Mandelas Lebenszeit tickt immer schneller

Südafrika bereitet sich auf das zu erwartende Trauma vor. Den Tatsachen ins Auge sehen

(Autor: Ghassan Abid)

Die Zulus, eine bedeutende Ethnie im südlichen Afrika, prägten das in Südafrika vorherrschende Sprichwort: „Ein alter Mensch hat den Kalender im Bauch.“ Nach diesem Verständnis verlagern sich eigene Prioritäten mit zunehmenden Alter ausschließlich auf die physiologischen Grundbedürfnisse wie Essen, Schlafen oder Schmerzensfreiheit. Mandela kann schon seit längerer Zeit diese Bedürfnisse nicht mehr befriedigen. Vielmehr leidet er mit jedem weiteren Tag. Die südafrikanische Nation muss lernen, endlich loslassen zu können.

© Die südafrikanische Öffentlichkeit sucht in diesen Tagen den Weg, wie sie mit dem Tod von Nelson Mandela umzugehen hat. Die Presse versucht, jede Redaktion für sich, die passenden Ansätze zu liefern. Einige halten an einem irdischen Fortbestehen Mandelas fest, andere verabschieden sich bereits von Madiba. (Quelle: flickr/ woolerybj)

© Die südafrikanische Öffentlichkeit sucht in diesen Tagen ihren Weg, wie sie mit dem Tod von Nelson Mandela umzugehen hat. Die Presse versucht, jede Redaktion für sich, die passenden Ansätze zu liefern. Einige halten an einem irdischen Fortbestehen Mandelas fest, andere verabschieden sich bereits von Madiba. (Quelle: flickr/ woolerybj)

Seit dem gestrigen Samstag ist Mandela in einem Krankenhaus in Pretoria in Behandlung. Präsident Jacob Zuma äußerste sich heute erneut zum Gesundheitszustand des ersten schwarzen Staatsoberhaupt Südafrikas, wonach dieser „kritisch, aber stabil“ ist. Unterdessen bereitet die Presse die Öffentlichkeit auf das große Trauma vor. Der Tod Mandelas wird viele Menschen am Kap schmerzvoll treffen. Mit seiner Person wird das Ende der Apartheid und der Beginn der Demokratisierung des Landes verbunden.

Der TV-Privatsender „eNCA“ berichtet fortlaufend vor dem Krankenhaus und fordert die Regierung auf, weitere Informationen über den populären Patienten zu veröffentlichen. Die ANC-nahe Zeitung „Sowetan“ schildert den Nichtantritt einer London-Reise von Graca Machel, der Ehefrau Mandelas. Sie wolle in diesen schweren Stunden bei ihrem Mann am Bett sein.

Der staatliche Rundfunk „SABC“ hingegen will noch nicht loslassen und titelt heute, dass Südafrika ihren Mandela noch bräuchte. Dem widerspricht die Investigativ-Zeitung „City Press“, die ihre Leser dazu aufruft, das hohe Alter des Friedensnobelpreisträgers zu akzeptieren. Die Redaktion des Blattes „Mail and Guardian“ hält dafür fest, dass das Ausbleiben von weiteren Informationen bedeuten würde, dass Madiba weiterhin am Leben ist. Auf diesem Weg üben die Journalisten eine unterschwellige Kritik an ihre Kollegen.

Während die einzelnen Redaktionen am Kap ihren jeweiligen Weg suchen, die Öffentlichkeit über den Gesundheitszustand von Nelson Mandela zu informieren und diese auf den Tod vorzubereiten, so bleibt die Tatsache bestehen, dass das Erreichen seines 95. Geburtstags auch bedeutet, das körperliche Leiden eines Idols in Kauf zu nehmen. Zuletzt war Mandela immer wieder an diversen Orten in medizinischer Behandlung.

2 Antworten zu “Mandelas Lebenszeit tickt immer schneller

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