GfK-Gruppe expandiert nach Südafrika

Im Interview mit Matthias Hartmann, Vorstandsvorsitzender (CEO) des Marktforschungsunternehmens GfK

(Autor: Ghassan Abid)

© Matthias Hartmann, Vorstandsvorsitzender (CEO) des Marktforschungsunternehmens Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) SE. (Quelle: GfK-Gruppe)

© Matthias Hartmann, Vorstandsvorsitzender (CEO) des Marktforschungsunternehmens Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) SE. (Quelle: GfK-Gruppe)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Matthias Hartmann, Vorstandsvorsitzender (CEO) des Marktforschungsunternehmens GfK SE. Zuerst vielen Dank für die Möglichkeit dieses kurzfristigen Interviews.

GfK zählt mit über 12.000 Mitarbeitern zu den größten Marktforschungsunternehmen weltweit. Sie forschen, wie Menschen leben, denken und konsumieren. Wie bewerten Sie das aktuelle Konsumklima in Deutschland?

Antwort: Die Konsumstimmung unter den deutschen Verbrauchern ist seit langem positiv. Die europäische Finanzkrise kann dieser guten Stimmung bisher keinen Abbruch tun. Im Gegenteil: Der Wert des Indikators liegt konstant bei knapp unter 6 Punkten. Die Wirtschaft in Deutschland zeigt sich seit Jahren sehr stabil. Davon profitiert der Arbeitsmarkt. Aktuell sind lediglich 7,4 Prozent der Deutschen ohne Beschäftigung. Umgekehrt stehen mehr als 41 Millionen in einem Beschäftigungsverhältnis – ein Rekordwert. Neben der guten Beschäftigungslage rechnen die Deutschen in diesem Jahr auch wieder mit steigenden Gehältern. Die aktuellen Tarifabschlüsse in der Stahlindustrie sowie im öffentlichen Dienst der Länder mit +3 beziehungsweise +2,65 Prozent (für 2013) nähren diese Hoffnungen. Die Inflation ist moderat, so dass die Kaufkraft der Verbraucher gestärkt wird. Hinzu kommt, dass die Deutschen nach der Bankenkrise im Jahr 2008 kein allzu großes Vertrauen in den Finanzsektor mehr haben. Lieber investieren sie ihr Geld in werthaltige Anschaffungen, renovieren beispielsweise ihr Haus oder ihre Wohnung. All diese Faktoren führen dazu, dass die Deutschen relativ entspannt in die Zukunft blicken und weiterhin gerne und viel konsumieren.

2010sdafrika-Redaktion: Am 4. Oktober 2012 verkündete die GfK-Gruppe ihre Expansionsabsichten nach Südafrika und damit verbunden auch nach Afrika. Wann und wie kam es zur Entscheidung, das afrikanische Verbraucherverhalten zu erforschen?

Antwort: Wir sind bereits seit elf Jahren auf dem afrikanischen Kontinent aktiv. Aktuell sind wir in Ägypten, Marokko, Nigeria, Kenia, Mozambique und Südafrika mit einer Niederlassung vertreten. Mit unserem Tochterunternehmen in Marokko decken wir alle Maghreb-Staaten ab, mit der Niederlassung in Südafrika die gesamte Sub-Sahara-Region. Die Entscheidung, in der Sub-Sahara-Region nun auch ein Verbraucherpanel aufzubauen und unsere Verbraucherforschung auszuweiten, wurde Mitte 2011 getroffen. Anschließend haben wir mit passenden Partnern Gespräche aufgenommen. Am Ende fiel die Wahl auf GlobalEdge, ein Unternehmen, das bereits mit Niederlassungen in Durban und Johannesburg vertreten war.

© GfK zählt mit über 12.000 Mitarbeitern zu den größten Marktforschungsunternehmen weltweit. Sie forschen, wie Menschen leben, denken und konsumieren. Der Umsatz der GfK-Gruppe in 2012 ist im Vergleich zum Vorjahr um 10,2 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro gestiegen. (Quelle: GfK-Gruppe)

© GfK zählt mit über 12.000 Mitarbeitern zu den größten Marktforschungsunternehmen weltweit. Sie forschen, wie Menschen leben, denken und konsumieren. Der Umsatz der GfK-Gruppe in 2012 ist im Vergleich zum Vorjahr um 10,2 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro gestiegen. (Quelle: GfK-Gruppe)

2010sdafrika-Redaktion: Vor kurzem hat GfK – wie gerade angesprochen – das südafrikanische Marktforschungsinstitut GlobalEDGE Marketing Consultants vollständig erworben. Welche Faktoren beeinflussten Ihre Wahl für ausgerechnet dieses Unternehmen?

