Staatsfeind unter Beobachtung

Exklusiv: Dr. Claus Nordbruch im Visier deutscher und ausländischer Nachrichtendienste

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Von „VS-VERTRAULICH“ bis hin zur Geheimhaltungsstufe „STRENG GEHEIM“ lassen sich Dokumente klassifizieren, die sich mit der Person Dr. Claus Nordbruch befassen. Er ist unstrittig die populärste Persönlichkeit des deutschen Rechtsextremismus in Südafrika, die Kontakte zum NSU-Umfeld, zur NPD, zur südafrikanischen Rassistenszene und weiteren extremistischen Gruppierungen unterhält.

© Der in Südafrika lebende rechtsextreme Publizist Dr. Claus Nordbruch ist seit rund 25 Jahren im Visier diverser deutscher und ausländischer Nachrichtendienste. Ebenso ist Nordbruch auch dem Polizeilichen Staatsschutz bekannt. Zuletzt hielt sich der Deutsche in der Bundesrepublik im Jahr 2008 auf einer Veranstaltung des rechtsextremen "Hilfskomitee Südliches Afrika e. V." in Eisenach/ Thüringen auf. 2011 präsentierte Nordbruch im geschlossenen Kreis ein Buch im österreichischen Wien. Das Bundesamt für Verfassungsschutz sammelt als zuständige Bundesbehörde die Erkenntnisse der Verfassungsschutzämter der Länder und stellt darüber hinaus den Kontakt zu den ausländischen Nachrichtendiensten sicher. (Quelle: flickr/ PercyGermany™)

© Der in Südafrika lebende rechtsextreme Publizist Dr. Claus Nordbruch ist seit rund 25 Jahren im Visier diverser deutscher und ausländischer Nachrichtendienste. Ebenso ist Nordbruch auch dem Polizeilichen Staatsschutz bekannt. (Quelle: flickr/ PercyGermany™)

Am 10. Juni 2012 berichtete „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ zum ersten Mal über den Ex-Bundeswehroffizier und heutigen Publizisten. Mittlerweile konnten die Erkenntnisse zu Nordbruch erheblich ausgebaut werden. Am 13. September 2012 konnten Belege für die Kontakte von Nordbruch zum NSU-Umfeld und am 19. September 2012 zum NPD-Spitzenpolitiker Jens Pühse dargelegt werden. Ferner veröffentlichte dieses Online-Medium am 4. Oktober 2012 – auf Basis eingegangener Bilder und Informationen – einen Artikel zu Nordbruchs freundschaftliche Beziehung“ zum südafrikanischen Rassistenführer und Ex-Elitesoldaten Willem Ratte. All diese Informationen legten den Schluss nahe, den Kenntnisstand der Nachrichtendienste in Erfahrung zu bringen.

Sechs Monate Recherche zusammengetragen

Die deutschen und ausländischen Sicherheitsbehörden haben unterschiedlich auf die redaktionellen Anfragen reagiert. Einige Nachrichtendienste wollten keine Stellung beziehen, andere hingegen sahen eine Auskunftserteilung als ihre Verpflichtung gegenüber den Medien an. Wiederrum andere Sicherheitsbehörden hatten Hintergrundinformationen offenbart, die aufgrund des Quellenschutzes und der Sensibilität der Erkenntnisse nicht der Öffentlichkeit vorbestimmt sind – die Redaktion hält sich an diese Abmachungen. Sechs Monate Recherche sind nun abgeschlossen.

Preisverleihung durch die DVU

Der Verfassungsschutz Niedersachsens teilte auf Nachfrage von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ mit, dass der rechtsextremistische Publizist Dr. Claus Nordbruch dieser Sicherheitsbehörde „seit vielen Jahren bekannt“ ist. Allerdings haben seine Aktivitäten keinen spezifischen Bezug zum Land Niedersachsen. Hervorzuheben sind die Teilnahme Nordbruchs an Vortragsveranstaltungen in Niedersachsen. Im niedersächsischen Verfassungsschutzbericht des Jahres 2001 wird Nordbruch im Zusammenhang mit einer Großkundgebung der damaligen rechtsextremistischen Deutschen Volksunion (DVU) am 29. September 2001 im bayerischen Passau erwähnt. Der Publizist trat neben einem Vertreter des belgischen Vlaams-Block, einer rechtspopulistischen Regionalpartei, als Redner auf und erhielt den „Freiheitspreis“ der rechtsextremistischen Zeitung der DVU, der National-Zeitung.

