Kunst im Post-Apartheid-Südafrika

Solo-Installation „Extra“: Candice Breitz als weißes Wesen in einer schwarzen Umgebung

(Autorin: Nadja Krupke)

Ihre letzte künstlerische Arbeit gräbt in den Wunden des immer noch gebrochenen südafrikanischen Staates. Candice Breitz, geborene Foto- und Videokünstlerin aus  Johannesburg, hinterfragt die Rolle und die Position des „Weißen“ in der Gesellschaft des heutigen Post-Apartheid-Südafrikas. Mit ihrer Solo-Installation „Extra“, die 2012 in Südafrika entstand und ausgestellt wurde, symbolisiert sie das unangenehme Gefühl im modernen Südafrika, ein weißer Bürger zu sein.

© Foto aus der Solo-Installation "CANDICE BREITZ: EXTRA!". (Quelle: Candice Breitz)

© Foto aus der Solo-Installation „CANDICE BREITZ: EXTRA!“. (Quelle: Candice Breitz)

Ihre Jugend verbrachte die Künstlerin in ihrem Heimatland. Sie absolvierte dort ihren Bachelor of Arts in den bildenden Künsten an der Universität Witswatersrand, noch bevor Nelson Mandela schließlich 1994 als Staatsoberhaupt des neuen Südafrikas gewählt wurde. Sie verließ das von Gewalt und Autokratie geprägte Land, um in Chicago und New York ihre Ausbildung in Kunstgeschichte fortzuführen. Die Künstlerin lebt mittlerweile in Berlin und fühlt sich dort wohl, in der momentanen Kunstmetropole der Welt – wie sie es beschreibt. Die heutige 40-Jährige kehrte 2012 nach Südafrika zurück, in ein Land was ihr fremd geworden ist und verbildlichte die neuen Verhältnisse im Lande.

Dies verwirklichte sie, indem sie sich dem Material der täglichen Seifenoper „Generations“, welche im Jahr 1994 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, bediente. Als Symbol für ein neues Zeitalter Südafrikas stellte „Generations“ die heranwachsende „schwarze“ Mittelschicht dar. Ein Traum, der nach der Apartheid noch weit in der Zukunft lag, jedoch nicht mehr utopisch war. Wie fast in allen Seifenopern spielen Liebe, Intrigen, Erpressung, Familieneklats, Rache und Blutrunst bei „Generations“ eine große Rolle. Das Besondere jedoch ist, dass alle Schauspieler „schwarz“ sind, begründet dadurch, dass hauptsächlich einheimische afrikanische Sprachen gesprochen werden. Auch heute erreicht die Sendung noch höchste Einschaltquoten am Kap.

Breitz Projekt basierte auf das Konzept, sich in verschiedenen Filmsequenzen als ungeschicktes und fehl am Platz wirkendes „weißes“ Wesen unter der „schwarzen“ Crew zu mischen. Diese erklärte sich bereit, viele Filmsequenzen nach dem eigentlichen „Take“ mit Breitz im Hintergrund nochmals zu spielen.  Auf einem Tisch zu hocken und im Mittelpunkt einer schwarzen Umgebung zu sein, jedoch gleichzeitig nicht wahrgenommen zu werden [siehe o.a. Bild].

Die Crew bekam den Auftrag die Sequenz genauso zu spielen als wäre Breitz nicht da. Die Schauspieler sollten sie also ignorieren. So vermittelt sie ein bildliches Gefühl, welches im modernen Südafrika wahrscheinlich von vielen „weißen“ Südafrikanern verspürt wird, nämlich das unangenehme Gefühl „weiß“ zu sein und mit dem Erbe ihrer Vorfahren leben zu müssen. Hiermit stellt sie dar, was viele schon vor ihr getan haben und viele noch nach ihr tun werden, dass sich in Südafrika immer noch alles nach der Hautfarbe richtet und dass diese junge Demokratie noch immer den Traum Mandelas von einer vereinten Regenbogennation nicht vollkommen erreicht hat.

Note: Candice Breitz has written to the editor to point out that the views expressed in this media about her work „Extra“ are the author’s interpretation of her work, and do not reflect her intention in the making of „Extra“ or her position vis-a-vis racial relationships in South Africa.

2 Antworten zu “Kunst im Post-Apartheid-Südafrika

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