Antwort: Es gab mannigfaltige Gründe, GlobalEdge zu erwerben. Zuerst ist die Firmenkultur zu erwähnen, die mit einem Schwerpunkt auf Marktforschungsberatung exakt die Strategie verfolgt, die auch bei GfK verankert ist. Des Weiteren hat GlobalEdge mehrere exzellente Experten an Bord, die beim Aufbau der GfK-Geschäfte in der Südhälfte Afrikas eine führende Rolle spielen werden. Ein ganz gewichtiger Punkt, der für den Erwerb von GlobalEdge sprach, ist die Expertise bei Consumer Panel Services und die starke Verankerung des GlobalEdge Research Consultancy-Teams im Sektor Konsumgüter sowie im Handel. Damit ist GfK in der Lage, in kürzester Zeit ein Konsumentenpanel in Südafrika aufzubauen, das den Qualitätsstandards von GfK entsprechend mit Scanner-Technologie ausgestattet ist. Ab Ende April 2013 wird es die Industrie sowie den Handel mit diagnostischen Informationen über die südafrikanischen Verbraucher versorgen.

2010sdafrika-Redaktion: Welche konkreten Erwartungen verfolgt GfK mit ihrem Schritt der Expansion zum Kap der guten Hoffnung?

Antwort: GfK erwartet, kurzfristig, seine Position als Top-Unternehmen im Sektor Marktforschung in Afrika zu etablieren. Außerdem möchten wir eine Alternative zum bestehenden Angebot bieten. Dies wird vor allem über die Einführung globaler und innovativer GfK-Produkte in Afrika der Fall sein.

2010sdafrika-Redaktion: Im Juni 2004 kaufte bereits die britische Aegis Group das zu diesem Zeitpunkt drittgrößte südafrikanische Marktforschungsinstitut Proactive Insight für rund 15 Millionen Euro. Wie bewerten Sie den anstehenden Wettbewerb um Marktanteile am Kap?

Antwort: Wir werden mit den für uns typischen Produkten Consumer Panel Services und starken Angeboten aus den Bereichen Marken- und Kommunikationsforschung sowie Marktsegmentierung und Innovation eine Alternative zu den bestehenden Mitbewerbern bieten.

© Der GfK-Hauptsitz ist in Nürnberg. Hier wurde im GfK-Vorstand die Entscheidung getroffen, mit dem Kauf des südafrikanischen Marktforschungsinstituts GlobalEdge das unternehmerische Engagement in Afrika zu intensivieren. (Quelle: GfK-Gruppe)

© Der GfK-Hauptsitz ist in Nürnberg. Hier wurde im GfK-Vorstand die Entscheidung getroffen, mit dem Kauf des südafrikanischen Marktforschungsinstituts GlobalEdge das unternehmerische Engagement in Afrika zu intensivieren. (Quelle: GfK-Gruppe)

2010sdafrika-Redaktion: Sind grundsätzliche weitere Übernahmen vorgesehen, ohne jetzt Unternehmen benennen zu müssen?

Antwort: GfK plant vor allem organisches Wachstum, das von den bestehenden Unternehmen in Südafrika, Nigeria, Kenia und Mozambique ausgehen wird. Übernahmen sind nicht gänzlich auszuschließen. Sie werden aber gemäß der vom GfK-Vorstand entwickelten Strategie nur in Bereichen stattfinden, die technische Neuerungen auf dem Gebiete der Marktforschung darstellen.

2010sdafrika-Redaktion: Waren Sie schon persönlich in Südafrika und falls ja, was hat Ihnen besonders gefallen?

Antwort: Ja, ich war sowohl privat als auch geschäftlich mehrfach in Südafrika. Das Land hat eine besondere Faszination für mich. Die Mischung aus kultureller Vielfalt sowie traumhaft schöner Landschaft und Natur beeindruckt mich bei jedem Besuch immer wieder.

2010sdafrika-Redaktion: Matthias Hartmann, CEO des Nürnberger Marktforschungsunternehmens GfK, vielen Dank für das Interview!

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