Schavan in Südafrika

Promotionsaffäre überschattet Arbeitsbesuch der Bundesforschungsministerin

(Autor: Ghassan Abid)

Der Zeitpunkt hätte nicht ungünstiger liegen können. Vor Kurzem trifft die Bundesforschungsministerin Annette Schavan in Südafrika ein und schon wird in sämtlichen Medien – ob Spiegel, Zeit, taz, n-tv oder ZDF – hierzulande über ihren Rücktritt spekuliert. Die Oppositionsparteien im Deutschen Bundestag verstärken den Druck. Das Nachsehen haben die Beteiligten der deutsch-südafrikanischen Forschungskooperation.

© Die Aberkennung des Doktorgrades von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) droht den fünftägigen Arbeitsbesuch in Südafrika zum Fiasko zu katapultieren. Die südafrikanische Presse nimmt die Ministerin am Kap ohnehin so gut wie nicht wahr. (Quelle: flickr/ Rob Vegas)

© Die Aberkennung des Doktorgrades von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) droht den fünftägigen Arbeitsbesuch in Südafrika zum Fiasko zu katapultieren. Die südafrikanische Presse nimmt die Ministerin am Kap ohnehin so gut wie nicht wahr. (Quelle: flickr/ Rob Vegas)

Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, eine der jüngsten Hochschulen Nordrhein-Westfalens, legte in einer Pressemeldung vom 5. Februar 2013 den Standpunkt nahe, „die schriftliche Promotionsleistung von Frau Schavan für ungültig zu erklären und ihr den Doktorgrad zu entziehen.“ Der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät sieht die Plagiatsvorwürfe gegen Schavan als erwiesen an. Eine deutlichere Formulierung ist nicht mehr möglich.

Dieser unbequemen Situation – man erinnere sich an den Rücktritt des damaligen Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, der eine ähnliche Entscheidung der Universität Bayreuth akzeptieren musste – kann Schavan nicht entkommen. Die mediale Druckkulisse dürfte Tag für Tag ausgeweitet werden, wenn keine Gegenmaßnahmen oder Konsequenzen gezogen werden.

Zwar ließ die in Jüchen geborene CDU-Politikerin vor dem Eingang der Johannesburger Niederlassung des deutschen Softwarekonzerns SAP verlauten, dass sie die Entscheidung der Universität Düsseldorf nicht akzeptieren werde, doch bleibt sie der Öffentlichkeit in Deutschland und Südafrika eine längere Stellungnahme schuldig.

Deutsche Journalisten in Johannesburg sind, so die Rückmeldungen an „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, über die fehlende Gesprächsbereitschaft und das Weglaufen der Ministerin mehr als genervt. Thomas Scheen, F.A.Z.-Korrespondent am Kap, ließ seinen Unmut sogar in einen Artikel münden.

In Anbetracht der drohenden Glaubwürdigkeitsverluste der deutschen Wissenschaft gegenüber den südafrikanischen Partnern, muss die Forschungsministerin während ihres fünftägigen Arbeitsbesuchs stärker auf das öffentliche Interesse eingehen. Bereits jetzt, an ihrem dritten Tag am Kap, reagiert die südafrikanische Presse ziemlich desinteressiert auf die Südafrikavisite der wichtigsten deutschen Wissenschaftsrepräsentantin.

Lediglich das auf IT-Themen spezialisierte Online-Medium ITWeb thematisierte das „Deutsch-Südafrikanische Jahr der Wissenschaft 2012/2013“. Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, erläuterte in einem Interview mit „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ vom März 2012 die vielfältigen Kooperationsmöglichkeiten zwischen beiden Staaten. Umso bedauernswerter ist es, dass dieses bilaterale Megaprojekt der Promotionsaffäre Schavans wohl weichen muss.

4 Antworten zu “Schavan in Südafrika

  1. Pingback: Wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Südafrika | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  2. Welch eine Schande für Deutschland!!! Eine als Putzfrau verkleidete Person ohne Universitätsabschluß kommt als Wissenschaftsministerin nach Südafrika. Wo kann man schnell den deutschen Paß abgeben?

  3. Hallo Detlev, vielen Dank für dein Kommentar. Der Autor greift in diesem Zusammenhang das Medieninteresse auf; korrekt.

  4. „Umso bedauernswerter ist es, dass dieses bilaterale Megaprojekt der Promotionsaffäre Schavans wohl weichen muss.“ – Der Kommentar bezieht sich hoffentlich nur auf das Medieninteresse. Es kann ja nicht sein, dass die Wissenschaftskooperation zwischen zwei Staaten mit der Person des/der jeweiligen ministeriellen Amtsinhabers/in steht oder fällt. Wenn es bilaterale Abkommen dazu gibt, wird doch der/die Nachfolger/in die Sache weiterverfolgen, oder?
    Viel ernsthafter als die Promotion der Frau Schavan ist die Glaubwürdigkeitskrise deutscher Universitäten. Schavan ist ja nicht der erste und wahrscheinlich nicht der letzte Fall dieser Art. Die Frage, wie unwissenschaftliche Arbeiten bestimmter Doktoranden so leicht durchgehen können, müssen schließlich die Universitäten beantworten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s