„Afrika als Fülle von Möglichkeiten begreifen“

Im Interview mit Barbara Schirpke, Herausgeberin des Online-Mediums AfroPort

(Autor: Ghassan Abid)

    © Barbara Schirpke ist Herausgeberin des Online-Mediums "AfroPort", das gemessen an seine Besucherzahlen zu den erfolgreichsten Afrika-Medien im deutschsprachigen Raum zählt.

© Barbara Schirpke ist Herausgeberin des Online-Mediums „AfroPort“, das gemessen an seine Besucherzahlen zu den erfolgreichsten Afrika-Medien im deutschsprachigen Raum zählt.

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Frau Barbara Schirpke, Herausgeberin von AfroPort, das deutschsprachige Afrikaportal für Kunst, Kultur und Business im Internet. Wofür steht das seit Mai 2004 betriebene Online-Medium?

Antwort: AfroPort ist das deutschsprachige AfrikaPortal für Kunst, Kultur und Business im Internet. Das sagt schon viel. Vielleicht ergänzend: Es sind über 200 Themen – von Ausstellungen, über Konzerte, Festivals, Galerien, Museen, Restaurants, Autoren, Maler, Musiker, Bands, und auch Medien wie Bücher, CDs, Filme, TV-Tipps – bis zu Geschäftsleuten, Schulen, Unis oder Vereinen. Ziel war es eine Plattform zu schaffen, die möglichst alles Afrikanische im deutschsprachigen Raum abbildet und so Austausch und Kommunikation, aber auch Kennenlernen und ganz persönliche Besuche fördert oder sogar erst ermöglicht.

2010sdafrika-Redaktion: Wenn man die Nachrichten der großen Medienhäuser zu Afrika liest, dann tauchen immer wieder Negativschlagzeilen wie Armut, Bürgerkrieg und Korruption auf. Auf AfroPort hingegen stehen positive Trends in Wirtschaft und Kultur im Mittelpunkt. Wie passt das zusammen?

Antwort: „The bad news is the good news“ gilt ja nicht nur für afrikanische Nachrichten, aber gerade im Kontext Afrika vernehme ich seit Jahren vehemente Proteste, Diskussionen und immer neue Konferenzen zu diesem Thema. Geändert hat das nichts. Meiner Meinung nach verschlingt das auch nur Zeit und Geld. Und dann gibt es noch die Theorie, dass ich vermehre, worauf ich mich konzentriere, also Energie verwende. Wenn es also in die Natur der Menschen liegt, gern schlechte Nachrichten zu hören, können wir nur bewusst anderes / gutes dagegensetzen. Das war der Ansatz von AfroPort. Wir zeigen die Fülle der Möglichkeiten, hier vor Ort zu wirken und die Dinge zum Besseren zu ändern. Sie kennen das Sprichwort vom Fegen vor der eigenen Haustür? Dann kann man Erfolg oder Misserfolg auch sofort sehen.

2010sdafrika-Redaktion: Mehrere Herausgeber und Redakteure teilten uns mit, dass Unwissenheit und Vorurteile das Afrika-Bild der deutschen Öffentlichkeit prägen. Teilen Sie diese Einschätzung?

Antwort: Ja und nein! Meiner Einschätzung nach ist das stark altersabhängig. Die junge Generation ist viel aufgeschlossener als die ältere – oft sogar sehr kritisch. Außerdem ist die Landkarte sehr differenziert. So haben wir im Südwesten (insbesondere im Dreiländerdreieck DACH) fast schon eine Miltikultivorzeigegesellschaft, überhaupt ist der süddeutsche Raum sehr offen, wie auch die Ballungszentren in NRW, Hessen, Hamburg, Bremen, Berlin. Daneben gibt es aber Regionen, wo Afrikaner immer noch mit Schimpfworten benannt werden. Übrigens auch dort, wo ich geboren wurde. Da wäre Basisarbeit dringend nötig. Aber leider fließt das Geld viel zu oft in prestigeträchtige Bauten – nicht nur in Humboldt-Forum, Flughafen und Philharmonie sondern auch in Internetprojekte, die Monate nach Fertigstellung kaum noch einer besucht.

