Medienhype um Julius Malema

Die Zeitung City Press und ihr Verhältnis zum Bad Boy: Eine Win-Win-Zweckbeziehung

(Autor: Ghassan Abid)

Julius Malema war eine schillernde Figur in der südafrikanischen Innenpolitik. Er füllte nahezu täglich die südafrikanische Berichterstattung mit politischen Statements, mit seinem umstrittenen Lebensstil und seinem Einfluss auf bestimmte Bevölkerungsschichten. Seit dem Parteiausschluss Malemas aus dem ANC ist dieser immer seltener in den Medien präsent. Die Investigativ-Zeitung City Press hingegen hält an Malema fest, wenn auch nicht ganz freiwillig.

© Der vom ANC ausgeschlossene Julius Malema und die Johannesburger Investigativ-Zeitung City Press haben einen Quasi-Pakt abgeschlossen: Öffentlichkeitsarbeit für stabile Absatzzahlen. (Quelle: Collage 2010sdafrika, flickr/ MTN South African Music Awards)

© Der vom ANC ausgeschlossene Julius Malema und die Johannesburger Investigativ-Zeitung City Press haben einen Quasi-Pakt abgeschlossen: Öffentlichkeitsarbeit für stabile Absatzzahlen. (Quelle: Collage 2010sdafrika, flickr/ MTN South African Music Awards)

Die 1982 gegründete City Press soll nach eigenen Angaben gegenwärtig die zweitgrößte Zeitung Südafrikas sein. Chefredakteurin Ferial Haffajee, die erste Frau an der Spitze der Johannesburger Redaktion, versucht mit ihrem Blatt vor allem die schwarze Mittelschicht als Zielgruppe anzusprechen. Media24, die für Printmedien zuständige Tochtergesellschaft des südafrikanischen Medienkonzerns Naspers, ist an starken Auflagen interessiert. City Press, im Besitz von Media24, ist hiervon nicht ausgenommen. Dementsprechend bietet sich Julius Malema als optimales redaktionelles Thema an.

Haffajee und ihr Redaktionsteam wissen, dass die erfolgreiche Arbeit von City Press nur fortbestehen kann, wenn umstrittene Persönlichkeiten weiterhin zu Wort kommen. Dies wiederum sichert Leserzahlen und Visits. Umso weniger überraschend ist es, wenn City Press und Julius Malema im Grunde genommen einen Pakt abgeschlossen haben. Malema bleibt einerseits öffentlichkeitswirksam präsent und City Press bedient seine Zielgruppe, obwohl der einstige ANC-Jugendligaführer keine Bedeutung mehr in der gegenwärtigen Parteipolitik einnimmt.

Am 22. Januar 2013 tauchte Malema gleich in zwei Artikeln auf der Homepage der Zeitung auf. Auch am 20., 19., 16., 15. und 13. Januar wurde dieser Politiker von der Online-Redaktion aufgegriffen. Ferner hat Lucky Nxumalo, Kameramann und Fotograf von City Press, Malema in diesem Monat exklusiv interviewen dürfen. Zum Einen erläutert die „Bulldogge“ – wie Malema auch genannt wird – die aktuellen Entwicklungen innerhalb der ANC-Jugendliga und zum Andern die Machtkämpfe gegen ihn. Auch in Deutschland sind solche Medienhypes bekannt, wie beispielsweise zum Verhältnis zwischen Spiegel Online und Marina Weisband von der Piratenpartei.

Der Qualitätsjournalismus ist geprägt von der existentiellen Notwendigkeit, eine feste Zielgruppe dauerhaft an sich zu binden und diese stetig auszubauen. City Press und Spiegel Online versuchen diesem Ziel gerecht zu werden. Doch ob Malema oder Weisband für die Öffentlichkeit vom tatsächlichen Interesse sind, sei dahingestellt.

Eine Antwort zu “Medienhype um Julius Malema

  1. Die rhetorische Frage zum Schluss kann, was Malema anlangt, getrost mit nein beantwortet werden. Solange Julius Malema, qua Amt als Chef der Jugendliga, von den Strukturen des ANC getragen wurde, wußte er die Medien zu bedienen und umgekehrt sie ihn. Doch nun macht er den Max Raabe – „Kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich…“.
    Er selber hat mal gesagt, wer die Nestwärme des ANC verläßt, kommt in der Kälte um. Wenn Malema wirklich der Politiker ist, der er sein möchte, wird er seine Zeit des erzwungenen Überwinterns positiv nutzen und, wie sie hier sagen, „erwachsen werden“. Ob Medien wie City Press dabei behilflich sein werden, wage ich zu bezweifeln. Die brauchen zu sehr den Sensations-Kick. Und Malema bediente sich der Medien meist für die falschen Gründe, was ihm schließlich das politische Genick brach.
    JuJu hat poltisches Talent. Es ist also durchaus möglich, dass er wie Phoenix aus der Asche seiner mißlungenen Politikversuche aufsteigt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s