Südafrikas Staatsrundfunk in der Krise

SABC zwischen Regierungsabhängigkeit und Machtkonflikten

 (Autor: Ghassan Abid)

Building a Common Future“ lautet die Vision der staatlichen Rundfunkgruppe Südafrikas. Der „South African Broadcasting Corporation (SABC)“ unterstehen gegenwärtig die drei Fernsehsender SABC 1, SABC 2 sowie SABC 3 und 18 Radiostationen. Zwei weitere TV-Stationen sind zurzeit in Planung – SABC 4 und SABC 5. Rund 55,7 Millionen Zuschauer und Zuhörer greifen jede Woche auf den öffentlichen Rundfunk zurück, heißt es auf der rundfunkeigenen Homepage. Allerdings befindet sich die SABC seit längerer Zeit in einer ernsten Krise.

© Im Johannesburger Vorort Auckland Park sitzt das Staatsfernsehen SABC. Der öffentliche Rundfunk ist bemüht, einen Ein-Milliarden Rand Kredit abzubezahlen. Doch gefährden Machtkämpfe im SABC-Management, die ANC-Einflussnahme in die Berichterstattung und fehlende Transparenz bezüglich der eigenen Rundfunkfinanzen diesen harten Sparkurs. (Quelle: flickr/ lemoncat1)

© Im Johannesburger Vorort Auckland Park sitzt das Staatsfernsehen SABC. Der öffentliche Rundfunk ist bemüht, einen Ein-Milliarden-Rand-Kredit (rund 83 Millionen Euro) abzubezahlen. Doch gefährden Machtkämpfe im SABC-Management, die ANC-Einflussnahme in die Berichterstattung und fehlende Transparenz bezüglich der eigenen Rundfunkfinanzen diesen harten Sparkurs. (Quelle: flickr/ lemoncat1)

Transparenz gilt nicht für die SABC

Informieren, bilden und unterhalten“ möchte die SABC. Ben Ngubane hatte sich als SABC-Vorsitzender diesem Anspruch verpflichtet. Unterstützt wurde er von vierzehn Vorstandsmitgliedern. Allerdings hörten Vision und Anspruch dann auf fortzubestehen, wenn es um die Bewertung der eigenen Arbeitsleistung ging.

Das SABC-Management sei überfordert, wird von der privaten Presse behauptet. Und tatsächlich scheinen Controlling, Rechenschaft und Transparenz eine untergeordnete Rolle bei der operativen Arbeit gespielt zu haben. Stattdessen wurde stets über neue Projekte informiert – mehr Unterhaltung, mehr Sprachenvielfalt und neue Kooperationen wurden in diversen Pressemeldungen angekündigt. Wenn jedoch etwas über die Finanzen öffentlich wurde, dann meist über Insider- und Parlamentarierkreise.

Die Folgen der Staatsbürgschaft

Über eigene Finanzangelegenheiten schweigt die SABC. Je weniger Informationen öffentlich bekannt werden, desto besser sei es für den staatlichen Mediengiganten. Dennoch konnte die Verschwiegenheitspraxis nicht immer aufrechterhalten werden. Die finanzielle Situation sei stabil, aber die Krise ist noch nicht behoben – ließ der damalige SABC-Vize Thami KaPlaatjie gegenüber der Presseagentur SAPA vor wenigen Wochen verlauten. Bereits 778 Millionen Rand eines Ein-Milliardenkredits seien an das Kreditinstitut Nedbank beglichen worden. Doch wie kam es eigentlich zu diesem Kredit?

Im Haushaltsjahr 2008/ 2009 erlebte der öffentliche Rundfunk eine finanzielle Katastrophe, die auf schlechtes Management zurückzuführen waren. Die südafrikanische Regierung sah sich in der Pflicht, mit über einer Milliarde Rand für die SABC zu bürgen. Die National Treasury, das Finanzministerium Südafrikas, genehmigte zur Rettung der SABC eine Bürgschaft in Höhe von rund 1,47 Milliarden Rand (umgerechnet rund 120 Millionen Euro).

Diese Bürgschaft ermöglichte der SABC die Aufnahme eines Kredits beim Geldinstitut Nedbank in 2009. Würde die Rundfunkgruppe das Darlehen nicht zurückzahlen können, müsste der Steuerzahler in die Bresche springen. Seither steht die SABC unter der Kontrolle einer regierungsnahen Überwachungs-Task Force, die eine Haftung des Staates um jeden Preis verhindern will. Zudem verpflichtete sich der öffentliche Rundfunk bestimmte Bürgschaftsauflagen zu erfüllen. Soll heißen: Personalabbau, Anstieg der Rundfunkgebühren und Zuwachs der Zuschauer- bzw. Zuhörerzahlen. Journalisten erhalten keinen Festvertrag mehr, sondern werden als Freelancer angeheuert.

Mehr als Zweidrittel des Milliardenkredits konnten bereits abgetragen werden. Dennoch muss das Department of Communications, das Kommunikationsministerium Südafrikas, weiterhin die SABC kräftig finanziell unterstützen. Im Haushaltsjahr 2011/ 2012 erhielt der öffentliche Rundfunk rund 126,14 Millionen Rand (umgerechnet rund 10,4 Millionen Euro) als Zuschuss. Medienkenner bemängeln, dass das Management wenig unternimmt, um die finanzielle Situation zu verbessern. Andere Stimmen bezweifeln sogar die vollständige Begleichung des Kredits. Nachprüfbar sind diese Behauptungen nicht, da die SABC sich nicht in die Karten schauen lässt. Wenig Transparenz in den eigenen Finanzen, wird immer wieder bemängelt.

