Scientology und Südafrikas Behörden

Exklusiv: Sicherheitsbehörden beobachten Machtverlust von Scientology in Deutschland

(2010sdafrika-Redaktion)

Nach der Veröffentlichung des Beitrags „Scientology in Südafrika“ am 24. März 2013 erreichte die Redaktion eine Flut an Mails und Nachrichten, die Scientology entweder als anerkannte Glaubensgemeinschaft beschrieben oder als kommerzielle Sekte einstuften. Mehrere deutsche, schweizerische und österreichische Scientologen verwiesen auf die vollwertige Anerkennung des südafrikanischen Ablegers. Einzelne Dokumente südafrikanischer Behörden zum Rechtsstatus von Scientology, die in Fachforen bereits abrufbar sind, wurden der Redaktion zugespielt.

© Während Scientology in Deutschland an Macht verliert, baut die Organisation in Südafrika ihren Einfluss aus. Aus deutschen Sicherheitskreisen heißt es gegenüber "SÜDAFRIKA - Land der Kontraste", dass vor allem die Zivilgesellschaft am Kap nun gefragt sei, auf das Gefahrenpotential dieser Sekte hinzuweisen. (Quelle: flickr/ dwinning)

© Während Scientology in Deutschland an Macht verliert, baut die Organisation in Südafrika ihren Einfluss aus. Aus deutschen Sicherheitskreisen heißt es gegenüber „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, dass vor allem die Zivilgesellschaft am Kap nun gefragt sei, auf das Gefahrenpotential dieser Sekte hinzuweisen. (Quelle: flickr/ dwinning)

Estelle van Zyl, Analystin in der Steuerbefreiungseinheit der Steuerbehörde SARS, bewilligte am 5. November 2007 einen Antrag von Scientology South Africa auf Anerkennung als „gemeinnützige Einrichtung“: „the Company has been approved as a public benefit organisation in terms of section 30 of the Income Tax Act…“. Interessant ist, dass die SARS bei Scientology von einem Unternehmen ausgeht. Seither muss diese Organisation keine entsprechenden Steuern zahlen. [DokumentScientology SARS ZA]

Rund 7 Jahre zuvor, am 31. März 2000, sprach das „Department of Home Affairs“ der Organisation ein Eheschließungsrecht nach dem sogenannten Marriage Act zu. Das Innenministerium hält hierzu schriftlich fest: „I now have pleasure in informing you that the Constitution of your organisation has been approved“. Es fällt auf, dass zwischen Antragsstellung und Antragsbewilligung gerade einmal rund 5 Wochen dazwischen liegen. Ein durchaus schneller Verfahrensvorgang für die südafrikanische Bürokratie. [Dokument: Scientology Department of Home Affairs ZA]

In beiden Fällen agierte für Scientology South Africa ein gewisser Paul Sondergaard, der von Johannesburg aus die Pressearbeit koordinierte und sich dafür einsetzte, dass Scientology einen gleichberechtigten Platz im Kreis anderer Glaubensgemeinschaften am Kap erhalten sollte. Hervorzuheben ist die immer wieder zu lesende Stellungnahme von Sondergaard, wonach Scientology als Organisation zur Bekämpfung der Apartheid herangezogen wird. Namhafte Politiker bedienten sich dieser politischen Rhetorik bzw. – so die These von Kritikern – der Hubbard-Propaganda.

Der damalige Kulturminister Südafrikas, Dr. Ben Ngubane, nahm am 2. November 2003 bei der Eröffnung der Scientology-Repräsentanz in Johannesburg teil und bedankte sich für die Bemühungen der Scientology-Kirche, die entsetzlichen Praktiken des Apartheidsystems gegenüber der unterdrückten Bevölkerungsmehrheit aufgedeckt zu haben. In einem vorliegenden Transcript heißt es wörtlich: „I think it is highly appropriate that I thank the Church of Scientology, particularly the Citizens Commission on Human Rights, for exposing the most horrendous practices of the apartheid system of mental treatment of people.

Bis vor Kurzem war Ngubane Vorsitzender der staatlichen Rundfunkgruppe „South African Broadcasting Corporation (SABC)“. Somit erklärt sich die Scientology-freundliche Berichterstattung des öffentlichen Rundfunks, wie im Beitrag vom 24. März 2013 festgehalten.

