Berlinale 2013 – Filmkritik „Layla Fourie“

Vertraue niemandem, außer dir selbst. Südafrika als Paranoia-Gesellschaft

(2010sdafrika-Redaktion)

© Sequenz aus dem Film "Layla Fourie". (Quelle: Berlinale/ Pandora Film)

© Sequenz aus dem Film „Layla Fourie“. (Quelle: Berlinale/ Pandora Film)

Offizielle Handlung:

Layla ist eine alleinerziehende Mutter, die in Johannesburg mit ihrem Sohn von Gelegenheitsjobs lebt. Sie lässt sich zur Polygraphistin ausbilden und erkämpft sich einen Job in einer Sicherheitsfirma, die auf Lügendetektoren spezialisiert ist. Auf dem Weg zum neuen Arbeitsplatz wird sie in einen Unfall verwickelt, der ihr Leben radikal verändert. Layla verstrickt sich in einem Netz aus Lügen und Täuschungen. Die Wahrheit könnte die Trennung von Mutter und Sohn bedeuten.

Mit ihrem dritten Spielfilm kehrt die seit langem in Berlin lebende Regisseurin Pia Marais nach Südafrika zurück, an den Ort ihrer Kindheit, um einen klassischen Thriller zu drehen. Dabei nutzt sie das Genre, um sich in einem Land umzuschauen, in dem noch immer Spuren der Apartheid zu finden sind. So verstärkt der südafrikanische Alltag die Spannung des zusammen mit Horst Markgraf verfassten Skripts. Ganz beiläufig entwickelt sich Layla Fourie auch zu einer Politstory, die dem Zuschauer die Paranoia und das Misstrauen in einer Gesellschaft vorführt, in der Rassenkonflikte weiter bestehen.

© Sequenz aus dem Film "Layla Fourie". (Quelle: Berlinale/ Pandora Film)

© Sequenz aus dem Film „Layla Fourie“. (Quelle: Berlinale/ Pandora Film)

Filmkritik:

Die 1971 in Johannesburg geborene Regisseurin Pia Marais lebt nach offiziellen Angaben seit längerer Zeit in ihrer Wahlheimat Berlin. Den eigenen Quellen nach soll Marais jedoch bereits nach Johannesburg zurückgezogen sein. Sie ist stets vom Bewusstsein geprägt, wie kostbar die stabile Sicherheitslage in der deutschen Hauptstadt ist. Sicherheit wird nicht von wenigen Südafrikanern, vor allem von jenen mit weißer Hautfarbe, längst als Luxusgut verstanden, die wie eine Dienstleistung eingekauft wird: Private Sicherheitsfirmen, hohe Sicherheitsvorkehrungen am eigenen Haus und Hunde als Abschreckung dienen als Instrumentarium zur Minimierung der eigenen Ängste. Die tragischen Ereignisse um Leichtathlet Oscar Pistorius verdeutlichen diese Stimmung am Kap.

Auch rund neunzehn Jahre nach dem Ende der Apartheid ist das Misstrauen zwischen den verschiedenen Ethnien – zwischen Weißen, Schwarzen, Coloureds und Indern – ungehalten groß. Man misstraut sich gegenseitig und vertraut niemandem, außer sich selbst. Die destabile Sicherheitslage am Kap verstärkt diese Paranoia unter den Südafrikanern.

Mit „Layla Fourie“, einer frischen Produktion aus diesem Jahr ohne Trailer, greift Marais genau diese Ausgangssituation auf, um auf diese Schieflage aufmerksam zu machen. Die alleinerziehende Mutter Layla, gespielt von Rayna Campell, hat große Mühe, den Lebensunterhalt für sich und ihren kleinen Sohn Kane (gespielt von Rapule Sinaye Hendricks) sicherzustellen. Anfänglich in einem Johannesburger Nachtclub als Kellnerin arbeitend, entscheidet sich sie dann für eine wohl besser vergütete und zeitlich günstigere Tätigkeit als Polygrafin. Doch ihr Vorgesetzter versetzt sie außerhalb von Johannesburg zur Durchführung von polygrafischen Tests, bezweifelt allerdings ihre Glaubwürdigkeit. Layla begreift, dass sie dem Misstrauen ihres Chefs nur mit einer einwandfreien Arbeit begegnen kann.