© Der South African Broadcasting Corporation (SABC) unterstehen gegenwärtig die drei Fernsehsender SABC 1, SABC 2 sowie SABC 3 und 18 Radiostationen. Zwei weitere TV-Stationen sind zurzeit in Planung – SABC 4 und SABC 5.

© Der South African Broadcasting Corporation (SABC) unterstehen gegenwärtig die drei Fernsehsender SABC 1, SABC 2 sowie SABC 3 und 18 Radiostationen. Zwei weitere TV-Stationen sind zurzeit in Planung – SABC 4 und SABC 5.

Machtkämpfe im SABC-Management

Mehrere Mitglieder im SABC-Vorstand sind bereits zurückgetreten, wie beispielsweise Patricia Makhesha im Januar 2013. Zu den Gründen ihres Rücktritts ist nichts bekannt. Auch SABC-Pressesprecher Kaizer Kganyago wollte sich zu den Beweggründen von Makhesha nicht äußern. Journalisten gehen von Machtkonflikten im Management aus.

Ebenso musste Nachrichtenchef Phil Molefe – ein angesehener Journalist, der sich für eine unabhängige und parteineutrale Presse einsetzte – seinen Platz räumen. SABC-Vorstand Hlaudi Motsoeneng hat Widersacher systematisch entfernen lassen, um eine staatsnahe Rundfunkarbeit zu gewährleisten – so heißt es in Pressekreisen.

Außerdem ist die Chief Financial Officer (CFO) Gugu Duda, die für die Beschaffung von Gütern und Dienstleistungen zuständig war, nach angeblichen Unregelmäßigkeiten im September 2012 suspendiert worden. Die erst im Februar 2012 für die SABC tätig gewordene Duda war im Vorfeld mit demselben Aufgabengebiet bei der First National Bank (FNB) beschäftigt gewesen und fiel in dieser Funktion zu keinem Zeitpunkt negativ auf.

Und dann die große Rücktrittswelle vor wenigen Tagen: Der SABC-Vorsitzende Ngubane, sein Vize KaPlaatjie und sechs weitere Management-Mitglieder informierten die Regierung über ihre Rücktritte. Der staatliche Medienriese verliert seine wichtigsten Köpfe. In Pretoria ist die Politik gegenwärtig darum bemüht, so schnell wie möglich geeigneten Ersatz zu finden.

ANC-kritische Berichterstattung nicht gestattet

Im Herbst 2012 – kurz vor dem 53. ANC-Bundesparteitag in Mangaung – entschloss sich der SABC-Vorstand Hlaudi Motsoeneng in das oberste Gremium des öffentlichen Rundfunks zu holen. Als Chief Operating Officer (COO) ist Motsoeneng für die Betreuung des operativen Geschäfts zuständig. In diesem Kontext übt er eine direkte Kontrolle auf die redaktionelle Berichterstattung aus und beeinflusst letztendlich personelle Entscheidungen. Von diesem Zeitpunkt an, diese Auffassung vertreten mehrere Medienbeobachter am Kap, kommt der einstige ANC-Jugendligaführer und Zuma-Gegner Julius Malema kaum mehr zu Wort. Weder in TV noch im Radio erhält Malema Gehör.

Ein anderer Vorfall belegt ebenfalls die mangelnde unabhängige Berichterstattung der SABC-Gruppe. Im Dezember 2012 sollten die Journalisten Sam Mkokeli (Business Day), S’thembiso Msomi (Sunday Times) und Andrew England (Financial Times) in einer Radio-Talkshow von Sakina Kamwendo vom Radiosender Metro FM teilnehmen. Als Thema wurde der ANC-Bundesparteitag in Mangaung aufgegriffen. Überraschenderweise kam es gar nicht mehr zur Talkshow, nachdem diese kurz vor Beginn gestrichen wurde. Motsoeneng rechtfertigte die Last-Minute-Entscheidung mit der fehlenden Einbindung des ANC im Radioprogramm – eine durchaus abstruse Begründung.

Dem entgegengehalten werden muss, dass der damalige SABC-Vorsitzende Ngubane kein ANC-Mitglied ist, sondern der Oppositionspartei Inkatha Freedom Party (IFP) angehört. Dementsprechend war Ngubane bemüht, parteineutral den Rundfunk zu steuern.

Negativimage Auckland Park

Die im Auckland Park, einem Johannesburger Vorort, ansässige SABC hat viel an öffentlichem Vertrauen eingebüßt. Immer wieder dringen Streitigkeiten aus dem Umfeld des Managements an die Öffentlichkeit. Zudem begünstigt die SABC dieses negative Image einerseits mit fehlender Transparenz bezüglich der finanziellen Situation und andererseits mit ANC-nahen Entscheidungen. Hingegen dürfte den südafrikanischen Staat in erster Linie interessieren, ob der öffentliche Rundfunk seinen Kredit bei der Nedbank vollständig begleichen kann. Inoffiziell bemüht sich die Regierung, ihren Einfluss auf die Berichterstattung der SABC sicherzustellen. Die kürzliche Rücktrittswelle namhafter Führungspersonen verdeutlicht die ernste Krise im Auckland Park.

Eine Antwort zu “Südafrikas Staatsrundfunk in der Krise

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