Exklusiv: Rechtsextremist Alexander Neidlein

Kampfeinsatz auf dem Balkan, illegaler Waffenbesitz in Südafrika und nun NPD-Vorsitzender

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Im März 1994 war die Ungewissheit über die Zukunft Südafrikas größer denn je. Die Demokratisierung nahm ihren holprigen Lauf – trotz Wahlboykottaufrufe, einer gescheiterten freiwilligen Entwaffnung und mehreren Morden durch Rechtsradikale. Nelson Mandela ist seit einigen Jahren frei und auf höchster politischer Ebene liefen die Vorbereitungen zum Übergang von einem weißen Minderheitsregime hin zu einer schwarzen Mehrheitsregierung. Doch nicht alle am Kap wollten den Untergang des Apartheidsstaates untätig hinnehmen. Drei Deutsche reisten in dieser Zeit nach Südafrika, um den Radikalen beizustehen.

© In der besinnlichen Stadt Crailsheim im baden-württembergischen Landkreis Schwäbisch Hall weilt unter den rund 32.000 Einwohnern der Rechtsextremist Alexander Neidlein, der in Südafrika militant für die Aufrechterhaltung der Apartheid eintrat und am 20. März 1994 wegen illegalen Waffenbesitzes verhaftet und im Anschluss verurteilt wurde. (Quelle: Wikimedia/ Mikmaq)

© In der besinnlichen Stadt Crailsheim im baden-württembergischen Landkreis Schwäbisch Hall weilt unter den rund 32.000 Einwohnern der Rechtsextremist Alexander Neidlein, der in Südafrika militant für die Aufrechterhaltung der Apartheid eintrat und am 20. März 1994 wegen illegalen Waffenbesitzes verhaftet und im Anschluss verurteilt wurde. (Quelle: Wikimedia/ Mikmaq)

Über den Johannesburger Jan-Smuts-Flughafen – der 2006 in O.R. Tambo International umbenannt wurde – waren Thomas Kuntz (32 Jahre) aus Itzehoe, Stephan Rays (26 Jahre) aus Hamburg und Alexander Neidlein (19 Jahre) aus Crailsheim als vermeintliche deutsche Touristen eingereist. Relativ spät stellte sich bei den Sicherheitsbehörden am Kap heraus, dass die drei auf einer Farm untergebrachten Bundesbürger tatsächlich Terroristen waren. Denn Kuntz und Rays sind in Deutschland ausschließlich aus dem Hamburger Rotlichtmilieu als Türsteher bekannt gewesen, während über Neidlein zum damaligen Zeitpunkt keiner etwas wusste. Das Trio war reichlich mit Waffen und Munition versorgt, pflegte gute Kontakte zu südafrikanischen Rassisten und wollte den Machtwechsel durch die „Neger vom ANC“ mit vollkommener Entschlossenheit verhindern. 

In der Nacht des 14. März kam es in Pretoria zu einem knapp 45-minütigen Schusswechsel zwischen den Deutschen und einer südafrikanischen Polizeistreife. Zwei Beamte wurden verletzt. Der Kontaktmann des Trios, Heinrich Siems (57 Jahre) aus Niendorf, konnte bei der Schießerei flüchten, während Kuntz erschossen und Rays verhaftet wurde. Am 20. März 1994 wird dann in der Provinz Gauteng auch Siems zusammen mit Alexander Neidlein verhaftet.

Neidlein – der von einem Gericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, nach Deutschland abgeschoben wurde und hierzulande eine Haftstrafe antrat – ist seit dem 17. März 2013 neuer Landesvorsitzender der NPD in Baden-Württemberg. Über den Extremisten Siems – am Kap unter den Decknamen Horst Klenz bekannt – kam Neidlein vom Balkan nach Südafrika, um für die „weiße Rasse“ im südlichen Afrika einzustehen. Willem Ratte, deutschstämmiger Elitesoldat, hatte Neidlein mehrfach getroffen. Dieser beauftragte das Trio Neidlein, Kuntz und Rays mit der Bewachung des illegalen rechten Senders „Radio Pretoria“.