Zu Gast bei der NPD

Hingegen hielt das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz fest, dass Dr. Claus Nordbruch seit den 1990er Jahren der Behörde bekannt ist. „Er fiel insbesondere als Autor zahlreicher Artikel in rechtsextremistischen Publikationen sowie als Referent bei einschlägigen Veranstaltungen in Bayern auf“, heißt es aus München. Nordbruch hatte am 01.04.1999 auch als Redner bei einer gemeinsamen Veranstaltung des NPD-Kreisverbandes Coburg und des „Fränkischen Heimatschutzes“ (FHS) teilgenommen. An diesem Tag hielt er ein Referat, das sich hauptsächlich mit seinem Buch „Der Verfassungsschutz – Organisation, Spitzel, Skandale“ beschäftigte. Der Bayerische Verfassungsschutz ergänzte, dass die Besucher überwiegend aus dem fränkischen und thüringischen Skinhead-Milieu stammten. Darüber hinaus wurde ein Interview mit Nordbruch in einer Ausgabe der NPD-Publikation „Deutsche Stimme“ vom April 2009 abgedruckt, in dem er „insbesondere antisemitische Vorurteile bedient und sich lobend über die NPD und deren damaligen Vorsitzenden Udo Voigt äußert“. Karl Richter, Stadtrat für die NPD-Tarnliste „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ in München und stellvertretender Bundesvorsitzender der NPD, führte das Interview. Genauso informierte die Münchner Sicherheitsbehörde, dass ein Foto auf der Homepage Nordbruchs zu finden ist, wonach Nordbruch auch Dr. Gerhard Frey traf. Frey war langjähriger Bundesvorsitzender der DVU und Verleger rechtsextremistischer Publikationen.

Nordbruch und seine Kontakte zum NSU-Trio

Der Verfassungsschutz Thüringen informierte, dass sich Nordbruch seit Mitte der 1980er-Jahre überwiegend in Südafrika aufhält. Im September 1999 trat er in Jena als Referent bei einer Veranstaltung des „Thüringer Heimatschutzes (THS)“, der Vorgängerorganisation des NSU, auf. 2008 fand sich Nordbruch erneut in Thüringen ein, in Eisenach, um an einem Südafrika-Seminar vom „Hilfskomitee Südliches Afrika e. V.“ mitzuwirken.

In bestimmten redaktionellen Kreisen wird davon ausgegangen, dass eine Fluchtbeihilfe des NSU-Trios Uwe Mundlos (†), Uwe Böhnhardt (†) und Beate Zschäpe durch Nordbruch vorbereitet wurde. Die Thüringen-Aufenhalte verschafften dem in Südafrika lebenden Rechtsextremisten die Etablierung zahlreicher Kontakte, die eine Flucht erst möglich gemacht hätten. Hingegen heißt es auf Anfrage von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ aus Sicherheitskreisen, dass diese Verbindung zwischen Nordbruch und dem NSU-Trio noch nicht bestätigt sei. „Die Bundesanwaltschaft wird sich mit dieser Behauptung näher befassen müssen„, erklärte eine Mitarbeiterin eines deutschen Verfassungsschutzes.

© In bestimmten redaktionellen Kreisen wird davon ausgegangen, dass eine Fluchtbeihilfe des NSU-Trios Uwe Böhnhardt (†), Beate Zschäpe und Uwe Mundlos (†) durch Nordbruch vorbereitet wurde. Jedoch sehen mehrere Nachrichtendienste diese These als noch nicht erwiesen kann. (Quelle: Fahndungsplakat BKA)

© In bestimmten redaktionellen Kreisen wird davon ausgegangen, dass eine Fluchtbeihilfe des NSU-Trios Uwe Böhnhardt (†), Beate Zschäpe und Uwe Mundlos (†) durch Nordbruch vorbereitet wurde. Jedoch sehen mehrere Nachrichtendienste diese These als noch nicht erwiesen kann. (Quelle: Fahndungsplakat BKA)

In den letzten Jahren nicht mehr in Deutschland

Das Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln erklärte gegenüber „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, dass Nordbruch regelmäßig zu Vortragsveranstaltungen nach Deutschland einreiste. Über den genauen Zeitraum seiner Deutschlandvisiten könne keine Angaben gemacht werden, heißt es aus Köln. Die Bundesbehörde kommt zum Status quo, dass Nordbruch in den letzten Jahren nicht mehr als Redner in Deutschland aufgefallen ist.

Geschlossene Buchvorstellung in Wien im Jahr 2011

Demgegenüber steht die Information einer Quelle aus Österreich, dass Nordbruch am 23. Februar 2011 in Wien zur eigenen Buchpräsentation anreiste. Eingeladen wurde er in die „Österreichische Landsmannschaft“, einer rechtskonservativen Vereinigung in Josefstadt, im 8. Bezirk von Wien. Die Einladung erfolgte im geschlossenen Kreis. Das österreichische Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, dass der Fach- und Rechtsaufsicht des Bundesministeriums für Inneres in Wien untersteht, teilt mit, dass sie „generell keine Auskünfte über Einzelpersonen“ erteile. Dem schließt sich der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) der Schweiz an. Aus Bern heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme: „Der NDB ist zuständig für die Prävention bezüglich Terrorabwehr, Spionageabwehr, Nonproliferation und Bekämpfung von gewalttätigem Extremismus zum Schutz der Schweiz und ihrer Bevölkerung… [der] NDB [kommuniziert] seine Erkenntnisse nur gegenüber seinen Partnern und Auftraggebern, nicht aber gegenüber der Öffentlichkeit oder den Medien„.

