Kap-Kolumne: Eselsfleisch im Beef Patty

Südafrika hat auch seinen Fleischskandal. Falsche Auszeichnung als übliche Praxis

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger Westberliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

Es kann kaum überraschen. Eselsfleisch im Beef Patty. In Europa? Nein. In Südafrika. Eine Untersuchung der Universität Stellenbosch spricht sogar davon, die falsche Auszeichnung von verarbeiteten Fleischprodukten sei „übliche Praxis“ (common practice) in Südafrika.

© Die Universität Stellenbosch hat ermitteln können, dass Fleisch von Eseln, Ziegen und Wasserbüffeln in südafrikanischen Fleischprodukten verwendet werden. Von 139 untersuchten Proben aus Supermärkten und Fleischereien seien 95 Produkte falsch ausgezeichnet worden, heißt es in der Studie. Das Kapland erlebt seinen eigenen Lebensmittelskandal. (Quelle: flickr/ Joachim S. Müller)

© Die Universität Stellenbosch hat ermitteln können, dass Fleisch von Eseln, Ziegen und Wasserbüffeln in südafrikanischen Fleischprodukten verwendet werden. Von 139 untersuchten Proben aus Supermärkten und Fleischereien seien 95 Produkte falsch ausgezeichnet worden, heißt es in der Studie. Das Kapland erlebt seinen eigenen Lebensmittelskandal. (Quelle: flickr/ Joachim S. Müller)

Von den 139 Proben von Gehacktem, Wurst, Trockenfleisch usw. aus den Regalen von Supermärkten und Fleischereien seien 95 Produkte falsch ausgezeichnet worden, heißt es in der Studie. Das sind 68 Prozent. Die Wissenschaftler fanden Fleisch von Eseln, Ziegen, Wasserbüffeln sowie auch Soya in Produkten, die eigentlich etwas anderes auf dem Etikett zu stehen haben. Leider werden im Blog der Universität die „Fundorte“, also die Namen der Supermärkte, vornehm verschwiegen.

© Unter anderem konnten Fleischbestände vom Esel in der südafrikanischen Speise "beef patty" entdeckt werden. (Quelle: flickr/ poopenheim)

© Unter anderem konnten Fleischbestände vom Esel in der südafrikanischen Speise „Beef Patty“ entdeckt werden. (Quelle: flickr/ poopenheim)

Es kann kaum überraschen. Herrschen in Südafrika doch die gleiche Produktionsweise und dieselben Produktionsverhältnisse wie in Europa. Die Entwicklung ist traurig, wenn man bedenkt, dass sich das Land am Kap die Naturliebe auf die Fahnen geschrieben hat.

Der aktuelle Pferdefleischskandal in Europa wird hier gern belächelt. Das könne in Südafrika nicht passieren. Das gleiche habe ich auch im Zusammenhang mit BSE gehört. Das Fleisch von freilaufenden Rindern – Südafrika betreibt fast ausschließlich extensive Landwirtschaft – ist eben viel gesünder. In der Tat, das beste Rindersteak habe ich bislang in Thabazimbi in Limpopo gegessen. Allerdings von einer Fleischerei, dessen Preis außerhalb der Reichweite des Lohnes von Land- oder Minenarbeitern liegt. In den Supermärkten ist vieles billiger, aber auch minderwertiger und manchmal sogar betrügerisch wie die Untersuchung der Universität Stellenbosch beweist.

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