Südafrika in außenpolitischer Verantwortung

Im Interview mit Klaus A. Hess, Verleger und Chefredakteur des Magazins afrikapost

(Autor: Ghassan Abid)

© Klaus A. Hess, Verleger und Chefredakteur des Magazins afrikapost.

© Klaus A. Hess, Verleger und Chefredakteur des Magazins afrikapost. (Quelle: Klaus A. Hess)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Klaus A. Hess, Verleger und Chefredakteur des Magazins afrikapost. Seit 1972 befassen Sie sich mit dem afrikanischen Kontinent. Wie erleben Sie Afrika, wenn Sie in die 70er-Jahre zurückblicken und gleichzeitig auf die heutige Entwicklung schauen?

Antwort: Vor 40 Jahren war die Apartheid in Südafrika noch ein großes Thema, in Afrika fanden Stellvertreter-Kriege statt zwischen den Weltmächten Sowjetunion und USA im Rahmen des weltweiten „Kalten Krieges“ der beiden westlich-demokratischen und östlich-kommunistischen Blöcke. In den jungen Staaten wurden verschiedene politische und soziale Modelle probiert, die leider oft nicht zur Entwicklung zugunsten der Bevölkerung führten, sondern zu Umstürzen und Bürgerkriegen. In der Weltpolitik und Weltwirtschaft spielte Afrika praktisch keine eigene Rolle.

Heute ist der Ost-West-Konflikt Vergangenheit, China ist ein bedeutender Player geworden, Apartheid ist überwunden und die Zahl der Länder mit internen Konflikten hat sich deutlich reduziert. Insgesamt sind die politischen Verhältnisse stabiler geworden, Afrika gewinnt nicht nur als Rohstoff-Lieferant an Bedeutung in der Weltpolitik und Weltwirtschaft. Oft herrschen in der medialen und öffentlichen Wahrnehmung in den Industrieländern leider noch viele alte und überholte Klischees vor von Afrika als Kontinent der Krisen, Katastrophen und Krankheiten. Die Wirklichkeit ist wesentlich differenzierter.

2010sdafrika-Redaktion: Südafrika ist eines der Länder, das aufgrund seiner Geschichte eine besondere Rolle einnimmt. Wie bewerten Sie die innenpolitische Lage und die außenpolitische Verantwortung dieses Schwellenlandes für das südliche Afrika?

Antwort: Eine besondere Rolle Südafrikas sehe ich primär in der Wirtschaftskraft, die das Land nach wie vor hat, und dem darauf aufbauenden politischen Gewicht. Das „Besondere“ der Vergangenheit, die Apartheid und Dominanz der Weißen, ist Geschichte und insoweit ist Südafrika mehr und mehr ein normaler afrikanischer Staat, wenngleich mit einer vergleichsweise noch immer sehr guten Infrastruktur. Innenpolitisch sehe ich Gefahren für die „Regenbogennation“ und das versöhnende Erbe von Nelson Mandela, einige wenige werden schnell reich und für die breite Masse verändert sich kaum etwas. Außenpolitisch in Bezug auf das südliche Afrika ist Südafrika dominant und muss versuchen, die Eigeninteressen innerhalb der SADC und SACU auszubalancieren. Auf ganz Afrika gesehen hat Südafrika eine Verantwortung, mit seinen Fähigkeiten für Stabilität und Frieden beizutragen.

2010sdafrika-Redaktion: Im August 2004 ist die afrikapost von der Deutschen Afrika Stiftung e.V. übernommen worden. Viele spannende Themen sind zu lesen, von Nordafrika bis hin zum Süden Afrikas. Welche Themen werden in der nächsten Ausgabe aufgegriffen?

