Südafrikanische Kunst in München

Ausstellung zum Johannesburger Künstler Kendell Geers: Provokation, Humor und Gewalt

(2010sdafrika-Redaktion)

Vom 01. Februar bis zum 12. Mai 2013 ist im Haus der Kunst in München, einem öffentlichen Museum für zeitgenössische Kunst, eine Ausstellung zum Johannesburger Künstler Kendell Geers zu bewundern. Ein Künstler, der mehrfach untertauchen musste und die Provokation bewusst einsetzt.

© HDK Kendell Geers Master Mistress of my Passion

© HDK Kendell Geers Master Mistress of my Passion (Quelle: Haus der Kunst)

Die Nutzung verschiedener Medien – wie Installation, Skulptur, Zeichnung, Video, Performance und Fotografie – verschafften dem Künstler eine hohe Anerkennung in der internationalen Kunstszene. Geers nutzt die Kunst für die Aufarbeitung seines eigenen Lebens, die sich in zwei Phasen kategorisieren lässt.

In der politischen Phase von 1988 bis 2000, orientieren sich die Kunstobjekte an das Leben des Künstlers im Südafrika der Apartheid. Im Alter von jungen fünfzehn Jahren verließ er sein Elternhaus und schloss sich der militanten Anti- Apartheid-Bewegung an.

Als Wehrdienstverweigerer musste er 1989 seine Heimat verlassen. Er hielt sich hauptsächlich im britischen Exil auf, kehrte jedoch nach der Freilassung Mandelas bereits 1990 zurück. Die Kunstobjekte dieser Phase basieren auf Materialien wie Stacheldraht, Neonleuchten und Glasscherben. Bemerkenswert sind die Mitgliedschaften Geers in diverse Parteien, von politisch ganz links bzw. kommunistisch bis bin ins rechtsextremistische Milieu. So war der Johannesburger Mitglied von neun Organisationen: ANC, AVF, AWB, CP, DP, IFP, NP, PAC und SACP. Dieses provokative Handeln war so sehr umstritten, sodass Geers zur eigenen Sicherheit untertauchen musste. Er wollte mit dieser Aktion seine Zweifel zur „Fetischisierung“ einzelner Parteien zum Ausdruck bringen.

© HDK Kendell Geers Untitled (ANC, AVF, AWB, CP, DP, IFP, NP, PAC, SACP) (Quelle: Haus der Kunst)

© HDK Kendell Geers Untitled (ANC, AVF, AWB, CP, DP, IFP, NP, PAC, SACP) (Quelle: Haus der Kunst)

In der europäischen Phase – beginnend ab 2000 – zog Geers von Johannesburg nach Brüssel um. Zuvor verweilte er für einen kurzen Zeitraum in Leipzig. Der Künstler bediente sich nun zunehmend der Poesie, die gesellschaftliche Phänomene wie Terrorismus, Spiritualität und Sterblichkeit aufgreift.

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© HDK Kendell geers Fuckface (Quelle: Haus der Kunst)

© HDK Kendell Geers Fuckface (Quelle: Haus der Kunst)

Okwui Enwezor, Direktor des Museums Haus der Kunst, zeigte sich über die Geers-Ausstellung in München erfreut: „We are therefore proud, that Kendell Geers: 1988 — 2012, the first comprehensive survey of the work of Geers— one of South Africa’s most acclaimed artists—is being presented at Haus der Kunst.“ Zudem lobte Enwezor die Fähigkeit Geers, den Grundgedanken des Künstlers als autonomes Individuum in einer mit Problemen behafteten Gesellschaft – damit gemeint ist die Ungleichheit, die Ausgrenzung, der Rassismus und die Unterdrückung im Südafrika der Apartheid – verstanden zu haben.

Das Haus der Kunst ermöglicht den Blick in die künstlerische Arbeit eines Mannes, der von Provokation, Humor und Gewalt geprägt ist. Denn nicht die Ästhetik mache die Kunst aus, sondern vielmehr die Symbolik. Die Ausstellung „Kendell Geers 1988-2012“ wird am 31.01. 2013 eröffnet.  Der reguläre Eintrittspreis beträgt 8 Euro.

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