Entsetzen in Bredasdorp

Neu-Delhi-Déjà-vu: Siebzehnjährige Frau am Westkap brutal vergewaltigt und getötet. Eine Nation im Schock

(Autor: Ghassan Abid)

Südafrikas Öffentlichkeit kennt unzählige Fälle, bei denen Mädchen und Frauen sexuell missbraucht und vergewaltigt wurden. In einigen Statistiken führt das beliebte Tourismusland im südlichen Afrika die höchste Vergewaltigungsrate weltweit an. Und dennoch ereignete sich am Westkap eine abscheuliche Tat, die ein gesellschaftliches Umdenken notwendig macht.

© Eine ganze Nation ist entsetzt: Am 2. Februar 2013 ist in Bredasdorp am Westkap eine siebzehnjährige Frau von vier Männern brutal vergewaltigt und verstümmelt worden. Kurze Zeit später starb sie im Krankenhaus. Die Regierung ist über die Brutalität der Tat geschockt. Ein gesellschaftliches Umdenken, ähnlich den Vorgängen in Indien, wird vor allem von Frauenrechtlerinnen gefordert. (Quelle: flickr/ Proteus250245(

© Eine ganze Nation ist entsetzt: Am 2. Februar 2013 ist in Bredasdorp am Westkap eine siebzehnjährige Frau von vier Männern brutal vergewaltigt und verstümmelt worden. Kurze Zeit später starb sie im Krankenhaus. Die Regierung ist über die Brutalität der Tat geschockt. Ein gesellschaftliches Umdenken, ähnlich den Vorgängen in Indien, wird vor allem von Frauenrechtlerinnen gefordert. (Quelle: flickr/ Proteus250245)

Am vergangenen Samstag ist eine siebzehnjährige Jugendliche von einer wohl vierköpfigen Männergruppe in der Kleinstadt Bredasdorp vergewaltigt worden. Sie wurde „verstümmelt“ auf einer Baustelle von einem Wachmann entdeckt. Jedoch waren ihre Verletzungen so schwerwiegend, dass die junge Frau später im Tygerberg-Krankenhaus verstarb.

Kurz vor ihrem Tod konnte sie einen der mutmaßlichen Täter identifizieren. Die Polizei hat ihn und drei weitere Beschuldigte bereits verhaftet. Die Staatsanwaltschaft hat die ersten Ermittlungen aufgenommen.

Phumla Williams, amtierende Chefin der Kommunikationsbehörde „Government Communication and Information System (GCIS)”, reagierte in einer Stellungnahme geschockt auf den Umstand, dass Missbrauch und Vergewaltigung als normale Geschehnisse wahrgenommen werden: „It is worrying that rape and abuse seems to have become a norm.

Williams fordert ein Umdenken innerhalb der südafrikanischen Gesellschaft, um gemeinsam gegen diese Missstände vorzugehen und dafür einzutreten, dass solche Straftäter keinen Platz am Kap erhielten: „Those who molest and abuse children have no place in a democratic South Africa“. Unterdessen hat auch Südafrikas Frauenministerin Lulu Xingwana die Tat aufs tiefste verurteilt.

Der Vorfall in Bredasdorp erinnert an die brutale Vergewaltigung einer 23-jährigen Frau im indischen Neu-Delhi vom 16. Dezember 2012. Sechs Männer vergewaltigten die Frau im Beisein ihres Partners in einem Bus und verletzten das Opfer mit einer Eisenstange so sehr, dass diese dreizehn Tage später in einem Krankenhaus verstarb. Daraufhin demonstrierten tausende Inder gegen die vielerorts verbreitete Diskriminierung der Frau. Seither ist in Indien eine Debatte über schärfere Strafen und einen besseren Schutz des weiblichen Geschlechts entbrannt.

In Südafrika zeichnet sich ein solches gesellschaftliches Umdenken zum gegenwärtigen Zeitpunkt allerdings (noch) nicht ab. Die Ethnologin Dr. Rita Schäfer beschrieb in einem Interview mit „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ vom Juni 2012 die Problematik am Kap mit dem Satz:Die sexualisierte Gewalt ist Teil der Gewaltstrukturen in der südafrikanischen Gesellschaft.

2 Antworten zu “Entsetzen in Bredasdorp

  1. Pingback: Anene Booysens als Spiegelbild Südafrikas | SÜDAFRIKA – Land der Kontraste

  2. Für jemanden wie mich, der in der Gegend von Bredasdorp aufgewachsen ist, sind diese Nachrichten sehr schmerzhaft. Es ist ein äußerst grausamer Mord, der an dieser jungen Frau begangen wurde. Dies ist gleichsam die Spitze eines Eisberges. In den Medien werden nun allerlei Experten befragt und spekuliert über die Ursachen derartiger Greueltaten. Klar, Drogen – allen voran der Alkohol – spielen eine wichtige Rolle. Ich denke, Drogen und die damit verbundene Banden-Kriminalität sind bereits die Simptome einer tieferliegenden Krise. Ich sehe in diesem Zusammenhang zwei Kennzeichen der sozialen Realität, die insbesondere männliche Jugendliche in die kriminelle Finsternis treiben: Zum einen die extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit und zum anderen die zutiefst patriarchalischen Strukturen der südafrikanischen Gesellschaft. Das betrifft sowohl die vorwiegend calvinistisch geprägte weiße Gesellschaft das Landes als auch bestimmte traditionelle Strukturen der schwarzen Bevölkerung. Beispielsweise ist die Dunkelziffer bei Vergewaltigungen sehr hoch, weil die meisten dieser Gewalttaten erst gar nicht angezeigt werden aus Angst vor dem Stigma oder gar Repressalien in der eigenen Gemeinschaft. Außerdem denke ich, dass Vergewaltigung von Männern oftmals als „Kavaliersdelikt“ angesehen wird. Ein anderes Beispiel ist die Stigmatisierung von Schwulen und Lesben als „ab-normal“ im Sinne von „Gottes Plan“ bzw. als „un-afrikanisch“ – Verfassung hin, Verfassung her.

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