Kap-Kolumne: Bollywood Reality Show

Gupta-Saga: Ein Stück aus dem Tollhaus

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger Westberliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

Ein Bubenstück wie aus einer Seifenoper, oder besser, aus Bollywood: Die so genannte Gupta-Saga beschäftigt die Medien seit Beginn des Monats Mai. Nahezu täglich fügen neue Informationen ein weiteres Puzzlestück zu einem grotesken Bild des „Guptagate“, wie die Presse schreibt.

    © Ein Privatflugzeug landete am 30. April 2013 auf dem Militärflughafen Waterkloof bei Pretoria. Die Passagiere des Airbus 330 waren keine Militärangehörige, sondern Gäste der indischen Unternehmerfamilie Gupta. Behörden der Zuma-Regierung ermöglichten diese Exklusivlandung. Seither steht die Politik in Pretoria unter massivem öffentlichen Druck. (Quelle: Wikimedia)

© Ein Privatflugzeug landete am 30. April 2013 auf dem Militärflughafen Waterkloof bei Pretoria. Die Passagiere des Airbus 330 waren keine Militärangehörige, sondern Gäste der indischen Unternehmerfamilie Gupta. Behörden der Zuma-Regierung ermöglichten diese Exklusivlandung. Seither steht die Politik in Pretoria unter massivem öffentlichen Druck. (Quelle: Wikimedia)

Was ist geschehen? Ein Privatflugzeug landet am 30. April auf dem Militärflughafen Waterkloof bei Pretoria. Ein außergewöhnlicher Vorgang. Der gecharterte Airbus 330, so stellt sich heraus, hat rund 200 Passagiere aus Indien an Bord, Gäste der Unternehmer-Familie Gupta, eingeladen zu einer mehrtägigen Märchenhochzeit des Gupta-Sprößlings Vega. Mit Blaulicht und Tatütata wird die Entourage ins Luxusparadies Sun City bei Rustenburg eskortiert. Dort liefert das Hotel „Lost City“ – der Kulisse eines Indiana-Jones-Films nachempfunden – das adäquate Outfit für diese idyllische und bollywoodreife Veranstaltung in den ersten vier herbstlichen Maitage in Südafrika.

Wie die Reichen ihr Geld verballern, ist ja wohl ihre Sache, ruft da jemand. Geschenkt. Diese Gupta-Aktion ist eine PPP (public private partnership) der ganz besonderen Art. Und am Ende wird hier der junge demokratische Staat der Republik Südafrika vorgeführt. Ein Geschnatter hektischer, teils eiernder, teils sich widersprechender Statements aus mindestens fünf Ministerien trägt da eher zur Verwirrung als zur Aufklärung bei.

Da ist, beispielsweise, die nebulöse Herkunft der Landeerlaubnis für eine zivile Privatmaschine auf einem Flughafen der Luftwaffe. Ein Unding an sich. Der Flieger soll sogar, ohne Absprache, einen Sightseeing-Flug über Johannesburg geflogen haben. Inzwischen liegt vermutlich eine Erlaubnis der südafrikanischen Streitkräfte (SANDF) vor. Die Verteidigungsministerin hat diese Erlaubnis zunächst bestritten.

Die Familie Gupta ist weder in der Regierung Indiens vertreten noch steht sie in deren Staatsdiensten, und doch nutzt sie kurzerhand die offizielle Diplomatie des Landes für ihre Familienfeierlichkeit. Die High Commission of India, die indische Botschaft in Südafrika, hat die Landung der Maschine beantragt, und sprach von VIPs, konkret: hochrangige Minister der indischen Regierung, die sich an Bord des Gupta-Fliegers befänden. Später stellt sich heraus, der Landwirtschaftschaftsminister des indischen Bundesstaates Uttar Pradesh war unter den Gästen und sei im Besitz einer Einladung der südafrikanischen Provinzregierung Free State, schreibt die Zeitung Mail & Guardian. Ob der Minister tatsächlich die Provinz Free State besucht hat, ist nicht bekannt.

Selbst wenn der Flieger voller Minister wäre, der internationale Flughafen OR Tambo ist adäquat ausgerüstet mit VIP-Bereich und allem Pipapo. Es gibt keinen Grund einen Militärflughafen zu nutzen.

Nach der Landung steht die Polizei, dein Freund und Helfer, bereit. Neun Beamte der Johannesburger Metropolizei machen in gemieteten schwarzen BMWs, vermutlich mit falschen Kennzeichen, und mit Blaulicht die Straßen nach Sun City für die Hochzeitskolonne frei. Die Beamten sind inzwischen vom Dienst suspendiert. Immerhin.

Der Polizeiminister, die Innenministerin, der Justizminister, die Ministerin für internationale Beziehungen und Zusammenarbeit, die Verteidigungsministerin und selbst das Präsidialamt – sie alle befürworten nun eine Untersuchung in die peinliche Affäre. So kann man hoffen, dass es nicht nur bei Baueropfern bleibt.

Die Gupta-Familie (Sahara Computer) ist für ihre „Nähe“ zu Präsident Zuma und dessen Familie bekannt. Parteien wie der regierende ANC und die oppositionelle DA profitieren vom Gupta-Spendensegen. Die indischen Industriellen versuchen eben, mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen, zu den Großen im südafrikanischen Markt zu gehören, neben den tatsächlichen „big players“ wie den Oppenheimers und Ruperts. Das gehört nun mal zum „Business-as-usual“.

Ob sich die Guptas mit einer Aktion, die den südafrikanischen Staat wie eine Bananenrepublik aussehen läßt, einen Gefallen getan haben, bleibt abzuwarten. Denn eine Bananenrepublik ist dieses Land gewiss nicht. Das zeigt die Reaktion des Staates – so hektisch und unkoordiniert sie auch sein mag. Und nicht zu vergessen: Die Rolle der Medien, die oft und viel gescholtenen. Wenn sich der Präsident oder seine Minister demnächst wieder – zu Recht oder zu Unrecht – über den Beschuss durch die Medien beschweren, sollten sie sich überlegen, inwieweit sie nicht selber die Munition liefern mit einer desaströsen PR-Arbeit.

6 Antworten zu “Kap-Kolumne: Bollywood Reality Show

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