Wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Südafrika

Im Interview mit Bundesforschungsministerin Johanna Wanka

(Autor: Ghassan Abid)

© Prof. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung. (Quelle: Bundesregierung/Steffen Kugler)

© Prof. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung. (Quelle: Bundesregierung/Steffen Kugler)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Frau Prof. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung (BMBF). Das „Deutsch-Südafrikanische Wissenschaftsjahr“ nahm im April 2013 sein offizielles Ende. Welches Fazit ziehen Sie?

Antwort: Das Wissenschaftsjahr hat uns die Gelegenheit gegeben, die fast 20-jährige Zusammenarbeit zu reflektieren, zu würdigen und in die Zukunft zu blicken. Die intensive gemeinsame Vorbereitung des Wissenschaftsjahres führte zu neuen wichtigen Projekten wie beispielsweise der Vereinbarung zur Einrichtung eines deutsch-südafrikanischen Forschungslehrstuhls. Gleichzeitig haben wir einem breiten Publikum die Vielfalt und Ergebnisse der jahrelangen Zusammenarbeit gezeigt. Wissenschaftsjahre dienen auch dem Aus- und Aufbau von Kontakten für Wissenschaftler und Forscher, Lehrende und Lernende.

2010sdafrika-Redaktion: Wie viele Wissenschaftler welcher Disziplinen und welche wissenschaftlichen Einrichtungen beider Staaten waren am Beziehungsnetz beteiligt?

Antwort: Die sieben Themenschwerpunkte des Wissenschaftsjahres waren Klimaforschung, Bioökonomie, Urbanisierung, Gesundheitswirtschaft, Astronomie, Geisteswissenschaften und Humanressourcen. In diesen Disziplinen haben sich Forschende und Wissenschaftler beider Länder auf vielfältige Weise beteiligt – im Rahmen von Veranstaltungen, mittels der Kommunikationsplattform „Science-Network“ im Internet und im Rahmen von Projekten. Die Gesamtzahl aller Beteiligten kann nur geschätzt werden. Manche der 50 internationalen Veranstaltungen verzeichneten über 100 Teilnehmer. Im Rahmen eines deutsch-südafrikanischen Ideenwettbewerbs haben rund 40 deutsche und südafrikanische Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen insgesamt 41 Projekte umgesetzt.

Besonders freut mich, dass Frauen und Männer an Veranstaltungen und Initiativen paritätisch beteiligt und engagiert haben. Dem Thema „Frauen in der Forschung“ haben wir außerdem besondere Aufmerksamkeit geschenkt durch Aktivitäten wie der Konferenz „Women in Science“ an der Fachhochschule Kiel oder auch dem südafrikanischen „Women in Science Award“.

2010sdafrika-Redaktion: Ihre Vorgängerin Annette Schavan hatte die deutsch-südafrikanische Forschungskooperation auf der Regierungsebene maßgeblich nach vorne gebracht. Inwieweit setzen Sie diesen Kurs fort und welche Akzente sind Ihnen wichtig?

Antwort: Kontinuität ist wichtig. Ich werde daher den eingeschlagenen, erfolgreichen Kurs meiner Vorgängerin fortsetzen. Mein südafrikanischer Amtskollege Minister Derek Hanekom und ich haben vereinbart, einen gemeinsamen Forschungslehrstuhl einzurichten. Darüber hinaus ist mir der Aus- und Aufbau von Initiativen, die auf die Förderung wissenschaftlicher Exzellenz in Afrika ausgerichtet sind, besonders wichtig. So hat mein Ministerium gemeinsam mit der Alexander von Humboldt-Stiftung die „Neville Alexander-Gedächtnisinitiative“ ins Leben gerufen. Die Sonderinitiative ist Professor Neville Alexander gewidmet, einem Weggefährten Nelson Mandelas. Die Initiative unterstützt die Förderung exzellenter Wissenschaft in Afrika und soll auch dazu beitragen, das Potenzial an exzellenten Forschenden in Südafrika zu stärken und auszubauen.

2010sdafrika-Redaktion: Welche thematischen Schwerpunkte dominieren die gegenwärtigen Aktivitäten des BMBF mit seinem Partnerland im südlichen Afrika?

