Vorbestrafte in Polizeiuniform

Von Raub bis zur Vergewaltigung: 74 „Police Reservists“ aus KwaZulu-Natal sind vorbelastet

(Autor: Ghassan Abid)

Das südafrikanische System kennt seit 1995 mit dem „South African Police Service Act (Act No 68 of 1995)“ und ermöglicht die Tätigkeit des „Police Reservist“. Darunter versteht man den Einsatz von freiwilligen Bürgern in ihrer Kommune, die über die selben Kompetenzen wie Polizeibeamte des „South African Police Service (SAPS)“ verfügen. Voraussetzung für dieses Amt ist die Erlangung des Abiturs und ein sauberes Strafregister des Bewerbers.

© Südafrikas freiwilliger Polizeidienst erlebt einen Skandal: 74 sogenante "Police Reservists" aus der Provinz KwaZulu-Natal üben polizeiliche Kompetenzen aus, obwohl diese bereits kriminell aufgefallen sind. Solche Ernennungen sind strikt unzulässig. Wie es dazu kommen konnte, ist unklar [hier Archivbild].(Quelle: flickr/ ER24 EMS)

© Südafrikas freiwilliger Polizeidienst erlebt einen Skandal: 74 sogenante „Police Reservists“ aus der Provinz KwaZulu-Natal üben polizeiliche Kompetenzen aus, obwohl diese bereits kriminell aufgefallen sind. Solche Ernennungen sind strikt unzulässig. Wie es dazu kommen konnte, ist unklar [hier Archivbild].(Quelle: flickr/ ER24 EMS)

Jeder Bürger mit dauerhaftem Wohnsitz in Südafrika kann die nächstliegende Polizeistation aufsuchen und dort ein Gespräch mit dem sogenannten „Reservist Coordinator“ wünschen. Dieser händigt dem Bewerber verschiedene Bewerbungsunterlagen aus und nimmt zusätzlich die Fingerabdrücke ab. Im weiteren Verlauf entscheidet dann eine Auswahlkommission, wer von den Bewerbern angehört wird.

Erst wenn die Kommission den Bewerber zugelassen hat, darf dieser dann in die sechsmonatige polizeiliche Arbeit herangeführt werden. Das Schusswaffen-Training und die spätere Nutzung einer Dienstwaffe gehören zum Police Reservist-Programm dazu. Beim Bestehen des Trainings erhält der Bewerber ein Zertifikat und eine Polizeiuniform. Nun kann dieser Staatsrepräsentant gesetzesnachlässige Mitbürger befragen, festnehmen oder gar Gewalt im Rahmen polizeilicher Maßnahmen anwenden.

Der Leiter der jeweiligen Polizeidienststelle entscheidet dann, wie die Reservisten konkret eingesetzt werden. Einen regulären Lohn erhalten die neuen Uniformträger nicht, da sie sich dem Wohle der Gemeinschaft freiwillig verpflichtet haben. Doch genau hier liegt das Problem.

Warum sollte sich jemand freiwillig dem Polizeidienst zur Verfügung stellen, wenn er nicht bezahlt wird. Welchen Anreiz bietet diese finanzielle Ungleichbehandlung zwischen Polizeibeamten und Police Reservists. Das System bleibt somit stets angreifbar. So geschehen aktuell in KwaZulu-Natal: Dort hat sich ergeben, dass 74 Police Reservists bereits kriminell aufgefallen sind. Von Raub bis hin zur Vergewaltigung ist alles dabei, was das südafrikanische Strafgesetzbuch als kriminelle Handlung einstuft.

Weshalb die Auswahlkommission diese Vorbestraften in Uniform zugelassen hat, ist noch völlig unklar. Der Vorgang werde geprüft, so die SAPS gegenüber der südafrikanischen Presse. Erschreckend bleibt die Tatsache, dass seit rund zwanzig Jahren diese zweifelhaften Gesetzeshüter ihre Dienstwaffe im Anschlag haben.

Den „Freiwilligen Polizeidienst“ gab und gibt es auch in diversen Polizeisystemen deutscher Bundesländer. Das Land Berlin hat dieses Instrumentarium im Jahr 2002 aufgelöst. Ebenso hat das Land Baden-Württemberg den Dienst kürzlich gestoppt. Bayern, Hessen und Sachsen halten hingegen an der freiwilligen Polizeiarbeit fest. Der Haushalt des jeweiligen Landes werde somit entlastet, heißt es von der zuständigen Landesregierung.

2 Antworten zu “Vorbestrafte in Polizeiuniform

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