Putin in Südafrika

Russland intensiviert bilaterale Beziehungen: Atomenergie, Militärtechnik und Raumfahrt

(2010sdafrika-Redaktion)

In der russischen Gesellschaft sind Geschäfte, ganz dem kaufmännischen Grundgedanken, zuallererst oft mit einem Handschlag besiegelt. Was mündlich abgesprochen wurde, darf nicht mehr rückgängig gemacht werden. Seither hat sich das Sprichwort „Eine Abmachung ist teurer als Geld“ bis heute in Russland durchgesetzt. Nicht alle Absprachen werden unverzüglich schriftlich niedergeschrieben. Vertrauen spielt in diesem Kontext eine außerordentlich wichtige Rolle. In Südafrika war diese russische Geschäftspraxis zu beobachten.

© Russlands Präsident Wladimir Putin hat am Rande des 5. BRICS-Gipfels in Durban mehrere bilaterale Abkommen unterzeichnet und darüber hinaus diverse mündliche Abmachungen mit Südafrikas Präsidenten Jacob Zuma getroffen. Kooperationen sind in den Bereichen Atomenergie, Militärtechnik und Raumfahrt vorgesehen. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

© Russlands Präsident Wladimir Putin hat am Rande des 5. BRICS-Gipfels in Durban mehrere bilaterale Abkommen unterzeichnet und darüber hinaus diverse mündliche Abmachungen mit Südafrikas Präsidenten Jacob Zuma getroffen. Kooperationen sind in den Bereichen Atomenergie, Militärtechnik und Raumfahrt vorgesehen. (Quelle: flickr/ The Presidency of the Republic of South Africa)

Anlässlich des fünften BRICS-Gipfels, dem ersten seiner Art vom 26. bis 27. März 2013 in Südafrika, reiste Russlands Präsident Wladimir Putin nach Durban an, um dem Gastgeber in den südafrikanisch-russischen Konsultationen interessante Kooperationen zu offerieren. Unterschrieben wurde noch nicht alles, doch wird nicht angezweifelt, dass die mündlichen Unterredungen mit Präsident Jacob Zuma schnellstmöglich realisiert werden – ganz dem russischen Sprichwort.

Atomenergie

Die russische Regierung möchte den Kernenergiesektor am Kap modernisieren. Hierfür bietet Putin Kredite an, die voraussetzen, dass russische Firmen mit der Modernisierung beauftragt werden. Geplant sind der Bau neuer Reaktoren zur Energieversorgung, die Errichtung von Forschungsanlagen und die Unterstützung Südafrikas bei der Eigenproduktion von Nukleartechnik. Auch südafrikanisches Personal könne durch Russland ausgebildet werden.

© Geplant sind der Bau neuer Reaktoren zur Energieversorgung, die Errichtung von Forschungsanlagen und die Unterstützung Südafrikas bei der Eigenproduktion von Nukleartechnik. (Quelle: flickr/ Global2000)

© Geplant sind der Bau neuer Reaktoren zur Energieversorgung, die Errichtung von Forschungsanlagen und die Unterstützung Südafrikas bei der Eigenproduktion von Nukleartechnik. (Quelle: flickr/ Global2000)

Südafrikanisch-russische Helikopter-Produktion

Beide Staaten könnten Hubschrauber vom Typ Kazan Ansat produzieren. Vorgeschlagen wurde, dass in Südafrika der leichte Mehrzweckhubschrauber in Betrieb gehen könnte. Ansat wird in der russischen Luftwaffe vor allem für Schulungszwecke genutzt. Zudem sind Lieferungen von Passagierflugzeugen des Typs MS-21 vorgesehen.

© Der Mehrzweckhubschrauber Kazan Ansat soll in Südafrika produziert werden. Im Bild ist ein Ansat zu sehen. (Quelle: flickr/ joseluiscel)

© Der Mehrzweckhubschrauber Kazan Ansat soll in Südafrika produziert werden. Im Bild ist ein Ansat zu sehen. (Quelle: flickr/ joseluiscel)

Rüstungskonzern-Deal

In Johannesburg ist ein Wartungszentrum für russische Hubschrauber des Typs Mi-17 und Mi-8 eröffnet wurden. Das sogenannte „Maintenance, Repair and Overhaul Centre“ wird vom südafrikanischen Rüstungskonzern DENEL und dem russischen Partner „Russian Helicopters“ betrieben. Bereits im Jahr 2009 begannen die Gespräche zwischen beiden Rüstungsunternehmen. Es ist das erste russische Helikopter-Wartungszentrum in Afrika.

© Ein südafrikanisch-russisches Wartungszentrum für Hubschrauber ist in Johannesburg eröffnet worden. Im Bild ist ein MI-8 zu sehen. (Quelle: flickr/ alexander.kremlev)

© Ein südafrikanisch-russisches Wartungszentrum für Hubschrauber ist in Johannesburg eröffnet worden. Im Bild ist ein Mi-8 zu sehen. (Quelle: flickr/ alexander.kremlev)

Kooperation der Raumfahrtbehörden

Wenige Südafrika-Kenner wissen, dass das Land in 2010 eine eigene Raumfahrtbehörde gegründet hatte. Vier Jahre zuvor leiteten Russland und Südafrika die Partnerschaft in der Raumfahrt ein. Nun hat die “South African National Space Agency (SANSA)” mit der russischen Raumfahrtbehörde “Roscosmos” ein Abkommen unterzeichnet, dass eine Kooperation auf dem Gebiet des RadioAstron-Satelliten vorsieht. Geplant ist der Aufbau einer Teleskopstation am Kap, die den Satelliten bei der Erforschung des Alls unterstützen soll. Der Satellit verfügt über den Radioteleskopen Spektr-R, der eine sogenannte interferometrische Beobachtung ermöglicht. Somit können Phänomene wie schwarze Löcher erklärt werden. Der RadioAstron-Satellit ist ein internationales Projekt, an dem auch Deutschland beteiligt ist.

© Die Raumfahrtbehörden SANSA und Roscosmos unterzeichneten ein Abkommen zur Beteiligung Südafrikas am internationalen Projekt RadioAstron. Der Satellit soll Phänomene im Weltall beobachten und diese anhand der Messergebnisse erklären. (Quelle: Russisches TV)

© Die Raumfahrtbehörden SANSA und Roscosmos unterzeichneten ein Abkommen zur Beteiligung Südafrikas am internationalen Projekt RadioAstron. Der Satellit soll Phänomene im Weltall beobachten und diese anhand der Messergebnisse erklären. (Quelle: Russisches TV)

Insgesamt unterzeichneten Moskau und Pretoria neun Abkommen in den Bereichen Landwirtschaft, Kultur, Verteidigung, Bildung, Energie, Fischerei, Bergbau, Wissenschaft und Transport. Die Vorhaben im Rüstungs- und Militärsektor dürften den Höhepunkt der südafrikanisch-russischen Konsultationen darstellen. Zuletzt besuchte Präsident Jacob Zuma im August 2010 das Partnerland Russland. Nun lud Putin seinen Partner Zuma anlässlich des bevorstehenden G20-Gipfels 2013 erneut nach Russland ein.

6 Antworten zu “Putin in Südafrika

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