Antwort: Die bereits erwähnten sieben Themenschwerpunkte des Wissenschaftsjahres dominieren auch die gegenwärtigen bilateralen Aktivitäten. Im Kontext der Klimaforschung geht es beispielsweise die Suche nach den Ursachen und Auswirkungen an Land und in den Meeren. Zusätzlich wird gemeinsam nach nachhaltigen Lösungen für Wassermanagement, Energieversorgung und Ressourcenmanagement gesucht. Im Januar dieses Jahres wurde zudem eine (erste) deutsch-südafrikanische Antarktis-Expedition durchgeführt.

2010sdafrika-Redaktion: Im März 2012 interviewte unsere Redaktion Herrn Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, der unter anderem die Bemühungen Chinas um Südafrika als Forschungspartner erläuterte. Seither hat der chinesische Einfluss am Kap deutlich zugenommen. Kann Deutschland die Forschungskooperation mit Südafrika auf diesem hohen Niveau auf Dauer tatsächlich halten?

Antwort: Deutschland ist einer der wichtigsten Partner Südafrikas in der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit. Die deutsche Forschung ist in der Zusammenarbeit mit der südafrikanischen Wissenschaft sehr gut aufgestellt und verankert. Wir werden natürlich – dort wo es im Forschungs- und Wissenschaftsbereich sinnvoll ist- weiter an dieser Verstetigung arbeiten. Dazu dienen uns Instrumente wie das Wissenschaftlich-Technologische Abkommen, bilaterale Projektausschreibungen oder die Einrichtung des Deutschen Forschungslehrstuhls. Die Aktivitäten Chinas, wie auch die anderer Länder, betrachte ich daher eher als Anreiz und als Herausforderung, globale Probleme gemeinsam zu lösen.

2010sdafrika-Redaktion: Können Sie erläutern, inwiefern sich das Bundesforschungsministerium auf dem Gebiet der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit (WTZ) mit Südafrika mit anderen Bundesressorts und Landesministerien abstimmt?

Antwort: Auf Bundesebene findet ein intensiver Austausch im Rahmen verschiedener Gremien statt. Beispielsweise beim Afrika-Konzept der Bundesregierung, an dessen Ausarbeitung alle Bundesministerien beteiligt waren. Ein weiteres Beispiel ist die vom Auswärtigen Amt ins Leben gerufene „Binationale Kommission“, eine alle zwei Jahre stattfindende ressortübergreifende Sitzung mit unseren südafrikanischen Kollegen. Die Zusammenarbeit mit den Länderministerien wird beispielsweise über das Gremium der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz abgestimmt.

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© Bilder zur Abschlussveranstaltung des „Deutsch-Südafrikanischen Wissenschaftsjahres“ (Quelle: BMBF)

2010sdafrika-Redaktion: Nun waren Sie neun Jahre lang Ministerin in Brandenburg und drei weitere Jahre in Niedersachsen. Daher die innenpolitische Frage, wo Sie noch Handlungsbedarf in der Bildungs- und Wissenschaftspolitik sehen im Hinblick auf den deutschen Föderalismus?

Antwort: Die Bundesregierung kämpft weiter für eine Grundgesetzänderung, damit der Bund sich wieder dauerhaft in der Wissenschaft engagieren kann. Wir wollen dem Bund damit strategische Möglichkeiten in der Hochschulpolitik einräumen – über die derzeit erlaubten, streng zeitlich begrenzten Projekte und Initiativen hinaus. Das ist auch für Deutschlands internationale Ausstrahlung in der Wissenschaft von entscheidender Bedeutung. Eine weitere Baustelle des Bildungsföderalismus war bis vor kurzem die mangelnde Anerkennung von Lehramtsabschlüssen. Lehrer oder Lehramtstudierende haben nicht selten Probleme, wenn sie von einem Bundesland in ein anderes umziehen. Dieser Flickenteppich gehört nun der Vergangenheit an: Die Länder haben sich auf eine gegenseitige Anerkennung geeinigt. Im Gegenzug finanziert der Bund eine Qualitätsoffensive für die Lehrerausbildung, für die sich Hochschulen mit besonders innovativen Konzepten beim Lehramtsstudium bewerben können.

2010sdafrika-Redaktion: Johanna Wanka, Bundesforschungsministerin, vielen Dank für die Möglichkeit dieses Interviews!

3 Antworten zu “Wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Südafrika

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