Kap-Kolumne: Medienzirkus um Mandela

Mandelas Familie müsse loslassen, damit auch Südafrika dies tun könne

(Autor: Detlev Reichel ist der Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals. Als Missionskind, Sozialist und einstiger Westberliner Anti-Apartheids-Aktivist berichtet er aus und zu Südafrika.)

Der Medienzirkus um den Krankenhausaufenthalt von Nelson Mandela empfinde ich als würdelos. Auf der Jagd nach dem ersten Bild, der ersten Nachricht vom Tod des Freiheitskämpfers und Staatsmannes, belagern TV-Kamerateams und Reporter aus aller Welt und aus Südafrika das Krankenhaus in Pretoria, wo sie Mandela vermuten. Bei eiskalten Wintertemperaturen rattert laut ein Generator, Kabel liegen kreuz und quer auf der Straße. Ich kann mir den Vergleich nicht verkneifen: Wie die Aasgeier, die auf den Tod ihres Futters warten.

    © Andrew Mlangeni [im Bild ganz links] ist ein enger Weggefährter und Freund Mandelas. Er sagt, dass die Familie ihren Madiba endlich loslassen müsse, damit die südafrikanische Nation dies ebenfalls tun könne. (Quelle: flickr/ Nelson Mandela Centre of Memory)

© Andrew Mlangeni [im Bild ganz links] ist ein enger Weggefährter und Freund Mandelas. Er sagt, dass die Familie ihren Madiba endlich loslassen müsse, damit die südafrikanische Nation dies ebenfalls tun könne. (Quelle: flickr/ Nelson Mandela Centre of Memory)

Es ist hierzulande Sprachgebrauch von Politikern und Journalisten, Nelson Mandela als „nationale Ikone“ zu bezeichnen. Ikonen sind bekanntlich Heiligenbildchen, die vornehmlich in Russisch- und Griechisch-orthodoxen Kirchen hängen. So manche antike Ikone ist sogar begehrtes Sammlerobjekt und erzielt hohe Preise auf dem Kunstmarkt.

Ich bin mir dessen bewusst, dass die Bezeichnung „Ikone“ oftmals durchaus ehrenwert gemeint ist und die Lebensleistung dieses Mannes würdigen soll. Doch eine Ikone kommt nun mal, gewollt oder nicht, in die Nähe der Heiligsprechung. Der eingangs erwähnte Medienzirkus, sowie auch der Streit um die kommerzielle Nutzung des Namens Mandela (als Marke) spricht in diesem Zusammenhang Bände. All das tut dem Menschen Mandela, denke ich, zutiefst Unrecht und ist seiner nicht würdig.

Der langjährige Genosse und Freund Mandelas, Andrew Mlangeni, sagte gegenüber der südafrikanischen Sunday Times: “We wish Madiba a speedy recovery, but I think what is important is that his family must release him.“ Dem kann ich nur zustimmen. An Madiba selbst gerichtet fährt Mlangeni fort: “You have been coming to the hospital too many times. Quite clearly you are not well and there is a possibility you might not be well again.” Sobald die Familie Nelson Mandela geistig loslasse, könne das Volk Südafrikas dem folgen, sagt Andrew Mlangeni, der zusammen mit dem Freiheitskämpfer im Rivoniaprozess zu lebenslanger Haft verurteilt wurde und auf der Gefängnisinsel Robben Island einsaß. Man darf hoffen, dass seine mutigen Worte Gehör finden.

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