NSU-Strafverfahren in München

Südafrikanische Medien wie SAPA, Sowetan und IOL News beobachten deutsche Neo-Nazi-Szene

(Autor: Ghassan Abid)

Update vom 15.04.2013: Heute hat das OLG München bekannt gegeben, den Prozess gegen die mutmaßlichen NSU-Mitglieder auf den 6. Mai zu verschieben. In einer vorherigen Version dieses Artikels war noch die Rede vom Prozessbeginn am 17. April 2013. Der Artikel ist angepasst worden.

© Beate Zschäpe steht im Mittelpunkt der Strafermittlungen gegen den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU). Als einzige Überlebende des sogenannten NSU-Trios wird sie sich mit anderen mutmaßlichen Unterstützern für den Mord an zehn Bürgern verantworten. Zschäpe soll nach Erkenntnissen Thüringer Sicherheitsbehörden die Flucht des NSU-Trios nach Südafrika mit ihrer ablehnenden Position verhindert haben. (Quelle: Fahndungsplakat BKA)

© Beate Zschäpe steht im Mittelpunkt der Strafermittlungen gegen den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU). Als einzige Überlebende des sogenannten NSU-Trios wird sie sich mit anderen mutmaßlichen Unterstützern für den Mord an zehn Bürgern verantworten. Zschäpe soll nach Erkenntnissen Thüringer Sicherheitsbehörden die Flucht des NSU-Trios nach Südafrika mit ihrer ablehnenden Position verhindert haben. (Quelle: Fahndungsplakat BKA)

Am 6. Mai 2013 beginnt das Strafverfahren gegen Beate Zschäpe und vier weitere Personen wegen Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung. Mit der NSU-Strafsache vor dem Oberlandesgericht München, die bis zum 16. Januar 2014 andauern wird, steht die Arbeit des 6. Strafsenats des Gerichts unter der Beobachtung der nationalen und internationalen Presse. Auch einzelne südafrikanische Medien schauen – größtenteils zurückhaltend – auf die Geschehnisse um die „German Neo-Nazis“.

Die südafrikanische Presseagentur SAPA bezieht ihre Quellen unter anderem von Reuters, die wiederum die Lage um den NSU mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. So verwundert es nicht, dass die Reuters-Korrespondentin in der Türkei, Alexandra Hudson, auch für südafrikanische Medien zum Sachverhalt berichtet.

Zuletzt berichtete Hudson am 13. April 2013 für das populäre südafrikanische Online-Medium Independent Online (IOL News) über die anstehende Herausforderung Deutschlands, die Wahrheit im NSU-Verfahren zu ermitteln. Die Journalistin erläutert zum Einen die bisherige Entwicklung um die mutmaßlichen NSU-Mitglieder Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Zum Andern stellt sie die These auf, dass vor allem junge Menschen in Ostdeutschland schnell in den Sog des Rechtsextremismus geraten. Die Perspektivlosigkeit dieser Generation sei der Nährboden für eine Radikalisierung von rechts.

Zschäpe komme im gesamten NSU-Verfahren eine Schlüsselrolle zu, fügte Hudson hinzu: „Zschaepe, the only surviving member of the trio, is due to go on trial in Munich next week, charged with complicity in the murder of eight Turks, a Greek and a policewoman, two bombings in Cologne, and 15 bank robberies. Four others charged with assisting the NSU will sit with her on the bench.

Die Reuters-Korrespondentin informierte die südafrikanische Öffentlichkeit darüber, dass die deutschen Neo-Nazis auf Basis von Verfassungsschutz-Erkenntnissen immer jünger, gewaltbereiter und militanter werden würden: „Neo-Nazism is younger, more violent, more militant”.

Auch die dem ANC-nahe stehende Zeitung Sowetan beobachtet die Neo-Nazi-Szene in Deutschland mit großem Interesse. Am 10. April 2013 veröffentlichte die Online-Ausgabe der Zeitung einen Presseagenturbericht über das mutmaßliche Neo-Nazi-Netzwerk in deutschen Gefängnissen, das wohl auch den Kontakt zu Zschäpe gesucht haben soll.

Auf Anfrage von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ wissen jedoch die meisten südafrikanischen Journalisten relativ wenig über den NSU. Auch die Erkenntnisse der Thüringer Sicherheitsbehörden, wonach das NSU-Trio unter der Mitwirkung des am Kap lebenden Rechtsextremen Dr. Claus Nordbruch nach Südafrika flüchten wollte, findet im südlichen Afrika keine Beachtung. Vielmehr ist die südafrikanische Presselandschaft davon überzeugt, dass Deutschland ein grundsätzliches rechtsextremistisches Problem aufweise. Allerdings dürfte das laufende NSU-Strafverfahren in Bayerns Landeshauptstadt auch am Kap sein Echo finden.

2010sdafrika-Artikel zum deutschen Rechtsextremismus am Kap

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