Besuch beim Bundespräsidenten Joachim Gauck

Afrikaner gehören zu Deutschland dazu. Sich gegen Diskriminierung und in Parteien engagieren

(Autoren: 2010sdafrika-Redaktion, Ghassan Abid)

Bundespräsident Joachim Gauck ist nicht gerade dafür bekannt, ein „Afrika-Kenner“ zu sein. Mit dieser kritischen Selbsteinschätzung begrüßte der erste Mann im deutschen Staat afrikanische Vertreter in Deutschland. Neben zahlreichen Botschaftern waren auch Repräsentanten aus Medien, Zivilgesellschaft, Kultur und Politik am vergangenen Freitag im Schloss Bellevue anwesend. Anlass für diese Afrikaveranstaltung war der 50. Jahrestag der Afrikanischen Union und die Gründung des Netzwerks TANG.

© Bundespräsident Joachim Gauck und Ghassan Abid, Chefredakteur von "SÜDAFRIKA - Land der Kontraste, erörterten das Thema Afrika in Deutschland im Schloss Bellevue. (Quelle: Simon INOU/ Afrikanet.info).

© Bundespräsident Joachim Gauck und Ghassan Abid, Chefredakteur von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, erörterten das Thema Afrika in Deutschland im Schloss Bellevue. (Quelle: Simon INOU/ Afrikanet.info).

Gauck bemängelte das hierzulande unzureichende Wissen über Afrika, das meist von Vorurteilen geprägt sei. Die Afrikaner in Deutschland nehmen in diesem Kontext eine wichtige Rolle ein. Afrikaner sind ein selbstverständlicher Teil der deutschen Gesellschaft, also gleichberechtigte Bürger einer Nation, der noch mehr Akzeptanz erfahren müsse. „Alle gehören zu uns“, sagte der Bundespräsident unter Beifall der Anwesenden.

© Dr. Sylvie Nantcha, CDU-Landesvorstandsmitglied in Baden-Württemberg und CDU-Stadträtin in Freiburg im Breisgau, initiierte das Bundestreffen des Bundesnetzwerkes "The African Network of Germany (TANG)". TANG versteht sich als Plattform von in Deutschland lebenden Afrikanern und afrikanischstämmigen Deutschen. Die Veranstaltung beim Bundespräsidenten ebnete dieses Vorhaben. (Quelle: Simon INOU/ Afrikanet.info).

© Dr. Sylvie Nantcha, CDU-Landesvorstandsmitglied in Baden-Württemberg und CDU-Stadträtin in Freiburg im Breisgau, initiierte das Bundestreffen des Bundesnetzwerkes „The African Network of Germany (TANG)“. TANG versteht sich als Plattform von in Deutschland lebenden Afrikanern und afrikanischstämmigen Deutschen. Die Veranstaltung beim Bundespräsidenten ebnete dieses Vorhaben. (Quelle: Simon INOU/ Afrikanet.info).

Phänomene wie Rassismus, etwa auf den Spielfeldern von Fußballvereinen gegenüber afrikanischstämmigen Fußballern oder die Diskriminierung in den verschiedensten Bereichen der deutschen Gesellschaft, müssen angegangen werden. Gauck hob die Arbeit von Bürgerinitiativen hervor. Nicht Rechtsextreme und Rassisten prägten das Land, sondern „wir die Mehrheit“. Gauck forderte eine stärkere Partizipation von Afrikanern in politischen Parteien. Die Demokratie basiere maßgeblich auf das Engagement von politischen Parteien.

Der Bundespräsident differenzierte in seiner Rede die unterschiedliche Motivation von Afrikanern, die nach Deutschland gekommen sind. Während er auf politisch Verfolgte im Asylbewerberheim in Bad Belzig traf, sind Marokkaner und Tunesier einst als Gastarbeiter nach Deutschland migriert. Kameruner reisten hingegen als Studenten ein. Zuwanderung darf in Anbetracht der demografischen Herausforderungen nicht mit Angst begegnet werden. „Zuwanderung brauchen wir“, unterstrich Gauck seine These mit dem Umstand, dass Europa eine alternde Bevölkerung und Afrika eine junge Bevölkerung aufweise. Gleichzeitig merkte er an, dass nicht jeder aus Afrika hier leben könne.

© Ghassan Abid diskutierte auch mit der First Lady und der Lebensgefährtin des Bundespräsidenten, Daniela Schadt, über die Thematik Afrika in Deutschland.

© Ghassan Abid diskutierte auch mit der First Lady und der Lebensgefährtin des Bundespräsidenten, Daniela Schadt, über die Thematik Afrika in Deutschland.

Der deutsche Staat müsse die Unterschiede miteinander verbinden. Alle sind hier zuhause, die auf Basis des Grundgesetzes hier zuhause sein wollen, sagte der parteilose Politiker. Die Vielzahl der heute eingewanderten Afrikaner ist gut ausgebildet – eine Tatsache, die wenig bekannt ist. Stattdessen berichten die deutschen Medien über Konflikte in Afrika, aber kaum etwas über das friedliche Zusammenleben auf diesem Kontinent. Die Wirklichkeit wird verzerrt dargestellt. Letztendlich sei Afrika auf dem richtigen Weg, trotz der zu beobachtenden Rückschläge.

2 Antworten zu “Besuch beim Bundespräsidenten Joachim Gauck

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