohrenzeuge einer unglücklichen Ehe und wilden Affäre zu sein. Und somit das Glück eines jungen Liebespaars zu behindern. Der Film stellt quasi einen Querschnitt der alltäglichen Probleme aller Menschen dar.

Trailer von „Dirty Laundry“

Der einzige Animationsfilm des Abends war „And there in the Dust“, gefilmt 2004 von Gerhard Marx und Lara Foot-Newton. Basierend auf einen wahren Fall, handelt er von der unglaublichen Ohnmacht, die Beteiligte empfanden, als die Leiche eines vergewaltigten Babys gefunden wurde. Während sich eine Stimme aus dem Off zunächst noch darüber beschwert, dass in ihrem Dorf nichts los sei und nie etwas passieren würde, wendet sich das Blatt zum Ende des Films: „Nothing ever happens here“ steht zum Schluss für die unzureichende Aufarbeitung des Falls durch die Gemeinde, indirekt aber auch als Vorwurf gegen die unzureichende Aufklärung von Sexualdelikten in Südafrika.

Trailer von „And there in the Dust“

Als der Film zu Ende war, ging ein Aufatmen durch den Kinosaal – zu früh. Es folgte der Kurzfilm „The Tunnel“ über Simbabwe von Jenna Bass. Die Handlung spielt in den 1980er Jahren, als Mugabes Truppen der fünften Brigade mordend durch die simbabwischen Provinzen Nord-, Südmatabeleland und Midlands liefen. Angeblich wurden 10.000 Dissidenten hingerichtet. Geschildert wird die Handlung aus der Sicht eines Mädchens, von Elizabeth, das die Geschichte ihres Vaters und ihres Dorfes erzählt.

Trailer von „The Tunnel“

Der letzte Film brachte, nun endlich, das Publikum zum Schmunzeln. In „Sibahle“ ist Justin, ein junger Mann, auf dem Weg zum Flughafen, um Südafrika den Rücken zu kehren und nach Europa auszuwandern. Plötzlich sitzt vor ihm, mitten auf der Straße ein kleines schwarzes Mädchen. Er beschließt sich ihr anzunehmen, schließt sich dabei aber aus seinem Auto aus. Nach mehreren Umwegen und herzlichen Begegnungen mit anderen Südafrikanern kommt er mit Sibahle, dem Mädchen, zum Flughafen. Justin gibt sie in die Obhut eines Bekannten, erkennt aber noch vor Abflug, dass er gerade eben Südafrika und seine Menschen von einer neuen, ihm bisher unbekannten Seite kennengelernt hat. Er versucht Sibahle aus einem Waisenhaus zu sich zu nehmen und stellt fest, dass es dort noch viele mehr Kleinkinder gibt, die dringend ein liebevolles Zuhause brauchen.

Trailer von „Sibahle“

Nach den vorherigen Filmen, die allesamt ernste Thematiken behandelten, kam der letzte Film als Abschluss gerade richtig. Er hat Südafrika noch einmal von seiner anderen, schönen Seite gezeigt, die gerade bei uns weniger oft dargestellt wird.

In einer anschließenden kurzen Fragerunde mit Joshua Rous, Regisseur von „Sibahle“, sagt er, dass der Film kurz nach seiner Rückkehr nach Südafrika entstanden ist. Nachdem er längere Zeit im Ausland gelebt hatte, sah er in dem Film die Möglichkeit, seine Verbindung zum Land und vor allem zu seinen Mitmenschen zu erneuern.

Alles in allem war es ein sehr schöner Kinoabend, der ein realistisches Bild von Südafrika gezeichnet hat. Bei allen Problemen die das Land hat, so gibt es doch auch Möglichkeiten für eine positive Entwicklung.

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