Unterdessen hat die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ deutsche Sicherheitsbehörden um Stellungnahme zu den Entwicklungen von Scientology in Südafrika gebeten. Aus Sicherheitskreisen wird mitgeteilt, dass keine Erkenntnisse vorliegen, die Rückschlüsse auf deutsch-südafrikanische Scientologen-Beziehungen zulassen. Auch ist bisweilen kein Informationsaustausch mit südafrikanischen Nachrichtendiensten zu Scientology erfolgt. Ergänzend wird festgehalten, dass die Bedeutung dieser Organisation in Deutschland deutlich nachgelassen hat. Dementsprechend hat sich die diesbezügliche nachrichtendienstliche Aufmerksamkeit deutlich reduziert.

Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz informiert auf Anfrage von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, dass diese Organisation für das Jahr 2012 weiterhin mit sinkenden Mitgliederzahlen in Bayern konfrontiert ist. „Die staatliche Aufklärungsarbeit und die kritische Darstellung in den Medien haben die Organisation und deren Ziele transparent gemacht und erschweren es der SO, neue Mitglieder zu werben“, heißt es aus München.

Dennoch warnen die Bayerischen Nachrichtendienstler, dass Scientology seine Bemühungen fortsetzt, Neumitglieder anzuwerben. So versuchte die Organisation mit einem Rundschreiben an die bayerischen Schulen zu Vorträgen eingeladen zu werden. Die Werbeaktion verlief allerdings in Leere. Auch der Kauf von Gebäuden im Rahmen der Idealen Org-Kampagne verlief in München bislang erfolglos.

Schlussendlich kann festgehalten werden, dass Scientology in Deutschland signifikant an Macht verliert, während diese Organisation in Südafrika hingegen ihren Einfluss deutlich ausbaut. Aus Sicherheitskreisen heißt es, dass die beste Strategie zur Reduzierung des von Scientology ausgehenden Gefahrenpotenzials daran liege, diese schlichtweg zu ignorieren. Die Geschehnisse am Kap müssten von den dortigen Verantwortlichen, allen voran durch die Zivilgesellschaft, kritisch begleitet werden.

11 Antworten zu “Scientology und Südafrikas Behörden

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  4. Herr Boeck, als „alter“ Scientologe, hat sicher eine andere Sicht der Dinge. Aber Scientology hat noch ganz andere Probleme, interne. So hat sich eine Gruppe um Marty Rathbun gebildet, die Scientology ohne die „Kirche“ praktiziert. Und damit der Mutterfirma erheblichen Ärger macht. Zumal sie billiger ist und über die verbrecherischen Methoden berichten.
    Was auch gerne vergessen wird: Das OVG Münster hat bestätigt, dass die Beobachtung der SO rechtlich angemessen ist.

  5. Die Scientology Kirche hat weltweit mit sinkenden Mitgliederzahlen zu kämpfen. Den Mitgliedern wird immer noch die “grosse Expansion“ vorgegaukelt, doch die “Ideal Org’s“ sind leer, nicht ganz, aber fast. Wo sind die neuen Mitglieder? Warum haben so viele altverdiente und hochrangige Mitglieder der Organisation den Rücken gekehrt? Die Scientology Kirche behauptet die weltbeste Managementtechnologie zu besitzen! Warum ist dann der Ruf der Organisation weltweit so miserabel? Entweder funktioniert die Technologie nicht, oder das Management wendet sie nicht an. Punkt! “Übertriebene Selbstbezogenheit, ein unersättliches Bedürfnis nach Anerkennung sowie die Übersteigerung des eigenen Selbst ins Grandiose sind alles Merkmale einer narzisstischen Störung. Ebenso die Unfähigkeit zur Kritik und damit zur Selbstkorrektur. Die Scientology Kirche ist ein Paradebeispiel für eine solche Störung. Die bösen Unterdrücker sind schuld, so argumentiert sie. Und die wollen Ursache, “OT“ sein? Traurig. Hinter einer solchen Gruppe verstecken sich im Kern ängstliche Menschen, die nicht sehen können, was wirklich vor sich geht, nämlich leere Organisation, abhängige Mitglieder, die zahlen und zahlen, für
    Kurse, neue Aktionen und und und.
    Und diese Menschen glauben, anderen helfen zu können …

  6. Wenn sich der Verfassungsschutz mehr seinem eigentlichen Aufgabengebiet, z. B. Schutz vor Terrorismus, widmen würde, dann könnten solche Peinlichkeiten wie im Fall NSU nicht passieren.