2010sdafrika-Redaktion: Ebenfalls decken Sie redaktionell das Land Südafrika ab, allen voran mit Veranstaltungs- und Termintipps. Welche grundsätzliche Rolle nimmt Südafrika in der Berichterstattung von AfroPort ein?

Antwort: 2010 – zur Fußball WM – haben wir natürlich viel zu Südafrika berichtet. Ansonsten: AfroPort versucht die ganze Vielfalt des afrikanischen Kontinents abzudecken. Südafrika ist da nur eines von 53 Ländern.

2010sdafrika-Redaktion: Ich möchte Ihnen die soziopolitische Frage stellen, inwieweit Südafrika die Entwicklungen auf dem afrikanischen Kontinent beeinflusst?

Antwort: Diese Frage geht weit über unserer Kernkompetenz hinaus und außerdem ist es eigentlich unmöglich, die Entwicklung eines ganzen Kontinents in Beziehung zu Südafrika in wenigen Sätzen zu beschreiben. Auf jeden Fall und trotz aller Probleme der Regenbogengesellschaft, entwickelt sich Südafrika seit 1990 kontinuierlich zum stärksten Motor auf dem afrikanischen Kontinent. Es gibt viel Positives zu berichten hinsichtlich Wirtschaftswachstum, BIP, Auto-, Telekommunikations- oder Solarindustrie, Exportergebnisse und ganz langsam schlägt sich das auch auf die Lebensverhältnisse nieder. Da bietet sich Südafrika für viele Unternehmen z.B. als Tor nach Afrika an, wie von Jacob Zuma gewünscht, allerdings – mit Angola, Nigeria oder Kenia zunehmend nicht alternativlos.

© Screenshot AfroPort

© Screenshot AfroPort

2010sdafrika-Redaktion: AfroPort verzeichnet nach eigenen Angaben über 2.000 Besucher pro Tag und eine Million Zugriffe im Monat. Dementsprechend kann man Ihr Online-Medium als das erfolgreichste Afrika-Medium im deutschsprachigen Raum bezeichnen. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Antwort: Danke zunächst für das implizierte Lob. Auch wir denken, dass 2000 Besucher pro Tag zumindest Anlass zum Weitermachen geben. Aber Erfolg ist relativ. Das Portal ist jetzt über fast 10 Jahre kontinuierlich gewachsen, stets aktuell – hier gibt es keine überholten Veranstaltungstipps – und viele Besucher wissen das, schauen immer wieder vorbei. Aber, auch wenn viele Besucher AfroPort loben und uns sogar der Bundespräsident a.D., Horst Köhler, ein Grußwort schrieb, es ist viel Kleinarbeit, aufwändig und damit kostenintensiv. Im Internet gibt es immer wieder neue Entwicklungen an die wir das Portal anpassen müssen – müssten. Aber leider haben wir weder in der Politik noch in der Wirtschaft Förderer gefunden. An ganz Afrika ist keiner wirklich interessiert. Wenn Sie Partner werden wollen oder einen Sponsor wissen, geben Sie uns bitte Bescheid.

2010sdafrika-Redaktion: Waren Sie schon persönlich im südlichen Afrika und falls noch nicht, was würden Sie sich am Kap persönlich anschauen wollen?

Antwort: Leider, in Südafrika war ich noch nicht, aber mein Mann und seit dem möchte er unbedingt, dass wir das Land besuchen. Wenn die Zeit reicht, würde ich gern Land und Leute kennenlernen – v.a. Tafelberg, Drakensberge, Garden Route, Blyde River Canyon, Ndebele-Häuser, aber auch die neue Architektur wie die WM-Stadien oder das Mapungubwe Interpretation Centre von Peter Rich und … Ich lass das besser mal auf mich zukommen und dann haben Sie bestimmt auch gute Tipps für mich.

2010sdafrika-Redaktion: Barbara Schirpke, Herausgeberin des Online-Mediums AfroPort, vielen Dank für das Interview! Und ja, die Tipps bekommen Sie sehr gerne von mir…nochmals herzlichen Dank.

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