Berlinale 2013 – Filmkritik „Elelwani“

Ist Liebe stärker als Tradition? Ein außergewöhnliches Drama mit sozialkritischem Anspruch

(2010sdafrika-Redaktion)

© Sequenz aus dem Film "Elelwani". (Quelle: Berlinale/ Shadowy Meadows Productions)

© Sequenz aus dem Film „Elelwani“. (Quelle: Berlinale/ Shadowy Meadows Productions)

Offizielle Handlung:

Es beginnt mit einer Autofahrt, die sich für Elelwani und Vele anfühlt wie der Aufbruch in die Sommerfrische des Lebens. Elelwani hat gerade ihr Studium abgeschlossen, ist verliebt in Vele, der neben ihr sitzt. Sie fahren durch die immer grüner werdende Landschaft in Elelwanis Heimatdorf, wo sie ihren Eltern ihre Pläne von ihrer Heirat und Zukunft erzählen wollen. Sie werden mit einem dramatischen Tanz empfangen – zu Ehren der ersten Frau aus dem Dorf, die es zu akademischen Würden gebracht hat. So vermutet Elelwani.

Fälschlicherweise, denn wenig später offenbaren ihr die Eltern, dass sie dem Stammeskönig versprochen ist. Der Tanz war der Auftakt zu Feierlichkeiten der geplanten Hochzeit. Die junge Frau rebelliert, wird jedoch mit dem Schicksal der jüngeren Schwester erpresst und willigt schließlich ein. Was dann folgt, ist die filmische Initiation in die archaisch geprägte Kultur der Venda: ein ethnografischer Krimi mit fantastisch schönen Bildern und einer Handlung, die verstört. Ntshavheni Wa Luruli, selbst Venda, eröffnet mit diesem Film Einblicke in eine exotische Kultur ohne sie zu exotisieren, weil er sich konsequent weigert, ihre Geheimnisse zu erklären.

Trailer Elelwani (2012)

Filmkritik:

„Elelwani“ ist ein beeindruckender Film, der die Liebe zweier Menschen in den Vordergrund stellt. Elelwani und Vele sind liberale Akademiker. Sie wollen in Chigago neue Erfahrungen und Erlebnisse von der großen neuen Welt sammeln. Vele ist beseelt vom „modernen Südafrika“, dem Südafrika Mandelas, wo jedem einzelnen Bürger die verfassungsrechtliche Freiheit zugestanden wird.

Allerdings blendete das Paar die traditionelle Identität von Elelwani aus, die Kultur der Venda. Als sie in ihrem Heimatdorf angekommen ist, begreift sie allmählich, dass ihre Tradition mehr Platz in ihrem Leben einnimmt als angenommen. Frauen sorgen sich um das leibliche Wohl des Mannes, sie liegen als Zeichen des Respekts gegenüber männlichen Bezugspersonen – gemeint sind Vater und Ehemann – auf dem Boden und widersprechen den Entscheidungen des Mannes nicht. Schnell wird für Elelwani klar, dass ihre liberale Auffassung von Geschlechtergerechtigkeit und Freiheit in Limpopo, ihrer Heimatprovinz, keine Anwendung findet. Hier wird sie nicht als Akademikerin betrachtet, sondern als zum Gehorsam verpflichtete Frau.

Umso enttäuschender ist für das junge Paar die Erkenntnis, dass ihre Liebe auf dem Prüfstand steht. Elelwani, deren Studium vom König der Venda finanziert wurde und sie ihm bereits während ihrer Kindheit zur künftigen Gattin versprochen wurde, stellt sich ganz klar die Frage, inwieweit der familiäre Respekt und die traditionelle Venda-Identität der eigenen Liebe vorzuziehen sind. Ein innerer Konflikt entsteht, der Elelwani an ihre absoluten Grenzen bringt.

© Elelwani stand unter der Regie des Johannesburgers und bekennenden Venda-Angehörigen Ntshavheni Wa Luruli. (Quelle: Berlinale/ Ntshavheni Wa Luruli)

© Elelwani stand unter der Regie des Johannesburgers und bekennenden Venda-Angehörigen Ntshavheni Wa Luruli. (Quelle: Berlinale/ Ntshavheni Wa Luruli)

Der Johannesburger Ntshavheni Wa Luruli, bekannt aus seiner Tätigkeit als Regisseur der populären TV-Serie „Soul City“, ist bekennender Angehöriger der Volksgruppe Venda. Sie leben in der südafrikanischen Provinz Limpopo und im südlichen Simbabwe, spielen im heutigen Südafrika allerdings eine untergeordnete Rolle.

„Elelwani“ ist bewusst sozialkritisch aufgebaut und ermöglicht im selben Atemzug beeindruckende Bilder in eine Kultur, die sowohl im In- als auch im Ausland nur wenigen bekannt ist. Wunderschöne Bilder von der Natur, außergewöhnliche Eindrücke von der Venda-Tradition und einheimische Gesänge machen den Film zu einem besonderen Film mit sozialphilosophischem Anspruch.

Allerdings hat das Drama einen Schwachpunkt in der Story. Wa Luruli versucht eine Intrige in „Elelwani“ einzubauen und scheitert letztendlich mit diesem Versuch. Der Zuschauer kann bestimmte Zusammenhänge nicht verstehen, da die Hintergründe dessen erst gar nicht angesprochen werden. Man hat den Eindruck, als wären bestimmte und vor allem entscheidende Sequenzen zum Verständnis der Intrige herausgeschnitten worden. Ebenso ist es unglaubwürdig, dass sich Elelwani erst bei ihrer Rückkehr in die Heimat den strengen Regeln ihrer eigenen Kultur bewusst wird. Zum Schluss des Films bleiben beim Zuschauer viele Fragen offen – ein Manko.

    © Sequenz aus dem Film "Elelwani". (Quelle: Berlinale/ Shadowy Meadows Productions)

© Sequenz aus dem Film „Elelwani“. (Quelle: Berlinale/ Shadowy Meadows Productions)

Fazit:

„Elelwani“ kann ganz klar empfohlen werden, da dieser Film absolut wunderschöne Bilder und Gesänge einer exotischen Kultur offenbart. Während die Story mit einigen Schwächen behaftet ist, schafft es der Film dennoch den Zuschauer das Gefühl zu vermitteln, dass die Liebe nicht immer mit der eigenen traditionellen Identität im Einklang stehen muss. Auch dürfte für den deutschen Zuschauer neu sein, dass in Südafrika die Zwangsheirat nach wie vor praktiziert wird, doch diese in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird.

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