“Sie starb in meinen Armen”

Verteidiger von Oscar Pistorius trägt eidesstattliche Erklärung vor: Morddrohungen gegen den Star?

(Autor: Ghassan Abid)

Am heutigen Dienstag wurde am Pretoria Magistrates Court der Mordfall Reeva Steenkamp verhandelt, während zeitgleich die Beerdigung des Opfers in Port Elizabeth abgehalten wurde. Oscar Pistorius zitterte, weinte und rechtfertigte seinen Entschluss, in den frühen Morgenstunden des Valentinstags sich und Reeva beschützen zu müssen. Doch die weiteren Informationen bringen nicht unbedingt mehr Klarheit, sondern verstärken eher die Skepsis.

© EXKLUSIV-Bild: Im Gerichtssaal trat am heutigen Dienstag ein weinender, zitternder und gebrochener Oscar Pistorius auf. Seine Verteidigung erläuterte in einer eidesstaatlichen Erklärung die Geschehnisse zum angeblichen Unfall mit Todesfolge von Reeva Steenkamp. Die Staatsanwaltschaft hält allerdings an der Mordanklage fest. (Quelle: Privatfoto)

© EXKLUSIV-Bild: Im Gerichtssaal trat am heutigen Dienstag ein weinender, zitternder und gebrochener Oscar Pistorius auf. Seine Verteidigung erläuterte in einer eidesstaatlichen Erklärung die Geschehnisse zum angeblichen Unfall mit Todesfolge von Reeva Steenkamp. Die Staatsanwaltschaft hält allerdings an der Mordanklage fest. (Quelle: Privatfoto)

Emotional am Boden

Die südafrikanische Presseagentur SAPA war mit einem Journalisten im Gerichtssaal vertreten und beobachtete das Verfahren gegen Oscar Pistorius sehr aufmerksam. Richter Desmond Nair musste die Sitzung kurz unterbrechen, nachdem der emotionale Angeklagte unüberhörbar weinte.

Der Leichtathlet verneinte über seinen Strafverteidiger Barry Roux erneut eine angebliche Mordabsicht an seiner Freundin Reeva Steenkamp „in tiefster Form“. Der Bruder des Angeklagten, Carl Pistorius, war ebenfalls im Saal anwesend und versuchte Trost zu spenden.

Todesdrohungen gegen Pistorius

Der Anwalt berichtete von einer Zusammenkunft Pistorius mit Steenkamp am Vortag des Valentinstags. Pistorius erhielt von seiner Freundin ein Geschenk, das er erst am Tag der Liebenden öffnen durfte. Somit dürfte die anfängliche Spekulation über einen Überraschungsbesuch Steenkamps endgültig beendet sein, zumal diesbezügliche Überwachungsbilder auftauchten. Am Vorabend verbrachten Oscar und Reeva ihre nächtliche Freizeit jeweils getrennt voneinander mit ihren Freunden.

Später suchte das Paar nach dem getrennten Ausgehen das gemeinsame Bett im Haus von Pistorius auf. Sie schliefen ein, führte der Verteidiger fort. Vor dem Schlafen nahm der Sportler seine Karbonbeinprothesen ab. Unter dem Bett befand sich die Schusswaffe von Pistorius. Neu ist die Information, dass Pistorius nach Angaben seines Anwalts im Vorfeld der Ereignisse am Valentinstag ernste Morddrohungen erhalten haben soll.

Einbrecher im Badezimmer

Plötzlich hörte er Geräusche aus dem Bad und ging von Einbrechern aus. Pistorius war mit „Horror und Angst“ erfüllt. Er hörte eine Stimme aus dem Bad, die gesagt haben soll, dass „es stockfinster im Badezimmer ist“.

Da der Sportler im Bett keine Beinprothesen trug, fühlte er sich „verwundbar“. So entschloss er sich mit seiner Pistole durch die Tür des Badezimmers, die von innen verschlossen war, zu schießen. Er wollte Reeva und sich schützen, bekräftigte Barry Roux bei der Verlesung der eidesstattlichen Erklärung die Tat seines Mandanten.

Reeva lag nicht im Bett

Schließlich bemerkte Pistorius mit der Waffe in der Hand, dass Reeva nicht im Schlafbereich – im Bett – lag. Die Tür zum Bad kriegte er nicht auf. Ihn plagte dann fortan die Befürchtung, dass Reeva die anfänglichen Geräusche auslöste. Auf dem Balkon schrie Pistorius um Hilfe.

Mit Cricketschläger die Tür aufgebrochen

Mit einem Cricketschläger brach Pistorius dann die Tür zum Bad auf und trug im weiteren Verlauf seine angeschossene Freundin über eine Treppe aus dem Haus heraus. „Sie starb in meinen Armen“, schloss der Verteidiger die Geschehnisse in der besagten Nacht aus der Perspektive von Oscar Pistorius ab.

Kritische Einschätzung: Wenig Plausiblität

Weder der Richter noch die Staatsanwaltschaft wollen die Mordanklage fallen lassen. Die Geschichte der Verteidigung sei nicht plausibel, hieß es aus Sicht der Ermittlungsbehörden in Pressekreisen. Dementsprechend werde keine Anklage auf Todschlag erhoben, da die Justiz von einer „vorsätzlichen Mordabsicht“ ausgeht. Tatsächlich erscheint die Geschichte zu den Geschehnissen des 13. und 14. Februars 2013 teilweise absurd: Perfekte Liebe, Todesdrohungen Dritter und dann die Einbrecherverwechslungsthese. So ist bisweilen nicht nachvollziehbar, warum sich ein Einbrecher in ein Haus Zugang verschaffen sollte, um sich dann im Badezimmer einzuschließen. Die Verteidigung dürfte bei den heute gemachten Aussagen nicht unbedingt zum Wohle ihres angeklagten Mandanten beigetragen haben. Die drei Indizien, die für einen Mord sprechen, konnten bislang nocht nicht entkräftigt werden. Es bleibt abzuwarten, ob der Anwalt von Pistorius im weiteren Strafprozess auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren wird.

3 Antworten zu ““Sie starb in meinen Armen”

  1. Pingback: Reeva Steenkamp starb am Valentinstag 2013 | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  2. Pingback: Südafrika verliert sein Idol - Kapstadt entdecken!

  3. Pingback: Pistorius-Fall als Medienspektakel | SÜDAFRIKA – Land der Kontraste

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s