Apartheidsflagge auf australischem Rathaus

Versehen oder bewusste politische Provokation? Bürgermeister Dean Lynch zeigt sich stur – ein Eklat

(Autor: Ghassan Abid)

Dean Lynch ist der Bürgermeister des australischen Verwaltungsgebietes Cooma-Monaro Shire, in welchem rund 10.000 Menschen leben. Sein Rathaus befindet sich in der Stadt Cooma, einem beliebten Ort für Wintertouristen. International kennt man Cooma nicht; zumindest bislang noch nicht. Denn ein politischer Eklat katapultierte die 10.000 Seelen-Gebietskörperschaft direkt ins politische Südafrika. Das Außenministerium kocht vor Wut und die südafrikanische Botschaft in Canberra übt Druck aus – bisher ohne Erfolg.

© Koleka Mqulwana, Botschafterin Südafrikas in Australien [links im Bild], versucht seit Tagen Dean Lynch, Bürgermeister des australischen Verwaltungsgebietes Cooma-Monaro Shire [rechts im Bild], zur Entfernung der Apartheidsflagge auf dessen Rathaus zu bewegen. Doch dieser zeigt sich stur und weigert sich. (Quelle: South African Embassy Canberra + Cooma-Monaro Shire/ collage 2010sdafrika-Redaktion)

© Koleka Mqulwana, Botschafterin Südafrikas in Australien [links im Bild], versucht seit Tagen Dean Lynch, Bürgermeister des australischen Verwaltungsgebietes Cooma-Monaro Shire [rechts im Bild], zur Entfernung der Apartheidsflagge auf dessen Rathaus zu bewegen. Doch dieser zeigt sich stur und weigert sich. (Quelle: South African Embassy Canberra + Cooma-Monaro Shire/ collage 2010sdafrika-Redaktion)

Mit großer Bestürzung haben einige Bewohner von Cooma reagiert, als auf dem Rathaus die südafrikanische Flagge gehisst wurde. Allerdings handelt es sich nicht um jene Flagge, die seit dem 27. April 1994 offiziell im Gebrauch ist, sondern um die Prinsenvlag in den Farben orange, weiß und blau. Die Flagge aus der Apartheidsära sieht man heutzutage grundsätzlich nur noch in Museen, in historischen Büchern oder bei Nostalgikern im heimischen Wohnzimmer. Viele Menschen verbinden mit ihr die Rassentrennung, die Unterdrückung der schwarzen Mehrheitsgesellschaft und den puren Rassismus gegenüber Nicht-Weißen.

Koleka Mqulwana, Botschafterin Südafrikas in Australien, ist bereits über die zweifelhafte Aktion des Bürgermeisters Lynch informiert worden. Sie soll, so heißt es in lokalen Pressemeldungen, das Rathaus bereits aufgefordert haben, die Flagge zu entfernen. Stattdessen hält Lynch an der Prinsenvlag fest und weigert sich, diese durch die neue Flagge Südafrikas zu ersetzen, heißt es in der Cooma-Monaro Express.

© Die Apartheidsflagge. Für viele Südafrikaner gilt sie als Symbol für Unterdrückung, Hass und Rassismus.

© Die Apartheidsflagge. Für viele Südafrikaner gilt sie als Symbol für Unterdrückung, Hass und Rassismus.

Aus Pretoria heißt es, dass die Beamten im Außenministerium über den Vorfall in Australien empört sind und die zuständigen Außenamtsmitarbeiter für Australien vor Wut kochen. Sollte Bürgermeister Dean Lynch seine Weigerung aufrechterhalten, so dürfte auch über das australische Außenministerium der Druck auf das Rathaus in Cooma ausgeübt werden.

Eine diplomatische Zerreißprobe wollen Südafrika und Australien vermeiden, zumal beide Staaten enge Handelsbeziehungen untereinander pflegen und viele Südafrikaner im Down-Under leben. Es wird geschätzt, dass rund 155.000 Südafrikaner in Australien ihre neue Heimat gefunden haben. Unter den Einwanderern befinden sich auch viele Bürger, die wegen der hohen Kriminalität oder infolge des Machtwechsels durch den ANC emigriert sind.

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