SPIEGEL-Chefredakteur Mascolo muss gehen

Georg Mascolo als Journalist mit großem Interesse für Südafrikas einstiges Nuklearprogramm

(Autor: Ghassan Abid)

© SPIEGEL-Chefredakteur Georg Mascolo ist am heutigen Dienstag vom SPIEGEL-Verlag mit sofortiger Wirkung von seinem Posten abberufen worden. Der Journalist befasste sich in der Vergangenheit mehrfach mit der Nuklearpolitik Südafrikas und der Mitwirkung deutscher Ingenieure bei der Nuklearisierung geächteter Regime. (Quelle: flickr/ news_aktuell_gmbh)

© SPIEGEL-Chefredakteur Georg Mascolo ist am heutigen Dienstag vom SPIEGEL-Verlag mit sofortiger Wirkung von seinem Posten abberufen worden. Der Journalist befasste sich in der Vergangenheit mehrfach mit der Nuklearpolitik Südafrikas und der Mitwirkung deutscher Ingenieure bei der Nuklearisierung geächteter Regime. (Quelle: flickr/ news_aktuell_gmbh)

Nun hat der SPIEGEL-Verlag einen Bericht des Hamburger Abendblatts vom vergangenen Freitag offiziell bestätigt. In einem heute veröffentlichten Beitrag auf SPIEGEL ONLINE wurde in eigener Sache darüber informiert, dass Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron als SPIEGEL-Chefredakteure abberufen worden sind. Vorausgegangen war ein Streit mit der Verlagsspitze über die strategische Ausrichtung des Medienhauses. Wenige Journalisten wissen noch, dass der abgesägte Deutsch-Italiener sich sehr für die Politik in Südafrika interessierte.

Gemeinsam mit den SPIEGEL-Kollegen Jürgen Dahlkamp und Holger Stark recherchierte Mascolo mehrfach zum Nuklearprogramm im Südafrika der Apartheid. Das Trio widmete seine Aufmerksamkeit den Personen in Deutschland, die dem Regime in Pretoria zum Aufstieg in den Klub der Atommächte verhalfen.

Im Artikel „Ingenieure des Todes“ im SPIEGEL in der Ausgabe 7/2005 hielt Mascolo fest, dass zu den Hauptverdächtigen deutsche Experten gehörten. Deutsche Ingenieure, die in der Area 26 – einem geheimen Atomkomplex in Pelindaba – bei der Nuklearisierung Südafrikas maßgeblich mitwirkten. Pelindaba, auch bekannt als Valindaba, liegt unweit von Pretoria und war das wichtigste Kernforschungszentrum des Apartheidsregime.

Mehrere Jahrzehnte später sind laut dem Artikel wieder Deutsche in der Area 26 tätig geworden, die gegen einen Schweizer ermittelten, der für das geplante Aufrüsten von Libyen mit Atomwaffen unter Verdacht stand. Gegen zwei weitere Deutsche wurden ebenfalls, unter der Führung des Generalbundesanwalts Kay Nehm, Ermittlungsverfahren eingeleitet – so Mascolo und die Co-Autoren weiter. Etwa gegen den Ingenieur Gotthard Lerch, der zum damaligen Zeitpunkt wie heute in der Schweiz lebt.

Dasselbe Trio befasste sich im Artikel „Der Vogel muss zerstört werdenim SPIEGEL in der Ausgabe 11/2005 erneut mit dem Nuklearprogramm. Mascolo griff die Geschichte des deutschen Kaufmanns Gerhard Wisser auf, der sich jeden Morgen und jeden Abend auf einer Polizeistation im südafrikanischen Randburg melden musste. Der Unternehmer stand unter Hausarrest und durfte seine Luxusvilla bei Johannesburg nur zwecks persönlicher Meldung bei der Polizei verlassen. Auch er wurde beschuldigt, von Südafrika aus am libyschen Atombombenprogramm mitgewirkt zu haben. Wisser soll Johan Meyer, Chef einer südafrikanischen Metallbaufirma in Vanderbijlpark bei Johannesburg, als Subunternehmer engagiert haben. Beide Artikel beleuchteten das dunkle Kapitel des deutschen Engagements in Südafrika, die unter der Mitwirkung von Mascolo erst ermöglicht wurden.

Georg Mascolo begann bereits 1988 für die SPIEGEL-Gruppe zu arbeiten. Anfänglich war er für SPIEGEL TV tätig, wechselte 1992 dann zum Nachrichtenmagazin, wo er Leiter des Deutschland-Ressorts in Hamburg war. Am 5. Februar 2008 ist er dann gemeinsam mit Mathias Müller von Blumencron in die Chefredaktion vom SPIEGEL aufgestiegen. Der SPIEGEL-Verlag verliert mit Georg Mascolo einen hervorragenden Journalisten, der stets bemüht war, mit kritischem Blick die Geschehnisse in Südafrika zu analysieren.

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