Die große Verliererin

Leichtathletik-WM in Moskau ohne Südafrikas Laufstar Caster Semenya

(Autor: Ghassan Abid)

Lange hatte sich die im südafrikanischen Pietersburg geborene Caster Semenya auf die heute beginnende Leichtathletik-WM in Moskau vorbereitet. Sie wollte unbedingt am sportlichen Großevent in Russland teilnehmen, scheiterte jedoch bereits in der Qualifikation daran. Stattdessen muss sie die Weltmeisterschaft vom TV-Gerät aus verfolgen. Eine Demütigung, die fremdverschuldet ist.

    © Die südafrikanische Mittelstreckenläuferin Caster Semenya hatte die Qualifikation zur heute beginnenden Leichtathletik-WM in Moskau verpasst. Die Debatte um ihr Geschlecht hat der Sportlerin zugesetzt. An ihre sportliche Leistung kommt sie seit der damaligen Sperre durch den Weltverband nicht mehr heran. (Quelle: flickr/ John Brown)

© Die südafrikanische Mittelstreckenläuferin Caster Semenya hatte die Qualifikation zur heute beginnenden Leichtathletik-WM in Moskau verpasst. Die Debatte um ihr Geschlecht hat der Sportlerin zugesetzt. An ihre sportliche Leistung kommt sie seit der damaligen Sperre durch den Weltverband nicht mehr heran. (Quelle: flickr/ John Brown)

Der 800-Meter-Lauf ist ihre Disziplin. Bei der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin triumphierte die Südafrikanerin mit einer Bestzeit von 1:55,45 Minuten. Sie schnitt deutlich besser als ihre Konkurrentinnen ab. Der Berlin-Sieg ist mit Abstand ihr größer Karriereerfolg überhaupt. Doch schon kurze Zeit nach der Aushändigung der Goldmedaille spekulierte die internationale Sportgemeinschaft über das wahre Geschlecht Semenyas.

Ist sie tatsächlich eine Frau, eher ein Mann oder vielmehr ein Zwitter, fragte sich die Presse. Semenya wurde unmittelbar nach dem Ende der Leichtathletik-WM in Berlin für elf Monate vom Weltleichtathletikverband IAAF gesperrt. Sie durfte nun an keinem sportlichen Wettkampf teilnehmen. Die Unschuldsvermutung schien im Semenya-Fall der Nachrangigkeit unterworfen worden zu sein.

Sie musste sich unzähligen und, wie sie selber sagt, erniedrigenden medizinischen Tests unterziehen. Südafrikas damaliger Sportminister Makhenkesi A. Stofile, der heute als Botschafter in Deutschland tätig ist, kritisierte die ausländischen Medien scharf. So dürfe man nicht mit einem Menschen umgehen, hielt Stofile mit Empörung fest.

Was genau Caster Semenya zwecks Geschlechtsbestimmung erdulden musste, darüber schweigen Sportlerin und Verband bis heute. Dafür beschränkte man sich auf die erfreuliche Nachricht, dass sie nach einer knapp einjährigen Pause wieder am internationalen Sportbetrieb teilnehmen dürfe. IAAF-Generalsekretär Pierre Weiss bestätigte, dass die Sportlerin eine Frau ist, wenn auch nicht hundertprozentig.

Allerdings hat die Debatte um ihr Geschlecht der Sportlerin nachhaltig geschadet. Sie musste sich mit zweitklassigen Sportwettbewerben zufrieden geben. Medien und Sponsoren haben das Interesse an der 22-jährigen Mittelstreckenläuferin sichtlich verloren. Hinzu kommt die gescheiterte Qualifikation zur Leichtathletik-WM in Moskau. Caster Semenya, die gegenwärtig größte Verliererin im südafrikanischen Sport.

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