Im Visier des südafrikanischen Geheimdienstes

    © Dem Familienvater Dr. Claus Nordbruch wird ein umfangreiches Kontaktnetzwerk zu deutschen Rechtsextremisten und südafrikanischen Rassisten nachgesagt. In Deutschland fiel Nordbruch vor allem als Autor von rechtsextremistischen Publikationen auf. Darüber hinaus nahm er am 01.04.1999 als Redner bei einer gemeinsamen Veranstaltung des NPD-Kreisverbandes Coburg & des "Fränkischen Heimatschutzes" (FHS), im September 1999 beim NSU-Vorgänger „Thüringer Heimatschutz (THS)“ in Jena, am 29. September 2001 bei der DVU im bayerischen Passau, 2008 beim rechtsextremen "Hilfskomitee Südliches Afrika" in Eisenach und am 23. Februar 2011 bei der Österreichischen Landsmannschaft in Wien teil.

© Dem Familienvater Dr. Claus Nordbruch wird ein umfangreiches Kontaktnetzwerk zu deutschen Rechtsextremisten und südafrikanischen Rassisten nachgesagt. In Deutschland fiel Nordbruch vor allem als Autor von rechtsextremistischen Publikationen auf. Darüber hinaus nahm er am 01.04.1999 als Redner bei einer gemeinsamen Veranstaltung des NPD-Kreisverbandes Coburg & des „Fränkischen Heimatschutzes“ (FHS), im September 1999 beim NSU-Vorgänger „Thüringer Heimatschutz (THS)“ in Jena, am 29. September 2001 bei der DVU im bayerischen Passau, 2008 beim rechtsextremen „Hilfskomitee Südliches Afrika“ in Eisenach und am 23. Februar 2011 bei der Österreichischen Landsmannschaft in Wien teil.

Eine andere Quelle aus Pretoria kommt zum Schluss, dass die Inlandsabteilung des südafrikanischen Nachrichtendienstes „State Security Agency (SSA)“ den Exil-Deutschen bereits beobachtet. Allerdings konzentriere sich die Beobachtung durch die „Farm“, wie die SSA in Nachrichtendienstkreisen auch genannt wird, auf die reinen Internetaktivitäten und publizistischen Auftritte Nordbruchs. Der Einsatz von V-Leuten, wie in Deutschland bei Nordbruch wiederholt angewandt, finde am Kap nicht statt. Das Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln stünde seit mehreren Jahren mit der SSA in Kontakt. Brian Fikani Dube, Pressesprecher des südafrikanischen Dienstes, hat die Erkenntnisse von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ weder bestätigt noch dementiert.

BKA-Verbindungsbeamter an der Deutschen Botschaft

Jürgen Maurer, Vizepräsident beim Bundeskriminaltamt (BKA) in Wiesbaden, erläuterte in einem Interview vom 11. September 2012, dass bei der Bekämpfung der „Politisch Motivierten Kriminalität – rechts die Polizei- und Verfassungsschutzbehörden von Bund und Ländern grundsätzlich zusammenarbeiten. Das BKA bindet auch seinen Verbindungsbeamten an der Deutschen Botschaft Pretoria in die Extremismusbekämpfung mit ein und greift zusätzlich auf seine ausländischen Partner zurück. Bei Nordbruch dürfte diese Herangehensweise ebenfalls der Fall sein.

Über 25 Jahre lang unter Beobachtung

Die Einbindung mehrerer Nachrichtendienste in der Angelegenheit Dr. Claus Nordbruch verdeutlicht den Umstand, dass der rechtsextreme Publizist durchaus als ideologischer Brandstifter eingestuft werden kann, der eine Vielzahl an Kontakten auf Veranstaltungen sammeln konnte. Insbesondere seine Aussage, wonach der Verfassungsschutz die NSU-Opfer selbst ermordet hätte, zeugt von seinem Hass gegenüber Staat und Medien.Wolfgang Thierse, Bundestagsvizepräsident und SPD-Politiker, bekräftigt in einem Interview mit  „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ vom 30. September 2012: Wenn es Beweise gibt, dass deutsche Rechtsradikale auch in Südafrika aktiv sind, sollten der deutsche und südafrikanische Innenminister zusammenkommen und Maßnahmen besprechen, wie dieser internationale Rechtsextremismus auch von beiden Ländern gemeinsam bekämpft werden kann.“ Dieses Gebot der Kooperation scheint heute notwendiger denn je, zumal Nordbruch seit rund 25 Jahren – einem Vierteljahrhundert – durch deutsche Nachrichtendienste beobachtet wird.

3 Antworten zu “Staatsfeind unter Beobachtung

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