Antwort: Kleine Korrektur: Die Deutsche Afrika Stiftung hat die alte „Afrika-Post“ bereits 1980 übernommen und in Eigenregie geführt, im Jahr 2004 habe ich die verlegerische und redaktionelle Verantwortung übernommen und ab 2005 mit einem kompletten Relaunch die Zeitschrift als neue „afrikapost“ innerlich und äußerlich auf neue Beine gestellt. Damit sind wir recht erfolgreich neu gestartet. In jeder Ausgabe haben wir ein Titelthema – jetzt im Juni z.B. „Waldwelten“, im März war es Mosambik, davor Jugendarbeitslosigkeit -, das wir ausführlicher beleuchten. Jedes Heft bringt ein Länderporträt – das ist jetzt Ägypten – und feste Rubriken zu Politik, Wirtschaft und Entwicklung, Gesellschaft, Deutschland und Afrika, Tourismus. Besonders hervorheben möchte ich unseren Kulturteil, der in der deutschen Printmedienlandschaft zu Afrika seinesgleichen sucht.

© Cover der aktuellen Ausgabe des Magazins afrikapost. (Quelle: afrikapost)

© Cover der aktuellen Ausgabe des Magazins afrikapost. (Quelle: afrikapost)

2010sdafrika-Redaktion: Unter anderem gehören Bundestagsabgeordnete, Diplomaten, Journalisten und einfache Afrika-Interessierte zu Ihren Lesern. Welches Afrikabild ist die afrikapost bestrebt zu vermitteln?

Antwort: Im Sinne unserer Herausgeberin, der Deutschen Afrika Stiftung, zeichnen wir ein differenziertes Bild des afrikanischen Kontinents, also weder die reine negative Krisen-Katastrophen-Darstellung noch eine reine Schönschreiberei, sondern die ganze Vielfalt, die den Kontinent auszeichnet, alles was positiv läuft – das ist inzwischen eine Menge – wie auch die nach wie vor kritischen Aspekte. Wir wollen ein realistisches Bild vermitteln.

2010sdafrika-Redaktion: Wie viele Leser abonnierten die afrikapost und lesen diese schwerpunktmäßig?

Antwort: Wir haben eine Auflage von derzeit rund 3.000 Exemplaren und wissen aus der Erfahrung, dass jedes Heft von 2 bis 3 Personen gelesen wird.

2010sdafrika-Redaktion: Mir ist aufgefallen, dass die afrikapost die Möglichkeiten des Internets, etwa Online-Berichterstattung und Social Media, nicht aktiv nutzt. Warum nicht?

Antwort: Diese Bereiche sind in der Regel zeitaufwendig und damit auch kostenintensiv, weil sie ständig aktuell gepflegt werden müssen und sonst kontraproduktiv wirken. Dafür haben wir zur Zeit nicht die Kapazität. Als Vierteljahreszeitschrift nehmen wir auch bewusst nicht für uns in Anspruch, Tagesaktualitäten reflektieren zu wollen.

2010sdafrika-Redaktion: Nun hielt sich vor Kurzem auch Marit Arnold, Redaktionsleitung Berlin der afrikapost, in Südafrika auf. Inwieweit wird regelmäßig Südafrika redaktionell abgedeckt?

Antwort: Wir sind verpflichtet, kein Land und keine Region Afrikas bevorzugt zu behandeln. Dass es aufgrund von Größe, wirtschaftlicher und politischer Bedeutung und aktueller Gegebenheiten Länder und Regionen gibt, die von Fall zu Fall etwas mehr im Fokus sind, ist normaler journalistischer Aufgabenstellung geschuldet. Frau Arnolds längerer Aufenthalt in Südafrika sollte nicht primär einer Hervorhebung des Landes dienen. In der letzten Zeit haben wir allerdings ziemlich regelmäßig Südafrika-Themen im Heft gehabt, auch weil wir mit Claudia Bröll von der FAZ eine qualifizierte Wirtschaftsjournalistin anhand haben, die in Südafrika arbeitet, sowie eine Reihe über das Engagement der BRICS-Länder gebracht haben, wobei Südafrika auch eine Rolle spielt.

2010sdafrika-Redaktion: Wenn Sie Südafrika mit drei Schlagwörtern charakterisieren müssten, welche wären es?

Antwort: Eine Welt in einem Land (ein früherer Tourismus-Werbeslogan), Nelson Mandela (für den Ausgleich nach der Apartheid), politische Gratwanderung (aktuelle Situation).

2010sdafrika-Redaktion: Klaus A. Hess, Verleger und Chefredakteur des Magazins afrikapost, vielen Dank für das Interview!

Eine Antwort zu “Südafrika in außenpolitischer Verantwortung

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