Layla-Fourie-Filmcrew auf dem roten Teppich

Im Auftrag eines Kasinos soll sie mehrere Bewerber mit Hilfe von Lügendetektortests auf ihre Eignung für acht Stellenangebote prüfen. Die Bewerber werden im Einstellungstest gefragt, ob sie einmal kriminell waren, einen unbefristeten Vertrag verloren hatten, Alkohol oder Drogen konsumieren. Einer der Bewerber ist Eugene Pienaar, ein weißer Südafrikaner, der die Kompetenz der dunkelhäutigen Layla spürbar in Frage stellt. Eugene, gespielt vom Berliner Schauspieler August Diehl (bekannt aus den Top-US-Filmen „Salt“ und „Inglourious Basterds“), schafft es, mit seiner Anwesenheit bei Layla ein Gefühl der Unsicherheit  auszulösen. Sie ist bemüht, mit aufgesetztem Pokerface, Ruhe zu bewahren und sich als starke Frau zu präsentieren. Immer im Hinterkopf für ihren Sohn sorgen zu müssen.

Eines Abends jedoch gerät Layla mit ihrem Sohn in einen Autounfall. Sie überfährt einen älteren Mann. Es stellt sich später heraus, dass das getötete Opfer der Vater von Eugene ist. Vor allem während ihrer Liebesbeziehung mit Eugene steht Layla unter einer immensen Belastung. Die Alleinerziehende und ihr minderjähriges Kind versprechen sich, keinem vom Unfall zu erzählen. Ansonsten würde Layla eine mögliche Haftstrafe und somit die Trennung von ihrem Kind drohen. Doch Eugene merkt, dass Layla und ihr Sohn etwas zu verbergen haben. Das Misstrauen zwischen den Protagonisten verschärft sich zunehmend.

© Jungdarsteller Rapule Sinaye Hendricks mit Regisseurin Pia Marais. (Quelle: Berlinale)

© Jungdarsteller Rapule Sinaye Hendricks mit Regisseurin Pia Marais. (Quelle: Berlinale)

„Layla Fourie“ ist ein packender 105 Minuten-Spielfilm, der die Lebenswirklichkeit von hellhäutigen und dunkelhäutigen Südafrikanern gleichermaßen aufgreift. Die Weißen mit ihrem Sicherheitsdilemma und die Schwarzen mit ihrem täglichen Überlebenskampf. Plakativ könnte dieser Film auf deutsche Zuschauer wirken: Weiße Südafrikaner werden mit eigenem Haus gezeigt, während die schwarzen Mitbürger in kleinen Wohnungen  leben müssen. Viele Menschen am Kap sehen diese Einteilung als Erbe aus der Apartheidszeit immer noch als gegeben an.

Ob es für „Layla Fourie“ für einen Bären auf der Berlinale 2013 reicht, bleibt offen. Spiegel-Redakteur Wolfgang Höbel hält fest: „Dieser Film ist wunderbar erdacht – doch leider nie zum Leben erwacht.“ Dieser Kritik schließt sich auch Tagesspiegel-Autorin Christiane Peitz an: „Für einen Bären-Kandidaten bleibt Marais’ gemeinsam mit Horst Markgraf verfasstes Drehbuch zu eindimensional.“ Zu beiden Journalisten muss gesagt werden, dass ihnen das Gespür für die südafrikanische Lebenswirklichkeit fehlt. „Layla Fourie“ kann nur richtig interpretiert werden, wenn man bereit ist, sich in die Lebenslage der dort lebenden Menschen hineinzuversetzen. Von daher ist die Kritik nur aus deutscher Sicht nachvollziehbar.

Fazit:

„Layla Fourie“ ist mit guten Schauspielern besetzt, verfügt über eine spannende Story und vermittelt das einheimische Gefühl zur Lebenswirklichkeit im modernen Südafrika. Für einen Bären dürfte es durchaus knapp werden, doch sehenswert ist der Film unter der Regie von Pia Marais allemal.

Eine Antwort zu “Berlinale 2013 – Filmkritik „Layla Fourie“

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