Verlierer sehen anders aus

Der Parteitag endet: Motlanthe, Zuma, der ANC und die Wirtschaft gehen als Sieger hervor

(Autor: Ghassan Abid)

– ANC-Parteitag-Spezial –

Spannend waren die Ereignisse auf dem 53. Bundesparteitag der Regierungspartei ANC im südafrikanischen Mangaung, der am Donnerstag zu Ende ging. Bereits am ersten Tag drohte die Mangaung-Konferenz in einen Eklat zu enden. In den darauf folgenden Tagen kam es zu turbulent artigen Szenen innerhalb und außerhalb des Tagungsortes. Und dennoch konnten alle Beteiligten mit einem guten Gefühl den Parteitag verlassen. Denn Verlierer gab es diesmal nicht.

    © Der 53. Bundesparteitag des ANC in Mangaung ist nun zu Ende gegangen. Präsident Jacob Zuma, der neue ANC-Vizepräsident Cyril Ramaphosa und Kgalema Motlanthe sind als Polit-Trio taktisch vorgegangen. Zwar ist Motlanthe nicht mehr Parteivizepräsident, doch wird er in einem anderen Bereich seine Verwendung finden. Ihm wird die Führung einer ANC-Hochschule übertragen. Ebenso kann die Wirtschaft aufatmen, da die Verstaatlichungspläne endgültig vom Tisch sind. (Quelle: flickr/ MyANCOfficial)

© Der 53. Bundesparteitag des ANC in Mangaung ist nun zu Ende gegangen. Präsident Jacob Zuma, der neue ANC-Vizepräsident Cyril Ramaphosa und Kgalema Motlanthe sind als Polit-Trio taktisch vorgegangen. Zwar ist Motlanthe nicht mehr Parteivizepräsident, doch wird er in einem anderen Bereich seine Verwendung finden. Ihm wird die Führung einer ANC-Hochschule übertragen. Ebenso kann die Wirtschaft aufatmen, da die Verstaatlichungspläne endgültig vom Tisch sind. (Quelle: flickr/ MyANCOfficial)

Wer die Auftritte von Jacob Zuma in Mangaung verfolgt hat, der hat schnell erkennen müssen, wie beliebt Zuma nach wie vor ist. Seine Skandale – die mutmaßliche Vergewaltigung einer AIDS-Aktivistin, massive Korruptionsvorwürfe im Rüstungsgeschäft, die nachgesagte Veruntreuung staatlicher Gelder für sein Privatdomizil in Nkandla, die Zentralisierung der Macht in Partei und Staat, die Vielweiberei oder die heimlichen Zuwendungen von Unternehmen – haben der Popularität Zumas keinen Schaden angerichtet.

Ganz im Gegenteil. Zumindest in ANC-Kreisen konnte der 70-jährige Zulu an Einfluss hinzugewinnen. Trotz der medialen Schlammschlacht um seine Person, hat sich Jacob Zuma auf dem Parteitag durchsetzen können. Wer die Politik in afrikanischen Zivilisationen verstehen will, der muss westliches Denken über Demokratie und Staat ablegen. Afrikaner verbinden das Vertrauen in die politische Führung sehr stark mit einer emotionalen Erlebniswelt. Erlebnisse prägen mehr als Erkenntnisse. Präsidenten-Auftritte mehr als Wahlprogramme. Lebendige Reden mehr als die sachliche Gesprächsführung. Die verschiedenen schwarzen Ethnien Südafrikas basieren nach wie vor auf eine orale Kultur.

Tanz und Gesang von Präsident Jacob Zuma

Zuma sollte man nicht unterschätzen. Er war schon während der Apartheid ein Taktiker, der es verstand, Kontakte zu pflegen und diese auszubauen. Kgalema Motlanthe hat sein Amt als ANC-Vizepräsident verloren. Doch ist er im Gegensatz zu Thabo Mbeki, dem Herausforderer Zumas auf dem 52. Parteitag in Polokwane, kein Verlierer. Motlanthe und Zuma sind enge Freunde, die sich im exekutiven Alltagsgeschäft optimal ergänzten. Die Rede Motlanthes nach seiner Niederlage vermittelt den Eindruck, dass Motlanthe eher erleichtert als enttäuscht ist.

Rede von Kgalema Motlanthe nach seiner Niederlage

Im Vorfeld der Mangaung-Konferenz gab es mehrere Treffen zwischen Zuma, Motlanthe und Ramaphosa. Das Trio soll, so südafrikanische Pressemeldungen, hinter verschlossenen Türen getagt haben. Wichtige Entscheidungen der Politik werden nicht im Plenum besprochen, sondern in jenen Bereichen, die der Öffentlichkeit versperrt bleiben. Vor Kurzem ist bekannt geworden, dass Motlanthe eine ANC-Hochschule leiten soll.

Doch warum dieses taktische Manöver, kann sich der Beobachter fragen. Die Antworten zur Machtwechselheuchelei im Hinblick auf Mangaung liegen auf der Hand:

1. Der Parteitag sollte Lebendigkeit und Harmonie ausstrahlen. Wo gestritten wird, fallen meist konsensfähige Entscheidungen. Die konkurrierenden ANC-Lager sollten im Dialog bestehende Streitigkeiten lösen. Parteitagsentscheidungen binden alle Parteimitglieder an die Einhaltung.

2. Den Medien, die sehr kritisch über Zuma und den ANC berichtet hatten, sollte aufgezeigt werden, dass trotz der Streitigkeiten über Personalien ein Konsens gefunden werden konnte. Außerdem hat sich Zuma trotz ded medialen Drucks durchsetzen können – eine Machtdemonstration.

3. Das Vertrauen der Wirtschaft sollte zurückgewonnen werden. Die konzeptionellen Bestimmungen zum „zweiten Übergang“ sorgten für viel Unruhe in der Industrie. Investorenfreundliche Entscheidungen des ANC bezwecken eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage am Kap.

    © Präsident Jacob Zuma ist trotz der Skandale weiterhin einer der beliebtesten ANC-Politiker. Wer die Politik in afrikanischen Zivilisationen verstehen will, der muss westliches Denken über Demokratie und Staat ablegen. Afrikaner verbinden das Vertrauen in die politische Führung sehr stark mit der emotionalen Erlebniswelt. (Quelle: flickr/ City Press)

© Präsident Jacob Zuma ist trotz der Skandale weiterhin einer der beliebtesten ANC-Politiker. Wer die Politik in afrikanischen Zivilisationen verstehen will, der muss westliches Denken über Demokratie und Staat ablegen. Afrikaner verbinden das Vertrauen in die politische Führung sehr stark mit der emotionalen Erlebniswelt. (Quelle: flickr/ City Press)

Ob die drei Zielsetzungen tatsächlich erreicht werden können, wird die Zeit zeigen. Doch sprechen die Entwicklungen in Mangaung für einen erfolgreichen 53. Parteitag des ANC. Ob das Land vom Ausgang in Mangaung profitieren wird, ist hingegen eine andere Thematik.

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  1. Pingback: Mobbing gegen Vizepräsident Motlanthe? | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

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