  7. Zitat: „Aus Sicherheitskreisen heißt es, dass die beste Strategie zur Reduzierung des von Scientology ausgehenden Gefahrenpotenzials daran liege, diese schlichtweg zu ignorieren.“

    Ignorieren sieht anders aus, als ständig ein Getöse in den Medien bezüglich Scientology zu machen!

    Auch bin ich über die „Erkenntnisse“ der Bayerischen Narichtendienstler, dass Scientology seine Bemühungen fortsetzt, Neumitglieder anzuwerben wirklich erstaunt.

  8. Wieviel Mitglieder hat Scientology in Deutschland nun R(obin)Boeck? Du kennst bestimmt Shane Weightman oder? Mitarbeiter von 2007-2012, nun exkommuniziert (SP-Declare).

    – Mitarbeiterlohn: 20 Euro / Woche. Im Sommer 2012 keine Bezahlung für einige Monate.
    – Von 2008 – 2012 durchschnittliche Bruttoeinnahmen von 3.500 Euro / Woche.
    – Mitarbeiter durften den Aufzug nicht benutzen, weil die Stromkosten zu teuer waren.
    – Es gab Zeiten wo die Telefonanschlüsse gesperrt waren, weil Rechnungen nicht bezahlt wurden.
    – Von 8 Auditoren in 2007 ist nur mehr ein einziger übrig.
    – Mitarbeiter mussten mit öffentlichen Verkehrsmittel schwarzfahren, weil sie kein Geld hatten.
    – Mitarbeiter stahlen Essen von Kantine, worauf Überwachungskameras installiert wurden. Weil das keinen Erfolg bracht, wurde ein Verkaufsautomat aufgestellt, um weiteren Diebstahl vorzubeugen.

    Robin, und du schreibst noch immer von der am schnellsten wachsenden „Religion“ … und verkaufst damit die Menschen für dumm.

  9. Wir brauchen eine größere Aufmerksamkeit für das Thema Sekten! Gruppen die Konformität und Gehorsam verlangen (Scientology) erzeugen Angst, niemals Liebe oder Wachstum!

    http://www.destruktive-gruppen-erkennen.com/

    „The only way you can control people is to lie to them“
    L. Ron Hubbard

  10. m Februar diesen Jahres warin der Wochenzeitung Die Zeit nach zu lesen, dass ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes die Beobachtung von Scientology “als Beschäftigungstherapie nach dem Mauerfall” bezeichnete. Man sollte langsam aber sicher mal anfangen zu recherchieren wie der VS die Bundesbürger seit Jahren an der Nase herumführt. Im Spiegel konnte man im Jahre 2008 schon nachlesen, dass es einen geheimen 46-seitigen VS Bericht gibt wonach der VS festgestellt hat, dass Scientology eben nicht gegen die Verfassung arbeitet und weder der VS noch das Bundeskriminalamt haben in ihren Akten irgendwelche Belege für kriminelles Verhalten. Also wie lange soll diese Manipulation noch weiter gehen.

  11. Die Frage ist nur, weshalb wird Scientology dann so bekämpft? 😉
    Erst hießt es Scientology habe 100.000 Mitglieder oder mehr in Deutschland – um Panik zu schüren -, dann hieß es es gäbe nur sehr wenige – um sie zu klein zu reden. Jetzt nimmt man die (frei erfundenen) alten und hohen Zahlen und die (frei erfundenen) neuen und niedrigen Zahlen, stellt sie gegenüber und sagt, Scientology sei geschrumpft 😀
    Einfach nur lächerlich – aber „lustig“, wenn man bedenkt, dass so Deutsche Medien arbeiten und das Volk so informiert wird.

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