Luxusware Wasser

Der fade Beigeschmack in südafrikanischen Nestlé-Wasserflaschen

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Wasser ist das kostbarste natürliche Gut des Menschen, der Grundbaustein des Lebens und gleichzeitig eine Luxusware. Die flüssige chemische Verbindung aus den Elementen Sauerstoff und Wasserstoff wird längst in Plastikflaschen abgefüllt und für die meisten Menschen in Südafrika für einen entsprechenden Preis zum Kauf angeboten. Viele können es sich nicht leisten. Etwa Bewohner der Townships. Und dies, obwohl Wasser längst von den Vereinten Nationen mit dem Sonderstatus „Menschenrecht“ versehen wurde. Einklagbar ist dieses Recht allerdings nicht. Ein Konzern steht besonders im öffentlichen Blickfeld.

© Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé unterhält in Südafrika 11 Standorte, darunter eine Wasserabfüllanlage in Doornkloof in der Provinz Gauteng. Die angebotenen Wasserflaschen können von der armen Bevölkerungsmehrheit nicht bezahlt werden, obwohl Wasser den Sonderstatus eines Menschenrechts zugesprochen bekommen hat. (Quelle: flickr/ Roving I)

© Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé unterhält in Südafrika 11 Standorte, darunter eine Wasserabfüllanlage in Doornkloof in der Provinz Gauteng. Die angebotenen Wasserflaschen können von der armen Bevölkerungsmehrheit nicht bezahlt werden, obwohl Wasser den Sonderstatus eines Menschenrechts zugesprochen bekommen hat. (Quelle: flickr/ Roving I)

Nach Angaben des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) haben in den meisten Ländern Afrikas südlich der Sahara immer noch „40 Prozent der Menschen keinen direkten Zugang zu sauberem Trinkwasser“. Zusätzlich nutzten nur 31 Prozent der Menschen sanitäre Anlagen. Unzureichende Wasserversorgung und fehlende Hygiene verursachen Krankheiten, die tödlich enden können. Vor allem Kinder trifft es meist am schlimmsten.

Nestlé, der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern mit Hauptsitz in der Schweiz, ist mit 11 Standorten in Südafrika vertreten. Ins Visier von Bürgerrechtlern und Journalisten geriet die Wasserabfüllanlage in Doornkloof in der Provinz Gauteng. Nach Informationen des WDR-Journalisten Christian Jentzsch werden dort täglich 282.000 Liter Wasser abgefüllt und abtransportiert. Als „Pure Life“ wird es dann in den Supermärkten und Kiosken angeboten, entweder mit Sprudel oder als Stilles. Die Bewohner der umliegenden Townships sind allerdings nicht in der Lage, diese natürliche Ressource zu bezahlen.

Das „Department of Water Affairs“, das Wasserministerium Südafrikas, vergab dem Schweizer Konzern die entsprechenden Lizenzen, die laut Jentzsch auf 20 Jahre angelegt sind. Das Ministerium erfülle seinen öffentlichen Auftrag nach ethischen und transparenten Maßstäben, heißt es auf der Homepage. Allerdings lassen sich überhaupt keine Informationen zur wichtigen Wasserangelegenheit finden. Der einzelne Bürger kann sich somit nicht selbst informieren.

Selbstverständlich mag das Nestlé-Engagement in Südafrika juristisch betrachtet nicht zu beanstanden sein. Doch bleibt aus moralischer Sicht ein fader Beigeschmack beim Trinken von Nestlé-Wasser zurück. Das Unternehmen wollte sich auf Anfrage von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ zum Sachverhalt nicht äußern bzw. ignorierte die Presseanfrage schlichtweg.

Weltspiegel-Beitrag zum Nestlé-Engagement in Südafrika

Südafrika hat eine stärkere Trockenheit zu erwarten, die mit dem Klimawandel einhergeht. Der Mangel an Wasserversorgungssicherheit sei aber nicht nur das Ergebnis von ungenügenden Wasserreserven, sondern auch das Resultat eines fehlenden Bewusstseins für die richtige Benutzung von Trinkwasser. So zumindest heißt es in der Zielmarktanalyse „Wasserwirtschaft in Südafrika“, die von der Deutschen Industrie – und Handelskammer für das südliche Afrika herausgegeben wurde. Die Wasserkrise kann durchaus gelöst werden, wenn staatliches Management und privatwirtschaftliches Handeln stärker auf die Interessen der Bevölkerung zugeschnitten sind. Doch im Fall Nestlé-Wasser gehen die unternehmerischen Ziele und der öffentliche Nutzen weit auseinander.

3 Antworten zu “Luxusware Wasser

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