Kap-Kolumne: Auf den Hund gekommen

„Who let the dogs out?“

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger Westberliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

© Wie (un-)afrikanisch ist der Hund als Haustier? Kolumnist Detlev Reichel geht dieser Sommerloch-Schicksalsfrage nach. (Quelle: flickr/ animalrescueblog)

© Wie (un-)afrikanisch ist der Hund als Haustier? Kolumnist Detlev Reichel geht dieser Sommerloch-Schicksalsfrage nach. (Quelle: flickr/ animalrescueblog)

Über Langeweile können sich die Medien hierzulande nicht beklagen. Kaum war das politische Südafrika nach dem ANC-Wahlkongress in Mangaung dem Rest des Landes in den Sommerurlaub gefolgt, bellt es laut aus allen Blättern. Berufene Vor- und Nachdenker aller Couleur stellen die steil aufsteigende Schicksalsfrage: Wie (un-)afrikanisch ist der Hund als Haustier? Die Vorlage lieferte Staatspräsident Jacob Zuma höchstpersönlich (siehe auch die Ubuntu-Kolumne zum Thema) und half, das Sommerloch zu stopfen. City Press vom Sonntag (30.12.2012) titelte sinnig: „Zuma dogmatics in Nkandla“.

Da könnte ich den verehrten Kollegen `ne Menge Stories aus Berlin erzählen, von einer Stadt, in der sich die Bevölkerung streng nach Hunde- und Nichthundebesitzern aufteilen ließe. Die kaum als edel zu bezeichnenden Gefühle des nichthundebesitzenden Teils gegenüber dem anderen kann vielleicht nachvollziehen, wer am Abend auf dem Heimweg unschuldig in die gehäufte Nachlassenschaft eines „besten Freundes“ trat, was sich dann in der Wohnung auf dem Teppich und in der Atemluft sicht- und ruchbar macht. Da ist man ziemlich „dog“matisch sauer und verärgert.

Doch, bleiben wir in Südafrika. Während unseres Weihnachtsurlaubs auf einer Gästefarm im Free State – liebliche Landschaft und himmlische Ruhe – haben wir ein junges Paar als Nachbarn, die mit ihren vier Hunden angereist kommen – zwei englische Bullterrier und zwei kurzatmige kleine Mopse. Meine Frau schüttelt den Kopf. „Ich verstehe das nicht. Wo bleibt da Zeit fürs intime Zusammensein?“ Und sie fragt mich allen Ernstes, ob das Halten so vieler Haustiere eine Art Kinderersatz sei. Darüber lässt sich trefflich streiten, ganz ohne farbliches Einordnen der handelnden Personen.

Black is beautiful“ war ein Slogan aus den USA in den 1960er Jahren. In den 1970ern gab die Black Conciousness Bewegung der schwarzen Jugend Südafrikas das Selbstbewusstsein zurück, für die eigene Befreiung zu kämpfen. Heute hält es der südafrikanische Präsident für notwendig seine afrikanischen Landsleute zu ermutigen, auf ihr Schwarzsein stolz zu sein. Auch zwanzig Jahre nach dem Ende der Apartheid ist dies offenbar immer noch angesagt. Ob die Affenliebe einiger Zeitgenossen zu ihren Haustieren dazu die geeignete Metapher ist, sei dahingestellt.

Zu guter Letzt: Was haben der Speer und der Hund gemeinsam? Beide wurden und werden noch zur Jagd benutzt – in Europa, Amerika und Afrika. Speer und Hund können also, rein metaphorisch, dazu dienen, die Gräben schließen zu helfen statt sie zu vertiefen.

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