Durban International Film Festival

Spielfilm „Of Good Report“ als Kinderpornografie? Festival endet nach Behördenzensur im Eklat

(2010sdafrika-Redaktion)

Vom 18. bis 28. Juli 2013 fand zum 34. Mal das „Durban International Film Festival (DIFF)“ statt. An acht Orten konnte sich die südafrikanische Öffentlichkeit nationale und internationale Produktionen anschauen. Gefördert wurde das Festival unter anderem durch die Deutsche Botschaft Pretoria und das Goethe Institut in Johannesburg. Doch die Festivalleitung sorgte mit einem entscheidenden Film in ihrem Programm für einen Eklat. Die Regierung zeigte sich empört und die Filmbranche dafür missverstanden. Das DIFF könnte auf Dauer das Nachsehen haben, da es auf staatliche Gelder angewiesen ist.

© Der Spielfilm „Of Good Report“ [Sequenz im Bild] soll nach Angaben der Medienzulassungsbehörde „Film and Publication Board (FPB)“ kinderpornografische Szenen enthalten. Der Eröffnungsfilm des Durban International Film Festivals (DIFF) durfte nicht ausgestrahlt werden. Ein Eklat, der auf Dauer das Festival belasten könnte.

© Der Spielfilm „Of Good Report“ [Sequenz im Bild] soll nach Angaben der Medienzulassungsbehörde „Film and Publication Board (FPB)“ kinderpornografische Szenen enthalten. Der Eröffnungsfilm des Durban International Film Festivals (DIFF) durfte nicht ausgestrahlt werden. Ein Eklat, der auf Dauer das Festival belasten könnte.

Ausgerechnet der Eröffnungsfilm zum Festival durfte nicht ausgestrahlt werden. Das für die Medienzulassung zuständige „Film and Publication Board (FPB)“ – vergleichbar mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien in Deutschland – ließ den Spielfilm „Of Good Report“ verbieten. Die Ehefrau des Regisseurs Jahmil Qubeka trug einen Brief vor, der die Beweggründe der behördlichen Zensur zum Anlass nahm. Das Publikum war zuerst sprachlos und schließlich wütend, nachdem die FPB angeblich zur „Vernichtung des Films“ aufgerufen hatte [siehe u.a. Video].

Eine Woche später, zum Festivalende, erhielt „Of Good Report“ doch noch eine Zulassung mit einer Altersfreigabe ab 16 Jahren (16SNVL). Der Film behandelt die Geschichte eines Lehrers (gespielt von Mothusi Magano) in einem Township, der eine sexuelle Beziehung mit einem seiner minderjährigen Schüler anfängt. Der Schwarz-Weiß-Film ist so angelegt, dass der Lehrer zu keinem Zeitpunkt zu Wort kommt. Vielmehr sollen die Taten für sich sprechen.

Ankündigung des DIFF-Ausstrahlungsverbotes von „Of Good Report“

Die FPB urteilte, dass im Spielfilm kinderpornografische Sequenzen zu sehen seien. Regisseur Qubeka rechtfertigte seinen Film und wehrte sich gegen den Vorwurf, den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen zu befürworten. Auch Peter Machen, DIFF-Direktor, zeigte sein Unverständnis über die behördliche Entscheidung, wonach 28 ganze Minuten als kinderpornografische Sequenzen eingestuft worden sein sollen. Filmproduzent Michael Auret ärgerte sich über die Behörde und versprach Aufklärung.

Mehrere Zeitungen, unter anderem die City Press, positionierten sich für die Ausstrahlung des Films, um auf diesem Weg eine gesellschaftliche Debatte über den sexuellen Missbrauch von Kindern anzustoßen. Regie und Produktion von „Of Good Report“ bekräftigten, dass der Film vielmehr die Realität in Südafrika widerspiegle. Ab dem 2. August ist „Of Good Report“ in den südafrikanischen Kinos zu sehen. Ob dieser in Deutschland – ob im Verleih oder  in den Kinos – zu sehen sein wird, kann bislang noch nicht beurteilt werden. Nicht mal über einen Trailer verfügt der Film.

Der Durbaner Festivalskandal erinnert an den Eklat auf dem Filmfestival in Cannes aus dem Jahr 2002. Im französischen Film „Irreversibel“, der unter der Regie von Gaspar Noé stand, ist die ungeschnittene brutale Vergewaltigung einer Frau (gespielt von Monica Bellucci) zu sehen. Noé betonte gegenüber mehreren Journalisten die Kunstfreiheit und den Willen, auf die Realität in Frankreich hinweisen zu wollen. In Deutschland erhielt „Irreversibel“ die Altersfreigabe ab 18 Jahren (FSK18).

Eine Antwort zu “Durban International Film Festival

  1. Das ist freilich ein aeusserst sensibles Thema in Suedafrika. Die Gemengelage ist kompliziert. Zum einen ist hier eine Gesellschaft, in der Gewalt gegen Kinder und Frauen zum Alltag gehoert. Insbesondere der sexuelle Missbrauch von Kindern sowie Vergewaltigungen von Frauen finden tagtaeglich in erschreckendem Ausmass statt. Zum anderen besteht Suedafrikas Gesellschaft aus zutiefst traditionalistisch orientierten Bevoelkerungsgruppen. Alle haben ihre eigenen meist strengen Moralvorstellungen und -gesetze – Insbesondere was die Beziehungen zwischen den Geschlechtern anlangt. Da ist die Schwelle zur Be- und schliesslich Verurteilung von „Pornografie“ anders als beispielsweise in Europa.
    Den Film habe ich (noch) nicht gesehen. Er wird in Radiosendungen als Art Film bezeichnet, d.h.der Schwarzweiss-Streifen wird nicht in den grossen Mainstream-Kinos gezeigt werden, sondern eher in den kleinen „Cinema Nouveau“ genannten Lichtspielhaeusern, die eher duenn gesaet sind. Der Eklat um die Zensur beim Durban Filmfestival wirkt allerdings auch als Werbung fuer Of Good Report. Ich denke, er wird nun von viel mehr Menschen gesehen werden als ohne diese fragwuerdige Zensur-Massnahme.

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