„Keine Angaben zum Drohnenverkauf“

Staatsunternehmen Denel verschleiert Millionengeschäft mit unbemannten Flugkörpern 

(Autoren: Ghassan Abid, 2010sdafrika-Redaktion)

Denel ist das führende Rüstungsunternehmen in Südafrika, das im Hauptbesitz der Regierung ist. Allerdings tut sich das Unternehmen damit schwer, Transparenz im Drohnenverkauf zu gewährleisten. Ein staatlicher Konzern, der die Öffentlichkeit  bei umstrittenen Geschäften bewusst  im Unklaren lässt. Die Frage, warum sich Denel so verschwiegen zeigt, begründet sich im Verhalten zweifelhafter Kunden, die südafrikanische Rüstungsgüter missbrauchen könnten. Doch zum Eklat kam es am Kap bislang nicht.

© Das SEEKER II+ UAV Surveillance System, eine vom staatlichen Rüstungskonzern Denel produzierte Drohne, soll in den nächsten Jahren an zweifelhafte Regime - etwa an das autokratisch geführte Saudi-Arabien - stillschweigend verkauft werden. Offiziell will Denel dieses angestrebte Millionengeschäft weder bestätigen noch dementieren. (Quelle: Denel)

© Das SEEKER II+ UAV Surveillance System, eine vom staatlichen Rüstungskonzern Denel produzierte Drohne, soll in den nächsten Jahren an zweifelhafte Regime – etwa an das autokratisch geführte Saudi-Arabien – stillschweigend verkauft werden. Offiziell will Denel dieses angestrebte Millionengeschäft weder bestätigen noch dementieren. (Quelle: Denel)

Die Kontrolle des Konzerns, das unweit der Luftwaffenstützpunkte Swartkop und Waterkloof in Centurion ansässig ist, übt das Ministerium für öffentliche Unternehmen aus. In dieser Woche stellte das Management unter Beisein des zuständigen Ministers seinen Bericht für  das Geschäftsjahr 2012/13 vor. Demnach befinde sich der Konzern bereits das dritte Jahr in Folge in schwarzen Zahlen. Mit einem Gewinn um 30 Millionen Rand im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, kletterte der von Schulden geplagte Konzern auf einen Gesamtgewinn von 71 Millionen Rand (umgerechnet rund 5,5 Millionen Euro).

Vor allem der 34-prozentige Export von Rüstungsgütern verschaffte Denel eine solide Einnahmesituation. Gefragt werden vor allem Raketen und bodengestützte Verteidigungssysteme mit dem Siegel „Made in South Africa“. Mehrere humanitäre Operationen in afrikanischen Krisenstaaten sind mit Denel-Gütern realisiert worden, etwa jene im Südsudan, in der Demokratischen Republik Kongo, im Senegal, in Libyen, in Angola und in Mosambik. Überschattet wurde die positive Bilanzierung vom jüngsten Tod zweier südafrikanischer Denel-Mitarbeiter in Somalia.

Denel-Vertreter machten deutlich, dass das Unternehmen einen Exportzuwachs von Rüstungsgütern in die Regionen Afrika, Naher Osten, Asien-Pazifik und Südamerika anstrebe. Besonderes Augenmerk wurde auf die unbemannten Flugkörper – kurz UAV – gelegt, die in den Nationalparks in Südafrika zur Bekämpfung der illegalen Nashornjagd eingesetzt werden. Die verschiedenen UAV-Produkte, die Drohnen, könnten zum Exportschlager von Denel werden. In Militärkreisen, so heißt es, gehören die südafrikanischen Drohnen zu den günstigsten ihrer Art weltweit. Die Drohne des Modells SEEKER II+ UAV Surveillance System sei bereits für 750.000 US-Dollar zu haben. Im Vergleich hierzu kostet die technologisch anspruchsvollere US-Drone Predator rund 4,5 Millionen US-Dollar – pro Exemplar wohlgemerkt.

Fikile Mhlontlo, Finanzdirektor des Konzerns, hatte sich bereits in mehreren Fachinterviews für eine stärkere exportorientierte Ausrichtung des Staatsunternehmens ausgesprochen. Dementsprechend scheint es nicht überraschend, wenn Staaten wie Saudi-Arabien zu den größten Drohnenbestellern werden könnten. Denn das autokratisch geführte Königshaus zeigte sich mehrfach von den südafrikanischen Drohnen beeindruckt. Allerdings wird der Kauf durch Riad dann umstritten, wenn diese Flugkörper gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt und womöglich mit Waffen ausgestattet werden. Saudi-Arabien wurde mehrfach dafür kritisiert, Frauen- und Menschenrechte zu missachten, die Opposition zu unterdrücken und keine freie Presse zuzulassen. Hinzu kommt ein militärischer Einsatz im Nachbarland Bahrain, um die dortige Demokratiebewegung in Schach zu halten.

Denel erklärte auf mehrere Anfragen südafrikanischer Zeitungen, dass die genauen Bestimmungsorte der Drohnen grundsätzlich nicht genannt werden. Auch die Presseanfrage von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, wie viele Drohnen in welche Länder im Geschäftsjahr 2012/13 konkret verkauft wurden, blieb unbeantwortet. Diese Herangehensweise überrascht nicht, nachdem die Vereinten Nationen die von Drohnen ausgeübten Angriffe im Rahmen des Anti-Terror-Kriegs als „völkerrechtswidrig“ verurteilt haben. Carsten Luther, Redakteur für Internationale Politik bei ZEIT ONLINE, warf in einem Artikel die Frage nach dem Recht und der Moral des Drohnenkriegs auf. Der Journalist hielt fest, dass „zwischen Moral und Gesetz“ eine Lücke vorherrsche.

Gegenwärtig produziert Denel die Drohnenprodukte Seeker 400 UAV Surveillance System, SEEKER II+ UAV Surveillance System, HUNGWE Unmanned Aerial System, Seraph High-speed Stealth Drone und SKUA High-speed Target Drone. Seit September 2008 ist der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall mit einer 51-prozentigen Beteiligung an der Denel-Munitionssparte beteiligt. Ebenfalls kooperiert das EADS-Tochterunternehmen Cassidian aus dem bayerischen Unterschleißheim – spezialisiert auf militärische Kommunikationssysteme, Nachrichtengewinnung und elektronische Schutzmaßnahmen – mit Denel.

2 Antworten zu “„Keine Angaben zum Drohnenverkauf“

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