150 Jahre Sozialdemokratie

ANC-Vertreter aus Südafrika nehmen in Leipzig an SPD-Festlichkeiten teil

(Autor: Ghassan Abid)

Am 23. Mai 1863 ist in Leipzig der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV) gegründet worden, die erste deutsche Arbeiterpartei überhaupt. Ihr bekanntester Gründer Ferdinand Lassalle war von der Idee eines Sozialismus geprägt, der auf nationalstaatliche Züge angelehnt war. Ihm schwebte ein Ideal vor, eine Nation, die die Rechte der Arbeiterschaft achtete und darüber hinaus sich für diese einsetzte. Der ADAV stand in Konkurrenz zur Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, bis sich beide Parteien im Jahr 1875 zur SPD-Vorläuferpartei Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands zusammenschließen. 150 Jahre danach wird zurückgeblickt.

    © Die deutsche Sozialdemokratie feiert heute ihr 150. Bestehen. Die SPD zelebriert ihren Geburtstag in Leipzig. Gäste aus Südafrika werden auch erwartet. (Quelle: flickr/ Erlan)

© Die deutsche Sozialdemokratie feiert heute ihr 150. Bestehen. Die SPD zelebriert ihren Geburtstag in Leipzig. Gäste aus Südafrika werden auch erwartet. (Quelle: flickr/ Erlan)

In Leipzig werden Gäste aus aller Welt erwartet. Wie „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ erfuhr, wird ebenso mindestens ein Vertreter des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) nach Deutschland kommen, um an den Festlichkeiten teilzunehmen. Kopeng Obed Bapela – Vizeminister im Präsidialamt, Parlamentarier und ANC-Vorstandsmitglied – gilt als Unabhängigkeitskämpfer der ersten Stunde. Der im Township Alexandra bei Johannesburg geborene Politiker leitet innerhalb der Regierungspartei den Ausschuss für Internationale Beziehungen.

Den ANC verbindet mit der SPD eine enge Freundschaft, die sich während der Apartheid entwickelte. Die deutschen Sozialdemokraten waren im Großen und Ganzen bemüht, den ANC bei seinem Freiheitswillen zu unterstützen. So kamen mehrere Vertreter der Mandela-Partei nach Deutschland, um sich auszutauschen und Kooperationen einzuleiten. Auch zur SED in der DDR unterhielt der ANC eine intensive Freundschaft, die über die westdeutsche Hilfe hinausging. Und dies in einer Zeit, wo die südafrikanische Freiheitsbewegung von westlichen Regierungen als terroristisch eingestuft wurde. Die SPD wurde von anderen deutschen Parteien für ihre Beziehungen nach Südafrika scharf kritisiert.

Heute pflegen ANC und SPD weiterhin gute Beziehungen. Als Mitglieder innerhalb der Sozialistischen Internationalen (SI) stehen beide Parteien mittelbar und unmittelbar miteinander in Kontakt. Weniger bekannt ist, dass die SPD seit dem 29. September 2003 auch mit einem Auslandsortsverein am Kap präsent ist. Dieser Ortsverein ist dem SPD-Kreis Berlin-Mitte zugeordnet. 150 Jahre SPD spiegeln auch die deutsch-südafrikanische Freundschaft wider.

5 Antworten zu “150 Jahre Sozialdemokratie

  1. Detlev Reichel

    Nun ist die FES nicht die SPD. An der tatsaechlichen Partei-Politik der SPD hat die FES-Kritik jedenfalls nichts aendern koennen. Da galt eher die Schmidtsche Linie der „Staatsraeson“. Und die orientierte sich an den kalten Kriegern der NATO. Fuer die NATO war das Suedafrika der Apartheid der „Watchdog“ des Westens in der suedlichen Hemisphaere. Da nahm man die an der Rassenlehre der deutschen Faschisten orientierte Apartheid billigend in Kauf.
    Bei aller Versoehung (reconciliation) sollte man die Wahrheit (truth) nicht vergessen.