In rechtsextremistischen Kreisen gilt der nun knapp 40-jährige Neidlein mit Kurzhaarschnitt und Brille als schillernde Führungsperson, der eine Politik der „seriösen Radikalität“ verfolgt. Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Partei und freien Kameradschaften ist hierunter zu verstehen. Ihm wird nachgesagt, für eine autoritäre Führung einzustehen und die NPD in Süddeutschland aus der Bedeutungslosigkeit herausholen zu wollen. Infolge seiner Funktion als einstiger stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungen Nationaldemokraten, der NPD-Jugendorganisation, unterhält Neidlein auch gute Kontakte zum aktuellen Bundesvorsitzenden Holger Apfel. Bei Neidleins Wahl zum Landesvorsitzenden gratulierte Apfel persönlich.

Neidlein versucht nun von Crailsheim aus mit „Disziplin und Gehorsam“ den Rechtsextremismus voranzubringen. Der ehemalige Söldner [Anmerkung der Redaktion: Neidlein behauptete in einem Interview kein Sold erhalten zu haben], der auf dem Balkan auf der Seite der nationalistisch-extremistischen Miliz „Hrvatske obrambene snage (HOS)“ mitkämpfte, soll auch in Südafrika intensive Kontakte zur rechtsextremistischen „Afrikaner Weerstandsbeweging (AWB)“ von Eugène Terre’Blanche unterhalten haben. Weitere Einzelheiten sind nicht bekannt.

    © Alexander Neidlein, der aktuelle NPD-Chef in Baden-Württemberg, wurde nach seiner Verhaftung von einem südafrikanischen Gericht verurteilt und nach Deutschland abgeschoben. Seither führt er die NPD äußerst autoritär, heißt es. (Quelle: Marek Peters/ www.marek-peters.com)

© Alexander Neidlein, der aktuelle NPD-Chef in Baden-Württemberg, wurde nach seiner Verhaftung von einem südafrikanischen Gericht verurteilt und nach Deutschland abgeschoben. Seither führt er die NPD äußerst autoritär, heißt es. (Quelle: Marek Peters/ http://www.marek-peters.com)

Die auf Gewalt ausgerichteten Bestrebungen Neidleins, die er auf dem Balkan und in Südafrika vollzog, stellen unumstritten eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar. Denn der Verfassungsschutz Baden-Württemberg hält in seinen Publikationen fest, dass die Jugendorganisation der NPD in Baden-Württemberg die größte rechtsextremistische Jugendgruppierung in ganz Deutschland ist. Auf diesem Zug wird auch Neidlein aufsteigen und die Jugend aktiv in die Arbeit der NPD einbeziehen – vergangene Aktionen belegen diesen Trend. Inwieweit Alexander Neidlein Kontakt zum in Südafrika lebenden Rechtsextremisten Claus Nordbruch unterhält, bleibt gegenwärtig offen.

Die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ geht seit geraumer Zeit mehreren öffentlichen und anonymen Hinweisen nach, wonach zwei Thesen im Raum stehen: 1. Südafrika ist ein Rückzugsgebiet für deutsche Rechtsextremisten und 2. Deutsche Rechtsextreme und südafrikanische Rassisten unterhalten intensive Beziehungen zueinander.  Die geplante Flucht des NSU-Trios Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt – die laut Auskunft deutscher Sicherheitsbehörden bisweilen nicht als erwiesen gilt – untermauert dieses nach außen abgeschottete Geflecht. Auch andere deutsche Rechtsextreme wie André Kapke, Mario Brehme und Tino Brandt hielten sich bereits im Kapland auf.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) erwiderte in einem Interview mit „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ die Erforderlichkeit des deutsch-südafrikanischen Austausches zwischen den Innenministerien, sofern hierzu die entsprechenden Beweise vorliegen. In diesem Fall müssten geeignete Maßnahmen zur Bekämpfung des deutschen Rechtsextremismus in Südafrika getroffen werden, sagte der Berliner Politiker. Ein Austausch zwischen den Nachrichtendiensten, so eine interne Information aus dem deutschen Sicherheitsapparat, finde bereits statt.

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