Historisches Ja-Wort im Zulu-Land

Erste traditionelle „Homo-Ehe“ in Südafrika geschlossen

(Autor: D. Tamino Böhm)

Südafrika ist eines der zwölf Staaten weltweit und der einzige afrikanische Staat, der gleichgeschlechtliche Ehen ausdrücklich erlaubt. Seit 2006 gibt es den Civil Union Act, der nach mehreren Schritten in den Jahren zuvor die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare garantiert. Seitdem nutzen viele Homosexuelle die Möglichkeit den Bund der Ehe einzugehen. Das ist, wie der internationale Vergleich zeigt, keine Selbstverständlichkeit. Noch weniger, wenn man sich die Geschichte des jungen Staates Südafrika genauer ansieht.

    © Letztes Wochenende kam es zu einem historischen Ereignis in KwaDukuza in der Region KwaZulu-Natal, als sich Tshepo Cameron Modisane und Thoba Calvin Sithol das Ja-Wort gaben. Nie zuvor hat es eine traditionelle gleichgeschlechtliche Hochzeit in Südafrika gegeben. (Quelle: YouTube/ eNCA)

© Letztes Wochenende kam es zu einem historischen Ereignis in KwaDukuza in der Region KwaZulu-Natal, als sich Tshepo Cameron Modisane und Thoba Calvin Sithol das Ja-Wort gaben. Nie zuvor hat es eine traditionelle gleichgeschlechtliche Hochzeit in Südafrika gegeben. (Quelle: YouTube/ eNCA)

Unter dem Apartheid-Regime bestanden auf „unnatürliche sexuelle Handlungen“ und „Sodomie“ Freiheitsstrafen von bis zu sieben Jahren. Schwule und Lesben, die im Militär dienten, wurden „medizinischen Heilungen“ unterzogen bis hin zu Geschlechtsumwandlungen. Die sowieso oft entlang der „Rassen“-Grenzen gespaltene schwule Szene wurde unterdrückt und Schwulenrechtsaktivisten verfolgt.

Durch großes Engagement der LGBT-Szene (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans) wurde in der Verfassung von 1996 für die noch junge Republik ausdrücklich die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung verboten, womit Südafrika die erste Nation wurde, die diesen Grundsatz in ihrer Verfassung verankerte. Bereits zwei Jahre später wurde der Gleichbehandlungsgrundsatz in die Arbeitnehmerrechte übertragen und im Jahr 2000 noch einmal explizit im Antidiskiminierungsgesetz bestärkt.

2005 erkannte das Verfassungsgericht schließlich die Differenz zwischen Verfassung und Ehegesetzen und gab dem Parlament ein Jahr Zeit zu handeln. Daraufhin wurde die gleichgeschlechtliche Ehe per Gesetz geregelt und im November 2006 mit großer Mehrheit im Parlament angenommen. Am 1. Dezember 2006 trat der Civil Union Act in Kraft und die ersten Paare ließen sich trauen.

Doch die gesetzliche Lage spiegelt nur bedingt die gesellschaftliche Meinung. Immer noch gibt es viel Kritik an Homosexualität und vor allem in den ländlichen Gebieten mangelt es an Akzeptanz. So kommt weiterhin viel Kritik von den Kirchen Südafrikas. Auch der Human Rights Report 2010 des U.S. Department of State hebt hervor, das Schwule und Lesben Diskriminierung und Hasskriminalität mit homophob motivierten Angriffen ausgesetzt sind. Die LGBT-Szene initiiert regelmäßig Aufklärungskampagnen vor allem gegen „corrective rape“ („SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ berichtete), denn oft wird angenommen, Homosexualität – vor allem weibliche – sei durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr heilbar. So kommt es immer wieder zu Vergewaltigungen. Zu den lautstarken Gegnern des 2006 erlassenen Gesetzes zählte der heutige Präsident Jacob Zuma, der nun in dieser Angelegenheit schweigt.

In den Städten hingegen werden Homosexuelle weitestgehend akzeptiert und es gibt ein ausgeprägtes Schwulen-Nachtleben. In der bedeutenden südafrikanischen Telenovela ‚Egoli‘ gab es lange Zeit ein schwules Paar. Durch diese gesetzliche und gesellschaftliche Lage wurde Südafrika in den letzten Jahren zum Reiseziel Homosexueller aus aller Welt und die jährlichen Gay Prides ziehen viele Tausend Besucher_innen an.

Letztes Wochenende kam es zu einem erneuten historischen Schritt in KwaDukuza in der Region KwaZulu-Natal, als sich Tshepo Cameron Modisane und Thoba Calvin Sithol nach ihrer beider Tradition das Ja-Wort gaben. Nie zuvor hat es eine traditionelle gleichgeschlechtliche Hochzeit in Südafrika gegeben, in der die Tswana- und Zulu-Traditionen der Bräutigame beachtet wurden. Diese Hochzeit ist vor allem vor dem Hintergrund beachtenswert, da einige Zulu-Vertreter noch letztes Jahr forderten, den Gleichbehandlungsgrundsatz aufgrund der sexuellen Orientierung aus der Verfassung zu streichen.

eNCA-TV-Beitrag zur ersten Homoehe in Südafrika

Einige südafrikanische Medien waren bei der Hochzeit vertreten. So auch ein Fernsehteam des südafrikanischen Nachrichtensenders eNCA, der sowohl über die Vorbereitung, wie auch über die Hochzeit berichtete. Nach der Eheschließung äußerte sich der Bräutigam Modisane, positiv und glücklich gegenüber dem Sender: „Ich liebe Thoba so sehr, ich bin begeistert, dass wir nun beide Herr Sithol sind.“ Und weiter sagte er über seine Homosexualität: „Es gibt die Idee, dass Schwul sein nicht afrikanisch wäre, doch Schwul sein ist so afrikanisch wie schwarz sein. Es ist Teil unserer Kultur und wir sind verwurzelt in unserer Kultur.

Die beiden 27-jährigen Johannesburger lebten drei Jahre in einer Beziehung, bevor sie sich entschlossen, den Bund der Ehe einzugehen. Beide sind stolz, ein Zeichen für Homosexualität und für Tradition gesetzt zu haben, dem nun andere Paare folgen können.

2 Antworten zu “Historisches Ja-Wort im Zulu-Land

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