    • Und dennoch sollte das Engagement von Willy Brandt nicht vergessen werden, der Oliver Tambo in Bonn empfing und Nelson Mandela im Gefängnis besuchen wollte. Präsident Botha ließ sein Unbehagen gegenüber dem Sozialdemokraten deutlich spüren: http://www.zeit.de/1986/18/ich-bin-sehr-unzufrieden-mit-ihnen/komplettansicht.

      • Detlev Reichel

        Danke für den Link. Das widerspricht nicht meiner Meinung. 1986 war die Apartheid schon mächtig am bröckeln. Der Widerstand im Land, die internationale Isolierung sowie auch die zunehmende Erkenntnis in den Führungsetagen internationaler Konzerne, dass mit der Apartheid kein Staat mehr zu machen ist – all das brachte diese Herrschaftsform der Weißen am Kap an den Abgrund.
        Und: Willy Brandt hatte wahrscheinlich noch immer ein Kämmerchen seines Herzens für die Idee des Sozialismus beibehalten, oder besser: für eine soziale Demokratie. Wie schön wäre es, könnte man das auch von heutigen SPD-Führern sagen….

  2. Detlev Reichel

    Nun ja, die SPD muss ihre „enge Freundschaft“ mit dem ANC über viele Jahre erfolgreich sehr sehr geheim gehalten haben. In der Öffentlichkeit war während der Zeit der Apartheid in Südafrika (1948 bis 1994) wenig bis nichts davon zu spüren. Im Gegenteil. Die militärisch-nukleare Zusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland mit dem Apartheidregime, beispielsweise, wurde auch von SPD-geführten Regierungen mitgetragen. Ich erinnere mich, dass SPD-Kanzler H. Schmidt bei einem Kirchentag eine Vertreterin der Anti-Apartheid-Bewegung der Lüge bezichtigte, weil sie auf diese nukelare Zusammenarbeit, die Südafrika in die Lage versetzte, Atomwaffen zu bauen, hinwies. Vom ANC Mitte der 1970er Jahre veröffentlichte Dokumente belegten diese Kooperation jedoch eindeutig.
    Einen Hauptgrund für diese politische Haltung der SPD-Führung sehe ich im zwanghaften Antikommunismus („Die Grundtorheit des 20. Jahrunderts“ – Thomas Mann) dieser Partei. Dahinter steckt die politische Grundhaltung der SPD, dass das, was für Krupp gut ist auch für Krause gut ist. Im Englischen würde man sagen: „Being in bed with capitalism“. Erst als das Big Business, sprich: das Kapital, begriffen hatte, dass das System der Apartheid von einem Garanten zu einem Hemmschuh für Maximalprofite geworden war, erst dann schwenkte auch die SPD öffentlich um.
    Natürlich gab es in der SPD immer ehrliche Anti-Apartheid-Leute. Aber die hatten nicht das Sagen. Dass es auch anders gehen kann, haben die Sozialdemokraten mit Olof Palme in Schweden demonstriert, die den ANC schon früh unterstützten. Nicht mit Waffen, sondern offen politisch, diplomatisch, humanitär. Dass der ANC heute ideologisch eher sozialdemokratisch orientiert ist, dürfte u.a. auch ein Verdienst der Schweden sein, weniger der SPD.

    • Vielen Dank für den Kommentar. Die Kontakte der SPD zum ANC liefen auch über offizielle Kanäle, etwa über die FES. Die SPD-Stiftung schreibt hierzu: „Bereits in den 1950er Jahren wird das Apartheidsystem Südafrikas auf Tagungen der FES scharf kritisiert; in den 1960er Jahren werden die ersten Kontakte zu Befreiungsbewegungen im südlichen Afrika aufgebaut.“ Hier ein exemplarischer Link: http://www.fes.de/anc100/inhalt/ausstellungen.html#AusFES.

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